Tag Archives: Moral

Krass und reaktionär?

10 Mrz

In der „Welt“ habe ich gerade den Artikel einer lesbischen Frau gelesen, die über die Schwierigkeiten und Zumutungen in unserer heteronormativen Gesellschaft berichtet. An dem Artikel habe ich grundsätzlich nichts zu kritisieren, möchte aber eine Frage der Autorin herausgreifen, weil diese mir merkwürdig vorkommt.

Zunächst einmal der Zusammenhang:

„Es gibt Dinge, die kannst du nicht überwinden. Kerle wollen was anderes als Frauen.“ Ich höre zu, sie fährt fort: „Solche Probleme habt ihr natürlich nicht. Ich wünschte manchmal, ich wär auch lesbisch.“ Und fügt erbarmungslos hinzu, dass es ja viele Turbofeministinnen gebe, die sich ganz bewusst für eine Frau entschieden, weil sie Männer als Beschränkung ihrer Selbstverwirklichung ablehnten.

Ich kratze mir den Kopf, sage: „Ach, echt?“, und füge, statt zu widersprechen, irgendeinen pseudoprovokanten Scherz zum Thema „Frauenfeindlichkeit unter Lesben“ hinzu. Erst zehn Stunden zu spät und mitten in der Nacht komme ich auf einen wichtigen Gedanken: Ist es nicht die krasseste unter den reaktionären Ansichten über Homosexualität, man könne sich aus marktwirtschaftlichen Motiven für oder gegen sie entscheiden? So wie man sich für eine Partei entscheidet oder eine Wohnzimmereinrichtung? Homosexualität ist in den Augen dieser jungen, aufgeklärten und links orientierten Frau offenbar bloß ein fauler Ausweg aus der Gendermisere.

Die Frage lautet also:

„Ist es nicht die krasseste unter den reaktionären Ansichten über Homosexualität, man könne sich aus marktwirtschaftlichen Motiven für oder gegen sie entscheiden? So wie man sich für eine Partei entscheidet oder eine Wohnzimmereinrichtung?“

Ich möchte diese Frage gerne mit einem überzeugten „nein“ beantworten, weil ich diese Ansicht weder für sonderlich krass noch reaktionär halte. Warum? Weiterlesen

Gott liebt Homos (oder auch nicht)

3 Jul

Matthew Vines hat es sich zur Aufgabe gemacht, Homosexualität und Christentum miteinander in Einklang zu bringen. Aus christlicher bzw. religiöser Sicht habe ich diesen Ansatz bereits in der Vergangengheit als „fruchtbarer“ bezeichnet als meinen eher „atheistischen Ansatz“, der die Bibel im Hinblick auf moralische Fragen als irrelevant abtut,

weil Moral unabhängig von der Bibel existiert. Ob eine Handlung moralisch ist, sollte man nicht an einem Schriftstück festmachen, sondern an der konkreten Situation der in einer Handlung involvierten Menschen.

Auch heute noch halte ich Vines Ansatz für besser, zumindest im Hinblick auf religiöse Kreise

ganz einfach, weil der atheistische Ansatz den Menschen, die er [Vines] ansprechen will, zu abstrakt ist, weil für sie Moral ohne Bibel – oder wie sie sagen würden: ohne Gott – gar nicht vorstellbar ist.

Was hätte ich im Gegenzug religiösen Menschen anzubieten? Weiterlesen

Abgründe moralischen Denkens

4 Nov

Es gibt Menschen, deren Denkweise ich einfach nicht verstehen kann. Zu diesen Menschen gehört ein gewisser Marcus Franz, Mitglied der österreichischen Partei „Team Stronach„. In einem Interview mit „profil.at“ versucht er, der Öffentlichkeit seine Anschauung von Moral zu erklären. Wenig erfolgreich, wie ich finde:

Die Moral ist auch eine freie Entscheidung. Und freiwillige Kinderlosigkeit ist aus meiner Sicht amoralisch. Das ergibt sich klar aus dem Kant’schen Prinzip: Wenn das jeder macht, ist die Welt bald tot.

Vergewaltigung und Zwangsverheiratung wären aus dieser Sicht zumindest zu tolerierende Handlungen, weil  sie ja zu Kindern führen können. Weiterlesen

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