Tag Archives: Nationalsozialismus

Wollt Ihr die totale Öffnung?

8 Jun

Die Entscheidung der Leitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, in Ausnahmefällen homosexuelle Partnerschaften im Pfarrhaus zu ermöglichen, findet Widerspruch. So weit, so normal in einer pluralistischen Kirche. Befremdend ist allerdings die Wortwahl des Widerspruchs. Weiterlesen

Lasst uns über Faschismus reden

11 Dez

Seitdem Deutschland gemerkt hat, dass es hierzulande Rechtsextreme gibt, die bereit sind, ihre Ziele mit Gewalt und Mord durchzusetzen, beginnt wieder die große politische Analyse: Was ist Rechtsextremismus, wie entsteht er, warum gibt es auch in Deutschland Rechtsextremismus und können Frauen das auch? Diese Fragen werden hierzulande immer wieder gestellt und die Antworten fallen je nach Saison und politischer Orientierung unterschiedlich aus.

Im Grunde genommen hat man keine Ahnung was der Kern der rechtsextremen Ideologie ist, schon gar keine Ahnung davon hat die sogenannte antifaschistische Linke, die ja sehr schnell dabei  ist, Nationalsozialismus und Faschismus eins in eins zu setzen und  alles in marxistischer Terminologie irgendwie auf den Kapitalismus zurückzuführen. Mit den Motiven, Zielen und Denkweisen rechtsextremistischer Parteien, Organisationen und einzelnen Menschen beschäftigt sich dagegen kaum jemand und es wäre überraschend, wenn auch nur eine Handvoll „Antifaschisten“ in der Lage ist, z. B. Grundzüge des Parteiprogramms der NPD zu rezitieren. Weiterlesen

Normal, na und?

23 Nov

Neue Studien zum Thema „Homosexuelle Männer in der frühen Bundesrepublik“ verspricht der Band „Ohnmacht und Aufbegehren“. Enthalten ist ein Einblick in die „Homophilenbewegung“ der 1950er Jahre, die vor den späteren studentisch geprägten Aktivisten keine Gnade fand:

Die Studenten nahmen jene bürgerlichen Intellektuellen, die Humanitätsappelle an Regierung und Öffentlichkeit richteten und kaum selbst zu sagen wagten, dass sie in eigener Sache sprachen, kaum ernst. (…) Sie machten ihr „Schwulsein“ öffentlich und zum Programm.

Spannend finde ich, dass Praunheims 1971 geäußerte Kritik an der schwulen Subkultur zuvor längst von Vertretern der „Homophilenbewegung“ formuliert worden war, die sich ebenso an Promiskuität und Anonymität der Szene gestört hatten. Bemerkenswert auch der Verweis auf

nationalstaatliche Besonderheiten. Die Homosexuellenpolitik der frühen Bundesrepublik übertrifft mit ihrer forcierten staatlichen Unterdrückung und Verfolgung von Homosexuellen bei weitem ihre europäisch-nordatlantischen Bündnispartner und Nachbarn. In keinem anderen Land war die staatliche Verfolgung homosexueller Männer durch Polizei und Justiz so intensiv, waren die Verurteilungszahlen so hoch wie in der Bundesrepublik.

Warum das so war? Weiterlesen

Hitlers rosa Helfer

29 Mai

Wie wir alle wissen, war Hitler schwul, waren alle Nazis schwul, war der Nationalsozialismus an sich schwul und sind Schwule eh alles Nazis. Schwule wurden zwar in der NS-Zeit auch verfolgt und Homosexualität will nicht so recht in das NS-Ideal eines Volkes bestehend aus Papa, Mama und einer Fußballmannschaft Kinder passen, aber ist doch egal! Wenn Schwule den Nationalsozialismus geprägt haben, wenn Homosexualität gar grundlegend für die Aufrechterhaltung des NS-Systems war, dann sind die Heteros fein raus und können sich beruhigt und im Bewustsein der reinsten Unschuld zurücklehnen. Weiterlesen

Emanzipatorisch zugerichtet

21 Mai

Das von Adrian vermutete Schisma zwischen Schwulen und Lesben erforderte als Voraussetzung eine Einheit zwischen den beiden Gruppen. Doch hat diese jemals ohne Vorbehalte existiert?

In den 70ern und 80ern warfen Lesben Schwulen vor, sich nicht von den Pädophilen zu trennen, Schwule waren ob der Prüderie von Lesben genervt. Ausnahmen waren die Genossen von der DKP-nahen DeLSI (Demokratische Lesben- und Schwuleninitiative), die den Hauptwiderspruch sowieso im Kapitalverhältnis sahen und die autonomen Schwulen, die sich die Bekämpfung des Mannes auf die Fahnen geschrieben hatten und sich darin spätestens in den 90ern mit den autonomen Frauen in einer Front finden wollten, auch wenn die ob dieser Bündnispartner nicht immer erfreut waren.

In den 90ern gab es dann unter dem Stichwort „queer“ eine Annäherung zwischen jüngeren Schwulen und Lesben, davon blieb aber die Schwarzer-Fraktion naturgemäß ausgenommen.

Insoweit also nichts Neues unter der Sonne.

Das eigentlich Bemerkenswerte an der aktuellen Diskussion scheint mir die Funktionalisierung der Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen für aktuelle Menschenrechtspolitik und in der Folge die Relativierung der Shoah.

In der SZ wird das auf den Punkt gebracht: Weiterlesen

Antisemiten und Reaktionäre aller Länder, vereinigt Euch!

23 Mrz

ideaSpektrum berichtet in Ausgabe 11/2010 über den Erbischof der Evangelisch-lutherischen Kirche von Kenia, Walter E. Obare Omwanza. Dieser hatte vor einigen Jahren den schwedischen Pfarrer Anne Olson zum Bischof einer „Missionsprovinz“ innerhalb der lutherischen schwedischen Volkskirche geweiht.

Zu ihr gehören Pfarrer, die wegen ihrer Ablehnung der Frauenordination keine kirchliche Anstellung bekommen.

Jetzt hat Obare den Walter-Künneth-Preis erhalten, ausdrücklich auch für seine Solidarität mit dem reaktionären Schweden.

Der evangelische Theologe Walter Künneth gehörte in der Zeit des Nationalsozialismus zur Bekennenden Kirche. Ebenso wie andere Mitglieder der Bekennenden Kirche war er keineswegs frei vom Antisemitismus: Weiterlesen

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