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Österreich bummelt

5 Dez

Der Generalsekretär der Östereichischen Volkspartei (ÖVP), Fritz Kaltenegger, in einem Interview über die Themen Familie und gleichgeschlechtliche Paare:

Eine moderne Familie ist für mich das gemeinsame Leben von Mann, Frau und Kindern. Für mich definiert sich also Familien nicht zu allererst durch die Ehe, es gibt auch andere Formen des Zusammenlebens. Die Formel: Familie ist, wo Kinder sind, gilt. Aber auch gleichgeschlechtliche Paare gehören zu unserer Gesellschaft. Aber eben mit der Einschränkung des Adoptionsrechts.

Na gut, dann machen wir eben unsere eigenen Kinder. Denn im Gegensatz zu dem, was so manche Experten der Homo-Frage glauben, macht Homosexualität nicht unfruchtbar. Und, Herr Kaltenegger, was ist mit Homos auf dem Standesamt?

Ich habe kein grundsätzliches Problem mit dem Ort. Aber ich denke, hier braucht es noch einen längeren offenen Diskurs. Noch ist die Gesellschaft nicht so weit, eine Zeremonie vor dem Standesamt zu akzeptieren. In Österreich sind wir noch nicht so weit.

Da stellt sich mir die Frage, was es die Gesellschaft anzugehen hat, wenn man sich mit seinem gleichgeschlechtlichen Partner in das Standesamt zur Trauung begibt. Schließlich zwingt man niemanden, dabei zuzuschauen.

Haider: Bekam er Alkohol von hinten eingeflößt?

21 Okt

So ungefähr ließe sich wohl das Niveau der Diskussion zusammenfassen, die sich nicht nur in Österreich an den Todesumständen Jörg Haiders entzündet hat. Noch am Tag der Beerdigung des Rechtspopolisten gab es Unruhe im Alpenland:

Vor dem Szenecafé Stadtkrämer, einem Schwulentreff in Klagenfurt, spielen sich hässliche Szenen ab. Ein ausländisches Fernsehteam, das vor dem Lokal dreht, wird bedroht. Was davon zu halten sei, dass sich Jörg Haider vor seiner Todesfahrt im Stadtkrämer einen angetrunken habe, will der Reporter wissen. „Hauen Sie ab, bevor ich es mir anders überlege“, schimpft ein Mann in Kärntner Tracht und schüttelt erzürnt den Kopf.

Man kennt ja schließlich die Machenschaften von denen, die einem anständigen Österreicher das Leben schwer machen:

Wilde Verschwörungstheorien über den Unfalltod Haiders kursieren. Der Alkohol sei ihm eingeflößt worden, schreiben anonyme Kommentatoren im Internet. Karlheinz Klement, wie Haider ein ehemaliger Politiker der nationalkonservativen Freiheitlichen Partei (FPÖ), brachte sogar den israelischen Geheimdienst Mossad ins Spiel. Klement hatte in Österreich einst für Empörung gesorgt, als er Homosexualität als „Kultur des Todes“ bezeichnete.

Und wie Haider in den Phantasien des braven Bürgers noch für den Alkoholexzess nicht selbst verantwortlich gewesen sein kann, so kann auch eine homosexuelle Orientierung nicht seine Schuld gewesen sein. Weiterlesen

Noch mal Österreich

25 Sep

Scheint so, als hätte ich weitaus mehr Vorurteile gegenüber Österreich als es die Alpenrepublik verdient. Der Kanzlerkandidat der konservativen Österrreichischen Volkspartei (ÖVP), Wilhelm Molterer, hat mich jedenfalls beeindruckt:

So sagte er, dass eine Eingetragene Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare nach der Wahl beschlossen wird. Molterer: „Es darf keine Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Partnern geben.“ Molterer stellte klar, dass er diese „kritische Diskussion“ innerhalb der ÖVP persönlich beendet habe.

Und nicht nur das. Molterer lässt auch gegenüber kirchlichen Dogmen eine für die ÖVP ungewohnte Freiheit des Geistes erkennen:

Auf die Rückfrage von Moderator Roman Rafraider „Die Kirche sagt: Die Homosexualität ist eine Krankheit, die geheilt gehört“, meinte Molterer dann: „Herr Rafraider, da sind Sie im 19. Jahrhundert. Ich bin im 21. Jahrhundert.“

Auf einen Einwand Rafraiders, dass dies die Position der Kirche sei, meinte Molterer wörtlich: „Ist die Kirche ein Maßstab für mich?“.

Roman Rafreider zeigte sich darüber erstaunt: „Das habe ich gedacht.“ Daraufhin Molterer: „Da haben Sie vielleicht falsch gedacht. Ich habe meine persönlichen Maßstab und ich respektiere jede individuelle Entscheidung des Menschen, weil er es aus seinem Gewissen her verantwortet und das ist mein Maßstab. Glauben Sie wirklich, ich brauche den Bischof Laun dazu. Nein, wirklich nicht!“

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