Tag Archives: Pro Ethik

Das Abendland geht nicht unter – und der Kommunismus wird auch nicht kommen

26 Apr

Schaut man sich die Diskussionen in den Berliner Medien um den heutigen Volksentscheid zum künftigen Status des Religionsunterrichtes in der Hauptstadt an, könnt man den Eindruck bekommen, in der Hauptstadt ging es an diesem Sonntag um nicht weniger als um die Rettung des Abendlandes vor einem radikalen Atheismus, bzw. die Abwehr religiös-fundamentalistischer Kreise aus den Südstaaten der USA.

An dieser Stelle scheint es geboten, die sprichwörtliche Kirche ins Dorf zurückzubringen: Ob nun Pro Reli gewinnt oder die Ethik-Leute den Sieg für sich verbuchen werden: Berlin wird weiter bestehen, genau so schön und hässlich, bunt und braun, vielfältig und einfältig, wie es bereits jetzt ist. Der Religionsunterricht wird aus der Stadt nicht ein zweites Mississippi machen und ein Schulfach Ethik nicht zu Kirchenstürmereien und Kommunismus führen. Letzteres wäre sowieso überflüssig, denn im Ostteil war der Kommunismus nie weg.

Nichts wird passieren! Die Touristen werden wie gehabt durch Mitte flanieren, die Zehlendorfer zum mageren Bruttosozialprodukt beitragen, die Marzahner auf die Straße spucken, die Kreuzberger Autos anzünden, die Prenzelberger den ÖPNV mit ihren Kinderwägen blockieren – und die Schwulen der Stadt? Werden so oder so verkloppt werden.

Alles wie gehabt also…

Wie „Pro Ethik“ linken Rassismus fördert

26 Apr

Gleich bei mir um die Ecke warb heute der Berliner LSVD „Pro Ethik – Contra Homophobie“. Wenn das nicht mal ein Fehlschluss ist:

Denn im Ethik-Unterricht wird, so erfahren sie es in der Schulpraxis, die Religion des linken Atheismus gelehrt. Die angebliche weltanschauliche „Neutralität“ des Faches können sich seine Befürworter eben nur auf der Basis eines Rationalismus vorstellen, der alle Religionen gleich absurd findet. Allerdings schneidet das Christentum dabei im Zweifelsfalle immer noch ein kleines bisschen schlechter ab als der Islam. Weil er die Zuwanderer im Grunde für schutzbedürftige Zurückgebliebene hält, gesteht selbst der dogmatischste linke Lehrer ihnen noch spirituelle Bedürfnisse zu, die er bei seinem deutschen Nachbarn lächerlich und verdammenswert findet.

Soweit Matthias Heine in einem lesenswerten Text in der Welt.

Schwule Entnazifizierung

6 Apr

Eigentlich finde ich die Kommentare des Tagesspiegel-Kolumnisten Malte Lehming immer ganz gut. Seinem Feldzug gegen den für alle verpflichtenden Ethikunterricht allerdings, mangelt es ein wenig an Argumentation:

Einmal angenommen, es gibt einen Schüler namens Ibrahim Hasanbeyoglu, der aus einer streng muslimischen Familie kommt, Ibrahim hat ein diskriminierendes Frauenbild und mag weder Homosexuelle noch den Christopher Street Day. Im Ethikunterricht soll dieser Ibrahim deshalb umerzogen, gewissermaßen kulturell entnazifiziert werden und ein Bekenntnis ablegen zu Toleranz und Emanzipation.

Ist das jetzt zynisch, oder einfach nur gedankenlos? Weiterlesen

Warum konservative Schwule den FKK-Strand nur mit Badehose betreten

3 Apr

Im Gegensatz zu meinem Kollegen Adrian habe ich mich noch nicht entschieden, wie ich am 26. April abstimmen werde. Zwar ist auch mir der Staat keineswegs grundsätzlich suspekt, aber für die Kirche gilt dasselbe. Die Berliner LSU, die Lesben und Schwulen in der Union, haben sich jetzt – anders als der LSVD – für „Pro Reli“ ausgesprochen. Zur Begründung sagte Eike Letocha, LSU-Vorsitzender in Berlin:

Als Lesben und Schwule in der Union ist uns die freie Entfaltung der Persönlichkeit ein hohes Gut.

Gegen die skurile Argumentation der „Pro Ethik“-Anhänger, die vom „wählen müssen“ sprechen, hält Letocha fest: Weiterlesen

Ja zum Homo-Unterricht!

24 Mrz

Liebhaber der Berliner Politik haben es vielleicht irgendwie mitbekommen: Am 26. April dieses Jahres, dürfen wir Hauptstädter darüber abstimmen, ob das vor einiger Zeit neu eingeführte Fach „Ethik“ ein Pflichtfach für alle Schüler bleiben soll, oder die Schüler statt dessen zwischen Ethik und einem Religionsunterricht wählen müssen. In meiner Eigenschaft als Fan der amerikanischen Verfassung war die Sache für mich von Anfang an klar: Religion hat an einer öffentlichen Schule nichts zu suchen, demzufolge werde ich das nächstbeste Angebot annehmen, und für das Pflichtfach Ethik, also der Beibehaltung des Status quo, stimmen.

Dennoch habe ich mich immer gefragt, was die Schüler im Ethik-Unterricht eigentlich lernen. Wer bestimmt die Lehrpläne? PETA, attac und Greenpeace? Das wäre für die armen Schülerseelen fürwahr eine Katastrophe, zumal der ideologische Unsinn dieser Organisationen mittlerweile auch bei gewissen hauptstädtischen protestantischen Kirchen en vogue ist.

Vom LSVD erfuhr ich jetzt aber, dass im Ethikunterricht immerhin 90 Prozent der Aufklärungsveranstaltungen zum Thema Homosexualität stattfindet. Das will zwar nicht viel heißen, ist aber doch schon mal ganz erfreulich.

Übrigens, mein Tipp zum Ausgang des Volksentscheides: meine Ethik-Fraktion wird verlieren.

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