Tag Archives: Soziale Stadt

Systemkritik als Auftrag

16 Mai

Im Gegensatz zu den Linken stehen Liberale unter dem Generalverdacht bräsig, konformistisch, angepasst und unkritisch zu sein. Sie demonstrieren nicht gegen die Globalisierung, nicht gegen den Klimawandel, nicht gegen „rechts“ und engagieren sich überhaupt nie für das Gute, Edle und Wahre. Dafür kriechen sie jedem Bankmanager in den Hintern und nehmen in ihren protzigen Villen täglich ein Geldbad à la Dagobert Duck. So das Klischee.

Nein, das „kritische Bewusstsein“ der Liberalen ist wahrlich nicht sonderlich ausgeprägt. Oder doch? Nun ja, bei mir schon, nur erstreckt sich dieses Bewusstsein eben (auch) in Bereiche hinein, welche Linken naserümpfend als einer kritschen Betrachtung nicht für würdig empfinden. Dazu gehören vorzugsweise ihre eigenen Projekte. Wie z. B. die öffentlich finanzierten Beauftragten für gleichgeschlechtlichen Lebensweisen, die, außer in Bayern, mittlerweile auf jeder Landesebene anzutreffen sind.

Da Adrian, nach langer Pause, wieder eine gleichgeschlechtliche Lebensweise anstrebt, hat er sich für die nächsten Wochen vorgenommen, diesen Beauftragten in Berlin zu testen. Wofür ist dieser da, was macht der den ganzen Tag, kann dieser mir in irgendeiner Weise behilflich sein? Ist diese Behörde also zu irgendetwas nütze oder lediglich eine gut dotierte ABM-Stelle für überzählige Soziologen und Politiker, denen es nicht vergönnt war, einen guten Listenplatz zu ergattern?

Wahrhaft renitente, aufrührerische, systemkritische Fragen. So richtig links eben.

Völlig von der Rolle

14 Apr

In Berlin beginnt man so langsam zu begreifen, dass man mehr tun muss, als eine Stadt als „weltoffen“ und „tolerant“ zu deklarieren um den Druck zu lockern, der sich in Sachen Homophobie angestaut hat. Aufklärung und Rollenspiele sollen es richten:

„Je jünger die Schüler sind, desto besser klappt die Sensibilisierung“, sagt Jörg Steinert, Projektleiter beim LSVD. Bei 14-jährigen Schülern etwa seien Vorurteile und Abneigung oft schon sehr gefestigt. „Einmal mussten wir von der Polizei aus der Schule geholt werden“, berichtet er, „weil sich einige Schüler so über uns aufgeregt hatten“. Auch seine Kollegin Katharina Doumler hat sich von Jungen anhören müssen, dass sie sie „fertig machen würden“, wenn sie ihre Schwester wäre. Doch davon lassen sich die Trainer nicht beirren: „Die Kids hier machen interessiert mit“, sagt Doumler, „das ist ein sehr guter Anfang“.

Willkommen in Berlin!

5 Nov

Berlin ist eine Reise wert: In Kreuzberg sollte man seinen Mercedes nicht mehr parken, weil es ziemlich schnell passieren kann, dass er von linken Revolutionären im Dienste der Arbeiterklasse angezündet wird. Busfahrer, die den Fahrschein kontrollieren wollen, werden schon mal handgreiflich darauf aufmerksam gemacht, dass Fahrscheine sozial deklassierend sind. Und Homos sollten es tunlichst unterlassen, in multikulturellen bzw. den SED/NPD-Vierteln am Stadtrand sich als solche erkennen zu geben, weil es dann schon mal vorkommen kann, dass sozial benachteiligte Jugendliche sich ob ihrer Heterosexualität diskriminiert fühlen und zuhauen. – Ja, Berlin ist toll und gäbe es nicht die vielen Touristen im Zentrum, würde die Stadt an ihrer eigenen Provinzialität und ihrem Mief ersticken.

Am Donnerstag vergangener Woche begab sich nun auch Polizeipräsident Dieter Glietsch in die Stadt, gemeinsam mit seiner Entourage an Leibwächtern. Und wie jeder Tourist kam man um eine Fahrt mit der U-Bahn nicht herum: Weiterlesen

Sei dumm, sei prollig, sei Berlin

24 Okt

Kampagnen gegen Homophobie sind manchmal sinnvoll, manchmal aber auch nicht. Ein Schweizer Verein zeigt, wie man es richtig macht.

Der sich in Berlin demnächst zusammenfindende „Runde Tisch“ gegen Homophobie weist dagegen einen schwerwiegenden Mangel auf. Dort nämlich

müssen relevante Organisationen der schwul-lesbischen Community außen vor bleiben.

Weder der Verein Mann-O-Meter noch der Berliner CSD e.V. wurden vom Integrationsbeauftragten Günter Piening und der Gleichstellungsstelle des Senats eingeladen.

„Geradezu absurd ist es, dass auch das Schwule Überfalltelefon Maneo nicht eingeladen wurde“, kritisierte der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD): „Wie will man die geplante ‚Bestandsaufnahme von homophoben Vorkommnissen in Berlin‘ vornehmen, wenn die einzige Institution, die schwulenfeindliche Vorkommnisse registriert, nicht dabei ist?“

Ausdrücklich nicht kann ich angesichts dieser Berliner Dummheit folgendem queer.de-Kommentator zustimmen: Weiterlesen

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