Tag Archives: Wüstenstrom

Die letzten Aufrechten

26 Jun

Nach der Auflösung von Exodus International war ich gespannt, wie Wüstenstrom und das DIJG sich dazu äußern würden. Schließlich war man im selben Bereich tätig und könnte das Scheitern von Exodus als Bedrohung der eigenen Tätigkeit wahrnehmen, nach dem Motto, erst gehen die, dann wir. Doch Hoffmann und Vonholdt schaffen eine bemerkenswerte Volte. Das beginnt noch im redaktionellen Teil des Spektrum-Artikels, wenn es heißt, beide Organisationen stünden

nicht in Verbindung mit Exodus International.

Und weil das noch nicht genug Distanzierung scheint, lässt man obendrein erklären: Weiterlesen

Meine Söhne entwickeln sich ganz normal: Sie zielen mit ihren Plastikpistolen auf alles.

7 Mrz

Der Schweizer Ableger von Wüstenstrom scheint fast noch skuriler zu sein als sein deutscher Bruder. In der Schweizer Schwulenzeitschrift display findet sich in der aktuellen Ausgabe ein Interview mit Wüstenstrom-Mitarbeiter Rolf Rietmann. Der erklärt dort nicht nur, Homosexualität sei heilbar, nein, noch dazu existiere sie überhaupt nicht. Und Heterosexualität? Offenbar schon, denn Rietmann konstatiert lediglich:

Es gibt keine Schwulen, Lesben, Bisexuellen oder Asexuellen.

Rietmann hat aber nicht nur ein wenig differenziertes Bild menschlicher Sexualität, auch seine Vorstellung von Männlichkeit ist vor allem eins, bestechend einfach strukturiert. Auf die Frage: Weiterlesen

Roland und die Hand Gottes

7 Jul

Roland Werner wird neuer Generalsekretär des CVJM. Das ist eine schlechte Nachricht für alle, denen die „Separation of Church and Hate“ am Herzen liegt. Anlass für meine Einschätzung ist keineswegs die von ihm postulierte Überwindung seiner Homosexualität, obwohl auch diese Formulierung merkwürdig genug ist.  Doch wenn er es dabei beließe, wäre es seine Privatsache. Das Problem ist vielmehr, dass der langjährige Vorsitzende des evangelikalen „Christival“ zugleich Mitglied des „Wissenschaftlichen Beirats“ des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft ist.

Und damit für eine Haltung der Intoleranz steht, die Homosexualität nicht als der Heterosexualität gleichwertigen Lebensentwurf akzeptiert, sondern als Defizit sieht: Weiterlesen

Das Wort zum Sonntag (Estomihi)

13 Feb

„Krieg dem Krieg“ lautete einst eine Parole von Antimilitaristen. Jetzt hat ein britischer Journalist die Parole wieder aktiviert und bläst zum Sturm gegen die Konversionstherapien mit ihren unmenschlichen Folgen. Der Ex-Gay-Observer hat einen Bericht des Guardian dazu übersetzt.

Patrick Strudwick hatte sich undercover zur „Behandlung“ seiner Homosexualität in die Hände von vermeintlichen Fachkräften begegeben. Sein Resümee:

Die Psychotherapeutin erzählte mir, ich sei sexuell von einem Familienangehörigen missbraucht worden (was ich nie wurde). Der Psychiater versuchte während einer „Sitzung“, mich sexuell zu erregen. Dieser behauptete auch, er habe seine eigene Sexualität „gelöst“, während er gleichzeitig zugab, sich immer noch mittels schwuler Pornographie selbstzubefriedigen. Noch skandalöser war wohl noch die Entdeckung, dass die Krankenkasse manchmal solche Behandlungen versehentlich finanziert.

Strudwick über die Resonanz auf seine Independent-Veröffentlichung:

Zahlreiche ehemalige Opfer der Konversionstherapie haben mich angeschrieben, berichteten von den Jahren des Leidens, die sie während und nach der Behandlung ertragen mussten – manche von ihnen wurden von ihren Familien dazu hineingezwungen. Therapeuten schrieben mir in ohnmächtiger Frustration, wie sie am Ende den psychologischen Scherbenhaufen zusammenkehren mussten, den die Umpolungstherapeuten hinterließen.

Auch wenn Strudwick Journalist ist, will er es nicht bei der Berichterstattung über die Machenschaften der Umpoler belassen: Weiterlesen

Psycho-Folter auf Krankenschein

4 Feb

Der Ex-Gay-Observer hat einen Bericht aus dem Independent exklusiv übersetzt, in dem ein Journalist seine Erfahrungen bei der Umpolungsorganisation „Living Waters“ beschreibt. Wir erinnern uns:

Nach einem Bericht von Professor Michael King vom University College London versucht jeder sechste britische Psychiater oder Psychotherapeut, die sexuelle Orientierung eines Patienten zu verringern oder zu ändern.

Doch damit nicht genug:

In einigen Fällen bezahlt sogar der Nationale Gesundheitsdienst (NHS) für die Behandlung.

Die der „Behandlung“ zugrunde liegende Theorie ist recht übersichtlich und wird von Joseph Nicolosi formuliert: Weiterlesen

Wüstenstrom doch erfolgreich?

10 Sep

Was Wüstenstrom betrifft: Ich kann es nur empfehlen! Bei mir hat es gewirkt! Praise the Lord! Ich ficke inzwischen nur noch mit heterosexuellen Männern!

Warum Norbert Bolz Schwule für das Resultat eines Betriebsunfalls hält

9 Sep

Norbert Bolz ist ein Guter. Zumindest wenn es um die Kritik des Gleichheitswahns geht, wie in seinem neuen Buch. Geht es darin allerdings um Fragen von Sexualität und Geschlecht, verliert Bolz rapide an Niveau:

Gerade die herrschende öffentliche Meinung kultiviert bestimmte Formen des Nonkonformismus; man denke etwa an die unaufhörliche Propganda des öffentlich-rechtlichen Fernsehens für homosexuelle Gemeinschaften

Stopp, wovon spricht der Mann? Ach so, er meint, dass Schwule nicht nur als Kinderschänder und tragische Existenzen dargestellt werden, wie früher einmal:

Film und Fernsehen zeigen uns vor allem auch in ihrem Unterhaltungsprogramm seit Jahren nur noch (…) Homosexuelle, die ein kultiviertes, politisch korrektes Leben führen.

Schlimmer noch, wir sind Opfer einer Kulturrevolution, die auch beinhaltet:

Nicht die Homosexuellen sind krank, sondern diejenigen, die Homosexualität verurteilen.

So ist das mit dem wissenschaftlichen Fortschritt, Herr Bolz, der lässt sich nicht von ideologischen Vorbehalten bremsen. Und Sie wollen es mit der Vernunft haben?

Daran glaubt natürlich kein vernünftiger Mensch, aber man darf es nicht sagen.

Genau, sonst kommt gleich die Rosa Nostra und fickt einen von hinten. Oder der schwarze Mann: Weiterlesen

Wüste Wortverdreher

5 Sep

Es ist schon bemerkenswert: Sobald Wüstenstrom sich öffentlich äußert, wird in der Erklärung gelogen und verdreht. Dieses Mal muss Volker Beck dran glauben:

Zum ersten Mal hat Volker Beck, menschenrechtspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Bundestag, öffentlich zugegeben, dass auch homosexuell Empfindende ihre Sexualität mit psychischem Leiden verbinden können und dass Therapie für solche Personen zu einer Veränderung im Bereich der Sexualität führen kann.

„Zugegeben“, das klingt so, wie es klingen soll, als hätten sie ihn jetzt so weit. Dabei hat er etwas gesagt, was völlig banal ist und niemand bestreitet. Weiterlesen

Was uns eng macht und was weit

29 Aug

Am letzten Wochenende war ich auf der Zwischenraum-Jahrestagung. Es war ein wunderbares, gesegnetes Wochenende mit vielen tollen Begegnungen. In einem Gespräch kamen wir auf die These des Schweizer Psychotherapeuten Kurt Wiesendanger, wonach Schwule nach ihrem Coming-Out häufig zwischen Hedonismus und Depression pendeln – weil sie ihre sexuelle Orientierung zwar nach außen hin vertreten, innerlich aber keineswegs akzeptiert haben. Ich kenne das Buch nicht, wurde aber beim Lesen von Kester Brewins „Der Jesus-Faktor“ zu weitergehenden Überlegungen angeregt: Weiterlesen

Evangelisch undifferenziert

1 Aug

Die deutschen Linksparteien bauen aus machtpolitischen Gründen ein „Feindbild Evangelikale“ auf. Davon ist Hansjörg Hemminger, der Weltanschauungsbeauftragte der württembergischen Landeskirche, überzeugt, wie auf jesus.ch zu lesen ist:

Wer deswegen Radikale ermutige, den Evangelikalismus oder den Pietismus gesellschaftlich zu ächten, spiele das Spiel aus „Biedermann und die Brandstifter“: Die extremen Ränder des politischen Spektrums würden gestärkt.

meint Hemminger, der dabei übersieht, dass die Evangelikalen selber auch nicht gerade in der politischen Mitte der Gesellschaft anzutreffen sind.

Als Beispiele nennt Hemminger den Widerstand gegen das Jugendfestival Christival 2008 in Bremen sowie gegen den Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge Ende Mai 2009 in Marburg.

Was zum Christival zu sagen war, steht zum Beispiel hier, über Marburg kann man hier noch einmal nachlesen.

Besonders dieser Kongress mit rund 1‘000 Teilnehmern sei Ziel heftiger Kritik der Lesben- und Schwulenbewegung an angeblichen „Homoheilern“ gewesen.

Was heißt hier „angebliche“ Homoheiler? Eben darum geht der Streit. Ein paar Christen schwingen sich zu der Behauptung auf, Christen dürften ihre homosexuelle Orientierung nicht ausleben. Dazu behaupten sie wider alle Realität, homosexuelle Orientierung sei willentlich veränderbar.

Gefördert wurde der Protest, so Hemminger, vom Parlamentarischen Geschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Volker Beck.

Volker Beck ist Christ. Und als ein solcher hat er sich gegen die Hetze gewisser Evangelikaler gewandt. Öffentlich. Nichts ungewöhnliches in einer Demokratie, sollte man meinen. Er hat weder zur Gewalt aufgerufen, noch sie verteidigt. Wieso man damit die extremen Ränder des politischen Spektrums stärkt, das bleibt Hemmingers Geheimnis. Dabei ist Hemminger auch sonst für merkwürdige Erkenntnisse gut: Weiterlesen

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