Schwule im Buddhismus: Dalais delay

29 Apr

Während andere Liberale noch darüber streiten, ob eine Kritik des Dalai Lama und seiner Jünger den chinesischen Kommunisten in die Hände spielt, haben wir uns gefragt, was der gute Lama eigentlich von Schweinskrams wie Homosexualität hält. Die Antwort fällt nicht schwer: Wenig bis gar nichts. Glaubt man dem Stern, ist der alte Herr bloß ein ordinärer Kulturrelativist:

Homosexualität sei nichts für Buddhisten, aber für Westler: bitte schön.

Bei Wikipedia findet sich folgender Hinweis:

Der Dalai Lama hatte in seinem Buch Jenseits des Dogmas buddhistische Regeln zitiert, anhand derer homosexuelle Sexualpraktiken als unkorrektes Verhalten eingestuft werden.

Auch in der Presse äußerte sich seine Heiligkeit entsprechend:

Im Januar 2001 erschien in der französischen Zeitung „Dimanche“ ein Interview mit dem Dalai Lama. Auf die Frage hin, was er über Homosexualität denke, sagte er: „It’s part of what we Buddhists call „bad sexual conduct.“

Und warum?

„Sexual organs were created for reproduction between the male element and the female element – and everything that deviates from that is not acceptable from a Buddhist point of view.“

Selbst ein Interview im Playboy ließ der alte Herr nicht ungenutzt, um die schröcklichen Folgen praktizierter Homosexualität zu benennen:

Homosexualität ist – laut Dalai Lama im Playboy – „Fehlverhalten“ und zieht entsprechend schlechtes Karma auf sich.

Belegen kann er seine Weisheiten allerdings nicht: Auf die Frage,

wo und wann der Buddha die Lehre, daß Sexualität unter gleichgeschlechtlichen Partnern verboten sei, verbreitet hätte

antwortete der Dalai mit einem klaren

I don’t know.

Der Papst oder gewisse evangelikale Schmierbatzen bemühen sich wenigstens noch darum, ihren Schwulenhass mit dem Katechismus oder dem einen oder anderen Bibelzitat zu belegen. Aber der Buddhismus gilt ja allgemein als entspanntere Veranstaltung als das Christentum – wer wird da Belege erwarten?

20 Antworten to “Schwule im Buddhismus: Dalais delay”

  1. stefan um 19:13 #

    hmm….diese einstellung vom dalai lama ist natürlich traurig….aber hass kann ich aus den zitaten hier nicht herauslesen

  2. Damien um 19:19 #

    stimmt, „ablehnung“ trifft es besser.

  3. dagny um 19:40 #

    in der richtig linken Presse fand sich letztens ein sauberer verriss ueber die religioese Diktatur der Moenche in Tibet. vielleicht such ichs nochmal raus.

  4. Rabenzahl um 20:34 #

    Ich vermute, dass der Dalai Lama auf die Frage nach heterosexuellen Ausschweifungen (=Sex aus Lust) ähnlich geantwortet hätte. Denn, laut buddhistischer Lehre:

    Alles Leid (=schlechtes Karma) folgt aus Begierde. WAS man begehrt ist in dem Zusammenhang egal.

    Jedenfalls hab ich das so verstanden.

  5. In der Tibet-Debatte zeigen sich „liberale“ Blogger bisweilen weit rechts von „Politically Incorrect“, schließlich trat selbst Stefan Herres Blog in den vergangenen Monaten durch Tatsachenfeststellungen hervor, die bestimmten „Liberalen“ erklärtermaßen als kommunistische Greuelpropaganda gegen das unterdrückte tibetische Volk gelten: (1) daß die von den Chinesen 1951 ff. beseitigte tibetische Theokratie sich gegenüber den ihr Unterworfenen wenig anders verhielt, als Staaten, in deren Verfassungsordnungen der Scharia-Islam zur Geltung gebracht wird, und (2) daß durch eine irreführende, nicht vor primitiven Fälschungen zurückschreckende Berichterstattung in deutschen Medien China einseitig für die Gewaltexzesse in Tibet verantwortlich gemacht wurde.

    Ein kabarettistischer Höhepunkt des Versuchs, politischen Liberalismus mit der Unterstützung bekennender Menschenrechtsverächter zu verbinden, ist dieser: „Dass ein freies Tibet keine Lamakratie sein darf, ist eine derartige Selbstverständlichkeit, dass sie in der Debatte unter westlich orientierten Bloggern nichts zu suchen haben sollte.“

    Daß ein freies Tibet keine „Lamakratie“ sein darf, scheint ebenso „selbstverständlich“ zu sein, wie etwa die Tatsache, daß „westlich orientierte Blogger“ etwa die Vertreibung der Serben und der anderen Nicht-Albaner aus dem Kosovo für abscheulich halten – weshalb man bekanntlich auch darüber nie zu sprechen braucht (anders als über – vermeintliche oder wirkliche – Verbrechen an Muslimen, die „beendet“ zu haben „dem Westen“ zugute gehalten wird).

    „Gegenüber anderen Bloggern ständig die Schandflecke des Lamaismus hervorzuheben, wo zuvorderst das Ende des chinesischen Kommunismus von Interesse ist, hat etwas zutiefst denunziatorisches.“

    Einer meiner (damals bündnisgrün orientierten) Bekannten empfand es als zutiefst „denunziatorisch“, als ich ihn im Mai 1999 darauf hinwies, daß die Serben des Kosovo im Falle einer Landnahme durch die völkischen „Freiheitskämpfer“ der UCK einer ethnischen Vertreibung schutzlos ausgesetzt würden. Es sei schändlich – so mein Gesprächspartner -, wie ich das, was Milosevic tatsächlich tue, auf „die Albaner“ projiziere. Die Ergebnisse der Eroberung des Kosovo durch Nato und UCK sind bekannt. Hunderttausende von Serben und Roma wurden ermordet oder vertrieben, über 150 serbisch-orthodoxe Kirchen und Klöster zerstört, auch die Gesamtheit der Angehörigen der jüdischen Gemeinde Pristinas verlor ihre Heimat …

    In der bundesrepublikanischen „Linken“ hätte man es auch als zutiefst „denunziatorisch“ angesehen, auf den archaischen Charakter des islamisch-klerikal begründeten Widerstandes gegen die säkularistischen Reformbestrebungen der Dynastie Pahlevi hinzuweisen. Daran hat sich bis heute – ungeachtet der Machtübernahme der Ajatollahs 1979 – nichts geändert, Kritik an der „Islamischen Republik Iran“ gilt in diesen Kreisen offenbar nach wie vor als „denunziatorisch“.

    Bemerkenswert ist auch das dröhnende Schweigen der bekennenden Freunde des tibetischen Buddhismus (ob grün-alternativ oder sich liberal gebend) zu der Negation aller Menschen- und Bürgerrechte in dem China benachbarten Karzai-Afghanistan, einem islamistischen Terrorstaat, in dem ein Buddhist wohl nicht einmal als „Schutzbefohlener“ gelten würde. (Tatsächlich ist der Buddhismus in Afghanistan bereits in früheren Jahrzehnten ausgelöscht worden.) Wahrscheinlich ist die islamistische Barbarei auch im gegenwärtigen Afghanistan (wie sie sich in der Tatsache zeigt, daß Apostasie und Kritik an islamisch begründeten „Rechts“normen als todeswürdig gelten!) SO offenkundig, daß sich kein Feingeist, der für die Verteidigung „des Westens“ am Hindukusch – und darüber hinaus seit ein paar Wochen auch in Südwestchina – eintritt, mit ihnen zu befassen braucht.

  6. ex-blond um 12:24 #

    „Der Papst oder gewisse evangelikale Schmierbatzen bemühen sich wenigstens noch darum, ihren Schwulenhass mit dem Katechismus oder dem einen oder anderen Bibelzitat zu belegen“

    Also bei den Evangelikalen kenne ich mich nicht aus, zum Thema Katholizismus und Homosexualität habe ich letzten nach Infos gesucht und gefunden:
    Die kath. Kirche ist gegen das Praktizieren von homosexuellem Sex, nicht aber verurteilt wird die Veranlagung. Ohne diese Sicht teilen zu müssen – sie macht jemanden noch lange nicht zu einem „Schwulenhasser“. So etwas vom Papst zu behaupten ist demagogisch.

  7. Albert um 12:53 #

    @ Rabenzahl

    Du hast das mit den zur Reproduktion vorherbestimmten Organen aber gelesen, oder?

    Außerdem hat seine Sekretärin gesagt, der gute hält Homosex. und Oralverkehr für eine Sünde.

    Nochmal: SÜNDE. Als Buddhist? Scheint ihm viel wert zu sein, diese ansicht, wenn er die Lehre so verbiegt…..

    Außerdem heißt nicht verhaftet-sein technisch gesehen nicht-MENTAL-ABHÄNGIG- sein, nicht Nicht-Tun.

    Genau wie im Christentum ist das Mönchsleben vom Buddha eigentlich so nicht vorgesehen gewesen.

    Überhaupt ist er ein sehr Gefährlicher Mensch. Google mal Buddhokratie.
    Und denk dran, wenn man an wiedergeburt glaubt, hat man viel zeit für die Welt eroberung, deswegen kann er sich so ein gechilltes Lächeln erlauben.

    Ich kenne auch keine Buddhisten, die die Lamas für wichtig halten.

    @ Daniel

    Wenn ein Land nach so langer Zeit nicht auf-nachgibt, dann heißt das, daß es eine sehr autonome Kultur hat, also nicht annektiert werden kann, oder?
    Kultur-evolutionär gesehen passt Tibet auch nicht zu china, die Chinesische Kulturmythen(immer haben wir auf den Deckel bekommen, Revolution, Rationalität, jetzt: Aufbau) passen nicht zu mythologischen Prägungen Tibets, aus denen es lernen sollte, und ich bezweifele, dass es dem Land gut tun würde, sich aufzugeben. Am ende kommt es wie bei den amer. Ureinwohnern(achtung, hier spricht einer der Zyniker, die „Freiheit für alle bis morgen“ für infantil halten ; )

    Tibet sollte selbst sehen, wo es bleibt, ohne die Chinesen. Oder diese sollten das Land in einem Ruck, aber richtig, umformen, aber das würde keine mir bekannte Regierung auf diesem Planeten schaffen

  8. Damien um 12:56 #

    Liebe ex-blond: Ich empfinde es als zynisch, wenn jemand – und sei es der Papst – behauptet, er respektiere Menschen und ihre Veranlagung, wenn sie diese – die niemandem schadet und auch niemand anderen etwas angeht – aber auslebten, sei das nicht ok. Was ist das für eine merkwürdige Moral? Und was müßte das für ein bekloppter Gott sein, der Menschen eine bestimmte Veranlagung schenkt mit der Erwartung, diese nicht auszuleben, wenn sie gottgefällig leben wollen? Auf so eine grausame Idee können nur Menschen kommen.
    Darüber hinaus empfinde ich die katholischen Bischöfe als ekel erregend, wenn sie katholischen Arbeitgebern die Auflage erteilen, Schwulen, die eine Lebenspartnerschaft eingehen, zu kündigen, also ihnen – und sofern vorhanden auch ihren Kindern – die wirtschaftliche Existenzgrundlage zu entziehen. Was das mit Nächstenliebe zu tun haben soll, wird sich mir nie erschließen.
    Es mag sein, dass Hass für all das das falsche Wort ist. Sicher bin ich mir da keineswegs. Den Demagogievorwurf kannst Du behalten. Wer – wie Du – einen Papst verteidigt, der schwule Partnerschaften als Bedrohung des Weltfriedens bezeichnet, macht sich lächerlich, wenn er sich über Demagogie gegenüber eben diesem Demagogen beklagt.

  9. ex-blond um 13:13 #

    Wäre ich katholisch, würde ich auch weiterhin Verhütungsmittel verwenden und vermutlich außerehelichen Geschlechtsverkehr haben, solange ich nciht verheiratet bin. Wäre ich lesbisch, würde ich vermutlich auch aktiv in einer Partnerschaft mit einer Frau leben.

    Dass der Papst das nicht gutheißt, macht ihn noch lange nicht zu einem Hassenden oder einem Demagogen.

    Ich denke, ein vernünftiges Verhältnis zu seiner Kirche zu haben besteht aus einem dialektischem Verhältnis: ein Abwägen zwischen eigener Vernunft und eigenen Glauben und dem von der Kirche ‚vorgeschriebenen‘ Glauben, ein Balancieren auf den Weisheiten(!) der Kirche und der eigenen Weisheit. Einen Mittelweg finden zwischen: sich selbst als Maßstab aller Dinge zu betrachten oder der Kirche blind als (scheinbar) allwissender Macht zu folgen. Zuletzt entscheidet meiner Meinung nach das eigene Gewissen, das aber auch täuschen kann.

    Den Papst einen Demagogen zu nennen – das ist einfach lächerlich.

  10. ex-blond um 13:14 #

    (mit „zu seiner Kirche zu haben“ meinte ich nicht zur Kirche des Papstes, sondern zur der Kirche, der man selbst angehört)

  11. NachtUmMich um 19:50 #

    Was die Sache mit dem Sex angeht, so gilt das außerehelich auch für Heteros, u.U. auch dann mit Ehe, wenn der Sex nur der Lustbefriedigung dient. Insofern, ist hier der Unterschied eher klein.

    Ich gebe ex-blond auch recht. Während es einerseits richtig ist, Diskriminierung von Schwulen also solche zu benennen, sollte man sich hüten, hier undifferenziert zu sein, was mir in den letzten Artikeln so vorkam. Es ist eben ein Unterschied zwischen „weniger Förderung wg. Kinder-Nicht-Zeugen“, „nicht so viel auf einmal“, „nicht so öffentlich“, „ablehnung ohne signifikanten Effekt“, „offene Diskrimierung“, „ablehnung mit Gewalt“, „aktive Verfolgung und Bedrohung“, „Gefängnis“, „Todesstrafe/Erhängen“.
    Und der Unterschied in der Stärke und Gefährlichkeit macht eben deutlich, was man mit leichter Kritik durchgehen lassen kann und ggf. sollte und was unter keinem Umständen passieren darf. Als Minderheit kann man sich nicht aus Prinzip gegen alles und jeden Stellen.

    Papst und die katholische Kirche: jedenfalls nicht Vertreter der hintersten Kategorien, die ich aufgezählt habe.

    Wie der Dalai Lama einzuschätzen ist, ist vom Text allein nicht zu sagen. Er braucht wohl erstmal Macht, damit man dazu die Praxis sieht….

  12. Rabenzahl um 16:17 #

    In diesem Zusammenhang möchte ich kurz erwähnen, dass der Dalai Lama ebenso wenig für alle Buddhisten spricht (und sprechen kann) wie der Papst für alle Christen.

  13. @Albert

    „Wenn ein Land nach so langer Zeit nicht auf-nachgibt, dann heißt das, daß es eine sehr autonome Kultur hat, also nicht annektiert werden kann, oder?“

    Genau dies wurde über viele Jahrzehnte hinweg von interessierter Seite etwa über das Elsaß behauptet, um die Annexion Elsaß-Lothringens durch Frankreich infolge des I. Weltkrieges madig zu machen. (Daß die Region 1871 ohne Rücksicht auf das „Selbstbestimmungsrecht“ der Betroffenen durch das neukonstituierte Deutsche Kaiserreich annektiert worden war – nachdem es immerhin ab dem 17. resp. 18. Jahrhundert unter französischer Hoheit gestanden hatte -, spielte dabei zumindest in der Propaganda deutscher Nationalisten stets eine etwa so geringe Rolle, wie in der Anti-China-Propaganda der Dalai-Lama-Apologeten die historische Tatsache, daß die 1950/51 durch die chinesischen Kommunisten beseitigte tibetische Mönchsherrschaft ihre „Legitimität“ auf Rechtstitel stützte, die sich ohne die „asymmetrischen“ Beziehungen Tibets zum chinesischen Kaiserreich schwerlich begründen ließen.) Mittlerweile (nach neun Jahrzehnten fast ununterbrochener französischer Hoheitsausübung) hat sich in Strasbourg die französische Leitkultur zumindest insoweit durchgesetzt, daß ich i. d. R. Französisch sprechen muß – nur noch etwa zehn Prozent meiner Generation sind deutsche (resp. elsässische) Muttersprachler.

    Anstatt der Idee „naturwüchsiger“ (ethno-)kultureller Entitäten zu huldigen, sollte bei der Kritik chinesischer Herrschaftsausübung in Tibet nicht ausgeblendet werden, daß selbst die chinesischen Kommunisten – im Vergleich zu dem liberal-rechtsstaatlichen Frankreich – zu einer eher ethno-pluralistischen „Nationalitätenpolitik“ zurückgegriffen haben, kurz: weniger republikanisch-„jakobinisch“ als „reichisch“ agieren. Insofern trägt die politische Elite Chinas zweifelsohne die Hauptverantwortung für eine gewisse politische Wirkungsmächtigkeit jener Archaismen, wie sie sich in den „Protesten“ der vergangenen Wochen zeigten.

    „Kultur-evolutionär gesehen passt Tibet auch nicht zu china, die Chinesische Kulturmythen(immer haben wir auf den Deckel bekommen, Revolution, Rationalität, jetzt: Aufbau) passen nicht zu mythologischen Prägungen Tibets, aus denen es lernen sollte, und ich bezweifele, dass es dem Land gut tun würde, sich aufzugeben. Am ende kommt es wie bei den amer. Ureinwohnern(achtung, hier spricht einer der Zyniker, die “Freiheit für alle bis morgen” für infantil halten ; )

    Tibet sollte selbst sehen, wo es bleibt, ohne die Chinesen. Oder diese sollten das Land in einem Ruck, aber richtig, umformen, aber das würde keine mir bekannte Regierung auf diesem Planeten schaffen“

    Wird, wer heute dafür eintritt, die Nachfahren der in den 1950er Jahren immerhin aus dem Zustand der Leibeigenschaft befreiten Tibeter „sich selbst“ (resp. den Lamaisten) zu überlassen, nicht morgen – in der gleichen Logik – dafür eintreten, muslimische Frauen – oder Homosexuelle – „islamischen Rechtsordnungen“ auszuliefern – zunächst (ganz EU-konform) in einem „traditionell islamischen Land“ wie der Türkei, im zweiten Schritt auch in Zentraleuropa? (Ihnen persönlich unterstelle ich solche Absichten nicht, wohl aber bestimmten ethnozoologischen Verfechtern der Tibet-Solidarität, die vielfach – so im Falle einer Marieluise Beck – gleichzeitig zu den multikulturalistischen Weißwäschern des traditionalen Islam gehören.)

    Das zivilisatorische Potential, das sich mit Traditionen des tibetischen Buddhismus verbindet, könnte zur Geltung gebracht werden im Falle einer Transformation der Staats- und Gesellschaftsordnung Festlandchinas zu einer liberal-rechtsstaatlichen Ordnung, die dem individuellen Einzelnen jene zivilgesellschaftlichen Freiräume ließe, in denen auch die Tibeter sich dafür entscheiden könnten, sich innerhalb ihres tradierten Werte- und Normensystems zu entfalten – soweit sie nicht die individuellen Freiheitsrechte derer negieren, die (als Tibeter oder in Tibet lebende Han-Chinesen) dieses Werte- und Normensystem grundsätzlich in Frage stellen.

    Eine „Autonomie“regelung, wie sie der Dalai Lama fordert, läuft freilich auf eine „Überlebensgarantie“ (Jürgen Habermas) eines tibetischen Buddhismus hinaus, der sich nie gänzlich von seinen theokratischen Legitimationsgrundlagen zu lösen imstande war. Daher halte ich die Durchsetzung einer tibetischen „Autonomie“ nach den Vorstellungen des Dalai Lama nicht für vereinbar mit der Zielsetzung einer auf Menschen- und Bürgerrechte gegründeten politischen Ordnung in Tibet, die nur im Kontext einer Demokratisierung Gesamtchinas verwirklicht werden kann.

  14. Manuel um 00:53 #

    oh mein gott, was für ein gesülze und getöse da über etwas ganz natürliches wie sexualität in welcher form auch immer. und hier will ich alle erinnern wie schwul sogar der papst selbst ist. noch tuntiger geht gar nicht. angezogen wie ´ne transe ohne geschmack.
    die haltung verschiedene „religionsführer“ spricht für ihre primitive ängste die tatsächliche pluralismus des menschen seine sexualität aus zu erleben.
    sie haben nur angst damit in kontakt zu kommen, oder dass es ihnen sogar gefallen könnte.
    diese frustration lässt sie alle hin und her irren und versuchen den menschen angst ein zu jagen.
    es wird aber niemals funktionieren, weil es in die natur des menschen liegt sich nicht unterdruck setzen zu lasse. der mensch will frei sein und muss auch frei werden. ohne diese voraussetzung kann keinen frieden geben.

  15. didi um 10:28 #

    Selbstverständlich ist der DL (Dalai Lama) nicht der erste und beste Interpret buddhistischer Schriften sondern ein Lehrer unter vielen. Seine Haltung zur Homosexualität kann erhebliches, schlechtes Karma für ihn bedeuten und bedarf daher unseres Mitgefühls (Karuna). Vielleicht ist seine Vertreibung aus Tibet und die Besetzung Tibets durch die VRChina ja ganau seiner Haltung zur Homosexualität zu danken.
    Insofern könnte er hier einmal in sich gehen.
    Unter „sexual misconduct“ ist sicher, auch nach buddhistischer Auffassung, nicht Homosexualität einzuordnen sondern nicht eingebettete, also ich-dystone, aber gelebte Sexualität. So verstanden wäre z. B. gelebte, ich-dystone Heterosexualität bei nicht gelebter, ich-syntoner Homosexualität ein sexueller misconduct.
    Hier bedarf es beim DL dringend einer Belehrung, für die ich ihm gern mein Wissen zur Verfügung stellen würde.
    Zum Verständnis: ich bin bekennender Buddhist, ich bin schwuler Mann, ich bin promovierter Naturwissenschaftler.

  16. chris bergemann um 14:21 #

    Eine „Richtigstellung“: Im Buddhismus gibt es keine „Wiedergeburt“.

    Unser Geist hat keinen Anfang und kein Ende, er war und ist immer da. Wenn der Geist sich mit einem neuen physischen Körper vereinigt, so wird dieser jedesmal „neu“ geboren bzw. aus in der Natur vorhandenen Komponenten „zusammengesetzt“, es wird also nichts „wieder“ geboren.

    Buddhismus und Homosexualität (Sachlich):

    Der Buddhismus schreibt keine besondere Form des Geschlechtslebens vor, weshalb auch Homosexualität und andere sexuelle Ausdrucksformen keinerlei moralische Verurteilung erfahren. Dennoch besteht der Aufruf, sich des gierhaften Anhängens zu enthalten und auch niemandem sexuelle Handlungen aufzunötigen.

    Grundsätzlich gilt, niemandem eine bestimmte Form des Geschlechtslebens aufzuzwingen, womit auch die Vermeidung sexueller Ausbeutung und die Protektion von Minderjährigen, Untergebenen, Hilflosen und Schutzbefohlenen gemeint ist.

  17. peter um 16:17 #

    immer wenn was über den buddhismus gefragt wird, kommen zitate vom dalai lama. bitte der dalai lama ist nicht buddha. er sagt und schreibt seine auffassungen. buddha hat niemals homosexuelle abgelehnt oder ihresexuelle handlung abgelehnt.

    wenn zwei menschen sich lieben und achten, dann ist es ok sexuelle handlungen durchzuführen selbst wenn sie nicht verheiratet sind.

    beim buddha sind auch homosexuelle willkommen.

    Das wird bei uns nicht als besonders wichtig erachtet. Buddha war klug genug, sich weitgehend aus unseren Schlafzimmern herauszuhalten. Auf Fragen zu Homosexualität hat er meistens geantwortet, sie würde aus starker Abneigung gegen das andere Geschlecht in vorherigen Leben entstehen. Wenn ich z. B. im letzten Leben ständig an den Mädchen etwas gefunden hätte, was mir nicht gefällt, dann würde ich heute anstatt mit Petra mit Peter Hand in Hand dasitzen. Es hängt also von der inneren Einstellung anderen gegenüber ab. Was man gerade jetzt schätzt und für schön und bedeutend hält, ist auch das, was man das nächste Mal begehren wird.

    Es ist auch eine Frage von karmischen Verbindungen. Man war vielleicht im letzten Leben ein heterosexuelles Paar, in diesem Leben werden jedoch beide männlich oder weiblich geboren . Da man sich aufgrund des alten Karmas wieder stark angezogen fühlt, begegnet man sich gleichgeschlechtlich.

    liebe grüße peter

  18. peter um 16:19 #

    @ chris bergemann

    n atürlich haben wir im buddhismus eine wiedergeburt, nur eben nicht eine wiedergeburt mit der vorstellungen einer selenwanderung.

    gruß peter

  19. tenpel um 16:46 #

    Hm, der Stern und die anderen hier zitierten Medien haben sich nicht gerade viel Mühe gegeben, die differenzierte Meinung des Dalai Lamas zum Thema Homosexualität in all seiner Nuanciertheit wiederzugeben sondern zogen es vor, das Sensationelle und Einseitige zu bedienen. Vor allem dem Stern ging es in seinem Juli 2009 Artikel ja nur darum, den Dalai Lama anzuschwärzen und einen Schatten zu werfen … (wie schon der Stern Titel aussagte).

    Der Dalai Lama hat sehr unterschiedliche Antworten zum Thema Homosexualität gegeben, es kommt eben auch immer darauf an, wie man fragt und wie nachgehakt wird.

    Wenn es um einen Standpunkt im Buddhismus zum Thema geht, bezieht er sich auf Vasubhandu (2. Jh.) und Tsongkhapa (15. Jh), die sexuelles Fehlverhalten definieren u.a. als Geschlechtsverkehr durch eines der anderen beiden Tore (Anus und Mund). Allerdings sollte man davon nicht ableiten, dass der Dalai Lama homophob sei, wie der Stern indirekt unterstellte. Der Dalai Lama hat kein Problem damit in der Schweiz mit einem offen schwul lebenden Reporter Hand in Hand vor der Kamera zu gehen und er hat auch eine Einladung zu einer Konferenz mit Lesen und Schwulen in San Francisco angenommen, um mit Lesben und Schwulen über seine Einstellung zu diskutieren. Näheres dazu:

    http://info-buddhismus.de/Buddhistische_Sexualethik_ueberdenken.html

    Obzwar ich kein Fan von Wikipedia bin (zu viel Manipulation und Einseitigkeit, gerade bei politischen, geschichtlichen, Gender und religiösen Themen, findet man doch auf der engl. Wikipage eine recht differenzierte Darstellung seiner Ansichten:

    A monk since childhood, the Dalai Lama has said that sex offers fleeting satisfaction and leads to trouble later, while chastity offers a better life and „more independence, more freedom“.[72] He has observed that problems arising from conjugal life sometimes even lead to suicide or murder.[73] He has asserted that all religions have the same view about adultery.[74]

    In his discussions of the traditional Buddhist view on appropriate sexual behavior, he explains the concept of „right organ in the right object at the right time,“ which historically has been interpreted as indicating that oral, manual and anal sex (both homosexual and heterosexual) are not appropriate in Buddhism or for Buddhists, yet he also says that in modern times all common, consensual sexual practices that do not cause harm to others are ethically acceptable and that society should not discriminate against gays and lesbians and should accept and respect them from a secular point of view.[75] In a 1994 interview with OUT Magazine, the Dalai Lama clarified his personal opinion on the matter by saying, „If someone comes to me and asks whether homosexuality is okay or not, I will ask ‚What is your companion’s opinion?‘. If you both agree, then I think I would say, ‚If two males or two females voluntarily agree to have mutual satisfaction without further implication of harming others, then it is okay.'“[76]

    In his 1996 book Beyond Dogma, he described a traditional Buddhist definition of an appropriate sexual act as follows: „A sexual act is deemed proper when the couples use the organs intended for sexual intercourse and nothing else… Homosexuality, whether it is between men or between women, is not improper in itself. What is improper is the use of organs already defined as inappropriate for sexual contact.“[77] He elaborated in 1997, explaining that the basis of that teaching was unknown to him. He also conveyed his own „willingness to consider the possibility that some of the teachings may be specific to a particular cultural and historic context“.[78]

    The Dalai Lama has expressed concern at “reports of violence and discrimination against gay, lesbian, bisexual and transgender people” and “urges respect, tolerance and the full recognition of human rights for all.”[79]

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