Links und schwul, nur das ist cool

5 Mrz

Die Berliner Lesben und Schwulen in der Union (LSU) haben mit Eike Letocha einen neuen Vorsitzenden. An sich nichts Besonderes und eigentlich auch keinen Beitrag wert, wenn nicht eine Kritik Letochas an Berlins Regierenden Bürgermeister Wowereit was schwulenpolitische Fragen angeht, merkwürdige Reaktionen im Kommentarbereich bei Queer.de ausgelöst hätte. So schreibt etwa ein User (madridEU, Kommentar Nr. 4):

Mutig, wie sich dieser hübsche Schwule in einer konservativen Partei wiederfindet. Er soll Wowereit ruhig kritisieren dürfen, auch wenn man ja im Glashaus nicht mit Steinen werfen sollte. Ansonsten ist es schon verwunderlich, dass sich einige homosexuelle Aktivisten rechts orientieren.
Die grosse linke schwule Mehrheit kann gelassen registrieren, dass es dadurch woanders vielleicht Ansätze zur Veränderung gibt.
Es ist mitunter einem Homosexuellen aufgrund seiner Erziehung und des Umfeldes nicht möglich, sich in einer gesellschaftlich fortschrittlichen Partei zu arrangieren.

Sehen wir mal kurz davon ab, dass es gar nicht so mutig ist sich in der LSU zu engagieren (in der Union geht man normalerweise nicht mit Baseballaschlägern auf die homosexuellen Mitglieder los) und die große Mehrheit der Schwulen links verortet wird (was durchaus möglich ist, aber eines Beweises bedarf) und konzentrieren uns auf den letzten Satz:

Es ist mitunter einem Homosexuellen aufgrund seiner Erziehung und des Umfeldes nicht möglich, sich in einer gesellschaftlich fortschrittlichen Partei zu arrangieren.

Gibt es irgendjemanden da draußen der zweifelsfrei erklären könnte, was madridEU uns mit dieser Aussage sagen will? Muss man diesen Satz so verstehen, dass Schwule, sobald sie in der Lage sind politisch zu denken, stets und ständig „gesellschaftlich-fortschrittliche“ Positionen übernehmen, es also quasi eine genetische Kausalität zwischen schwul und links sein gibt, wie es ein anderer Kommentator ausgedrückt hat? Dass kein Schwuler jemals von selbst auf den Gedanken kommen könnte, konservative, liberale oder gar rechtsextreme Positionen für sich selbst richtig zu finden? Dass nur Elternhaus und Umfeld Schwule vom vorbestimmten „linken“ Leben abhalten und in die „rechte“ Ecke zwingen?

Es scheint so zu sein, dass madridEU zu jenen gehört, die Homosexualität nicht nur als eine bloße sexuelle Orientierung, sondern als eine Art Lebensphilosophie für alle Fälle betrachten. Das ist nicht weiter tragisch, aber dennoch irgendwie merkwürdig.

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