Linke Tradition: „Schwule Nazis“

26 Apr

Eine etwas ältere Rezension über die fast schon zwanghafte Verbindung von männlicher Homosexualität und Faschismus durch linke deutsche Schriftsteller habe ich hier unter der Überschrift „Links ist cool – Rechts ist schwul?“ gefunden. Am Beispiel von Böll, Andersch und Koeppen werden Vorurteile gegenüber schwulen Männern in der Gesellschaft der frühen Bundesrepublik untersucht. Immerhin:

Alle drei zählen zu den „klassischen“ westdeutschen Nachkriegsautoren und ihre Werke – wenn auch nicht in erster Linie die hier untersuchten – sind in den Lektürekanon von Schule (Andersch, Böll) und Universität (Koeppen) eingegangen.

Die Rezension und natürlich das Buch seien all denen ans Herz gelegt, die immer noch meinen, dass Schwule per se links zu sein hätten. Dabei werden sie eben von dieser politischen Seite aus bis heute mit Stereotypen belästigt:

Gemeint ist insbesondere das Klischee, allen faschistischen und faschistoiden Bewegungen liege ein homoerotischer Männerbund zugrunde, welches unter anderem noch Anfang 2000 von der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek zur Deutung der rechtsnationalistischen FPÖ und ihres damaligen Parteivorsitzenden Jörg Haider bemüht wurde.

Manchmal ist es einfach besser, die Deutung dem Analytiker zu überlassen – oder gleich selber zu denken. Dann kommt man z.B. zu der Erkenntnis des Autors, die Thesen Jelineks seien

nicht originell, sondern setzen eine lange deutsche Tradition fort, die seit den dreißiger Jahren immer wieder versuchte, im öffentlichen Bewusstsein eine Verbindung zwischen Homosexualität und Faschismus herzustellen.

Schweres Geschütz, doch das schien nötig, waren Schwule vielen Linken doch immer wieder suspekt ob ihrer angeblichen Dekadenz, sprich westlichen Lebensart und ihrer Ignoranz gegenüber den Reproduktionsnotwendigkeiten einer Gesellschaft, mit anderen Worten ihres Individualismus.

So wird es kein Zufall sein, dass diese Tradition von links kommt.

Eine Antwort zu “Linke Tradition: „Schwule Nazis“”

  1. godforgivesbigots 27. April 2007 um 19:36 #

    Das Klischee vom schwulen Nazi kommt traditionell von Steinzeitlinken, ist aber nach dem Ende der Sowjetunion primär von Paranoiaevangelikalen am Leben erhalten worden.

    Maßgebliches Ausstellungsstück hierzu: The Pink Swastika, einer Mitte der 1990er Jahre in den U.S.A. publizierten geschichtsrevisionistischen Propagandaschrift, die sich zur Aufgabe gemacht hat, den „schwulen Mythos vom Rosa Winkel“ zu widerlegen.

    Maxim Gorki meets Pat Robertson… ziemlich unappetitlich.

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