Islamisch befreite Zone

23 Apr

Die zuletzt durch ihre umstrittene Schweinefleisch-macht-schwul-Äußerung unter Druck geratene Ahmadiyya-Gemeinde in Berlin-Pankow hat einen Rückzieher gemacht. Das meldet zumindest queer.de:

Wir nehmen diesen Vergleich zurück

spricht der Imam und die Begründung folgt sogleich.

Wir haben keine Quelle gefunden, in der diese Aussage belegt wird

wird der Gemeindesprecher zitiert.

Man habe zuvor die Aussagen des Kalifen noch einmal überprüft, der im Ahmadiyya-Text zitiert wurde. „Im Koran und in den Schriften unseres Begründers wird kein Zusammenhang hergestellt zwischen Schweinefleisch und Homosexualität.“ Beides sei Muslimen natürlich verboten.

Natürlich. Verboten. Da versucht sich sogar der LSVD an einer Kritik. Dessen Sprecher Alexander Zinn gab zu Protokoll, die Erklärung der Ahmadiyya sei

„sehr halbherzig“ und „fragwürdig“.

Denn schließlich, so Zinn, bleibe danach die Frage offen

Was passiert, wenn der Kalif es doch gesagt hat?

Bezüglich der Zukunft wird in einem queer.de-Kommentar vermutet:

Ist doch durchschaubar: jetzt wo der Bau der Moschee auf dem Spiel steht, spielen sie den Wolf im Schafspelz und sobald die Moschee dann steht, geht es wieder los….

Soweit ist also alles wieder normal im multikulturellen Berlin – wenn man von den antisemtischen, antidemokratischen und frauenfeindlichen Äußerungen der Ahmadiyya absehen will.

Dicke Luft herrscht dafür aktuell in Hamburg. Die Hamburger Morgenpost berichtet darüber in ihrer Sonntagsausgabe unter der Überschrift „Moslems gegen Schwule“.

„Im vergangenen Sommer haben Migranten Schwule bedroht und verprügelt“, sagt der GAL-Bürgerschaftsabgeordnete Farid Müller. Ein Stadtteildialog mit der Centrum-Moschee, dem größten Gebetshaus Norddeutschlands, sollte es richten.

Doch der wurde jetzt von islamischer Seite beendet. Die menschenverachtende Begründung: Zwei Männer hatten in Sichtweite der Moschee Händchen gehalten. Die Folge: Ein Menschenauflauf. Mehr noch:

Ältere Ladeninhaber und muskelbepackte Türstehertypen in Bomberjacken bauen sich vor ihnen auf, bedrängen die beiden. „Vor einer Moschee haben Schwule nichts zu suchen“, schreien sie. „Wenn die sich geküsst hätten, hätte jeder Einzelne in dieser Straße sie angegriffen“, droht Ahmed Kajhy (18) unverhohlen. Ein anderer brüllt: „Ihr beleidigt den Islam.“

Dieser Ansicht scheint auch Ahmet Jazici, Vize-Chef der Centrum-Moschee zu sein. Die Absage des zweiten Termins im Rahmen des Stadtteildialogs begründete er folgendermaßen:

Wir wollen uns nicht von Schwulenaktivisten auf der Nase herumtanzen lassen.

Nun weiß man nicht, ob für Herrn Jazici jeder mit einem anderen Mann händchenhaltende Mann schon ein Schwulenaktivist ist. Doch man erfährt etwas über die Angst des Moslem, über verbotene Themen auch nur zu reden:

„Es sollte erneut über Homosexualität diskutiert werden, doch das ist Sünde und verboten“, sagt Ahmet Jazici. „Wir lassen uns nicht vorführen.“ Ein Dialog verändere nicht den Koran. Da gebe es nichts zu diskutieren oder zu verhandeln.

Eine bemerkenswerte Auffassung von Demokratie, wenn man Herrn Jazici denn unterstellen will, er stehe auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Aber die Ansichten Hamburger Moslems über Schwule scheinen von zivilisatorischen Errungenschaften überhaupt weitgehend verschont worden zu sein. So heißt es in einer vom schwulen Hamburger Stadtmagazin „Hinnerk“ bei muslimischen Kaufleuten veranstalteten Umfrage über Schwule:

„Das sind keine Menschen“. Und auf die Frage, was er tun würde, wenn sein Sohn schwul wäre, antwortet ein anderer: „Erschießen!“

Immerhin hat die Gemeinde eine Erklärung zu den Übergriffen herausgegeben. Darin heißt es:

Kein einzelner (sic!) Muslim hat das Recht, Schwule zu verprügeln. Das Gewaltmonopol liegt beim Staat. Doch beim Gespräch in der Moschee schwingt ein „Aber“ mit. Denn der islamistische Verein „Milli Görüs“, der das Gebetshaus betreibt und vom Verfassungsschutz beobachtet wird, will seine Islam-Vorstellungen auch politisch umsetzen.

„Die meisten der rund 2000 nicht gewaltbereiten Islamisten in Hamburg gehören zu „Milli Görüs“, erklärt Manfred Murck, Vize-Chef des Hamburger Verfassungsschutzes. „Auch wenn die Hamburger Fraktion als reformorientierter gilt, orientierten sich viele an der Scharia, dem islamischen Recht.“ Doch was heißt das für die Schwulen? „Öffentlich gelebte Homosexualität ist für uns ein Straftatbestand“, gibt Jazici unumwunden zu.

Die Strafen dafür kennen wir aus Teheran und Ramallah: Steinigung und das Bad in Salzsäure. Einigen scheint es mit der offiziellen Umsetzung dieser Strafen in Deutschland zu lange zu dauern und sie greifen zur Selbstjustiz:

So nehmen unweit der Moschee Vorfälle bei „Hein & Fiete“, dem Infozentrum der Gay-Community am Pulverteich zu. Dreck vor der Tür, Müll im Briefkasten und Schmierereien wie „Tod den Schwulen“. „Seit diesem Jahr gibt es sogar regelrecht Hausbesuche von Migrantengruppen, zum Schutz wurde ein Alarmknopf eingebaut“, berichtet Mitarbeiter Christian Heise (Name von der Redaktion geändert). „Wir fühlen uns körperlich bedroht. Ich bin im Viertel auch bepöbelt worden. Es gibt in St. Georg Zonen, in denen man besser nicht offen schwul ist“, so Heise.

Mich erinnert diese Vorgehensweise von Migranten an die Aktivitäten von Neonazis, die Veranstaltungen von Linken, Gewerkschaftern und anderen ihnen mißliebigen Gruppen „offensiv besuchen“, um allein durch ihre Anwesenheit Angst und Schrecken zu verbreiten.

In Ostdeutschland nennt man Gebiete, in denen die wenigen Ausländer, die dort leben, ebenso mit Angriffen auf Leib und Leben rechnen müssen, wie Linke, Obdachlose, Schwule und Lesben, „national befreite Zonen“. Teile von Hamburg-St. Georg scheinen, wie mancher Kiez in Berlin-Kreuzberg, -Schöneberg, -Neukölln oder -Wedding, auf dem besten Weg, zu „islamisch befreiten Zonen“ zu werden.

Mal sehen, wann hier ein „Aufstand der Anständigen“ ausgerufen wird.

8 Antworten zu “Islamisch befreite Zone”

  1. godforgivesbigots 24. April 2007 um 18:09 #

    Die Mahdis haben sich getäuscht: Nicht Schweinefleisch ist schuld, sondern Tofu. Sagt jedenfalls Jim Rutz.

  2. Farzan Khan 4. Mai 2007 um 22:56 #

    Sehr geehrte Herausgeber,

    in Ihrem Artikel beschreiben Sie die Ahmadiyya als antisemitisch, antidemokratisch und frauenfeindlich.

    Mich würde interssieren, wie Sie zu dieser Meinung kommen.

    Freundliche Grüße

    Khan

  3. Damien 4. Mai 2007 um 23:07 #

    Sehr geehrter Leser,

    zum Beispiel hierdurch: http://www.pro-schluechtern.de/texte/schroeter

    Freundliche Grüße
    Damien

  4. F. Khan 17. Mai 2007 um 17:34 #

    Sehr geehrter Herr Damien,

    ich bedauere, dass Sie allein aufgrund der Interpretation von einer Person, sich Ihre Meinung gebildet haben. Es wäre doch sinnvoller sich mehrere Meinungen einzuholen. Noch besser wäre es die Gemeinde um die es hier geht vielleicht persönlich kennen zu lernen. Ich denke, daß nur dann Sie in die Lage versetzt werden können ein begründetes Urteil zu bilden.

    Ferner sollten auch aus den Texte oder Erscheinungen der Gemeinde nicht Aussagen einzeln beurteilt, sondern vielmehr im gesamten Kontext betrachtet werden. Nur so können Sie auch die Aussagen richtig verstehen.

    Grüße

    Khan

    PS: Sorry für die späte Antwort

  5. Damien 17. Mai 2007 um 19:00 #

    Sehr geehrter Herr Khan,

    um folgende Aussagen zu beurteilen, halte ich den Kontext für unerheblich.
    „Es wird nur eine Religion in der Welt geben und nur einen Führer.“
    Die Ahmadiyya setzt sich ein für Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit und propagiert eine besondere Art des Dschihad, den „Dschihad gegen die Schleierlosigkeit“. Die Polygamie ist dem Mann erlaubt.
    „Ein Kampf mit den ´Juden´ unserer Zeit wird folgen. Und wer sind diese ´Juden´? Sie sind die Anbeter der Äußerlichkeiten, die den Juden vergangener Tage ähnlich geworden sind. Das Schwert des Himmels wird sie zerschneiden, die ´jüdischen´ Denkweisen werden vernichtet werden.“
    Ich wüßte nicht, was es an diesen Aussagen zu interpretieren gibt. Sie sind eindeutig. Wer sie zitiert, ist unerheblich. Der einzige Einwand, den ich akzeptieren würde, ist der Nachweis, dass die Zitate inhaltlich falsch sind. Der wird von Ahmadiyya-Seite bezeichnenderweise nirgendwo geführt.

  6. A. Frieden 19. Mai 2007 um 20:21 #

    Sehr geehrter Herr Damien,

    Glaubensfreiheit ist das höchste Gut der islamischen Menschenrechte.

    Sie sollten die folgenden Zitate hierzu aus dem heiligen Quran beachten:

    „Es soll keinen Zwang sein im Glauben…“ (2:257)

    „Und sprich: „ Die Wahrheit ist von eurem Herrn: darum laß den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will.“ (18:30) D.h. nach den Lehren der Ahmadiyya ist jeder frei in seiner Entscheidungsfindung. Somit kann von Antidemokratie keine Rede sein.

    Bezüglich der Ansicht die Ahmadiyya sei frauenfeindlich sollten Sie bedenken, dass die Ahmadiyya Gemeinde eine eigene Frauenorganisation hat, welche unabhängig besteht. Diese Organisation ist es, die u. a. auch den Bau der Berliner Moschee unterstützt. Die gesamten Pläne wurden von einer Muslima erstellt und auch von Ihr im Bauausschuss von Pankow vorgestellt. Bei einer frauenfeindlichen Gemeinde wäre dies doch nicht der Fall

    Nach der Lehre der Ahmadiyya ist Polygamie nur unter sehr strengen Bedingungen möglich. Wenn Sie einige Mitglieder der Ahmadiyya kenne würden, würden Sie wissen, dass Polygamie in der Praxis so gut wie gar nicht mehr vorkommt, da der Islam gebietet, im Fall der Mehrheirat alle Frauen in der Ehe gleichberechtigt zu behandeln und zu versorgen. Hierzu sind Menschen nur schwer in der Lage. Den Hintergrund der Polygamie näher zu erläutern, würde den Rahmen dieser Diskussion sprengen.

    Bezüglich den Judentum ist zu erwähnen, dass vergleichbare Texte auch in der Bibel nachzulesen sind.

    Matthäus 21:43-45

    43 Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die seine Früchte bringen wird. 44 Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; aber auf wen er fallen wird, den wird er zermalmen. 45 Und als die Hohenpriester und die Pharisäer seine Gleichnisse gehört hatten, erkannten sie, dass er von ihnen redete.

    Hier wird von Pharisäern gesprochen, eine Ausrichtung aus dem Judentum. Das heißt jedoch nicht, dass das Christentum antijüdisch ist. Genauso wenig ist es die Ahmadiyya Gemeinde.

    Sofern Sie der Ansicht sind, die Ahmadiyya sein antisemitisch, was ich bestreite, müssten sie doch dem vorgenannten Zufolge auch die Ansicht vertreten, dass das Christentum antisemitisch ist.

  7. redforce 30. Juni 2007 um 20:18 #

    Erschreckend 😦 Wird wohl irgendwann so enden wie in Amerika, dass jeder Schusswaffen bei sich trägt und ein Klima der Angst bürgerkriegsähnliche Zustände verhindert (wenn auch bei weit höherer Gewaltrate als jetzt)

Trackbacks/Pingbacks

  1. BUTZEN 03 at NeinAffeNein - 21. Februar 2008

    […] St. Georg gibt es nicht nur Schwule und Islamisten – auch anderen “Sündern” wird einiges […]

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