Black Power for White Pride

12 Mrz

Politikern wird nur allzu gerne vorgeworfen, sie wären abgehoben und hätten keinen Bezug mehr zur Realität. Das dies zuweilen stimmt lässt sich gut an einer Veröffentlichung der Jungen Union zum Thema Adoptionsrecht für Lesben und Schwule nachweisen. Konkret geht es um eine Stellungnahme aus dem Dunstkreis des JU-Kreisverbandes Karlsruhe Stadt und damit im gesellschaftspolitisch seit jeher fortschrittlichen „Ländle“:

Die Junge Union wendet sich entschieden gegen Bestrebungen der Grünen und des Bundesjustizministeriums, gleichgeschlechtlichen Paaren die Volladoption von Kindern zu ermöglichen.

Durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ist erneut eine Diskussion hierüber aufgebrochen. Die Bundesjustizministerin und der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) streben dieses schon länger an und sehen in der Verweigerung der Volladoption eine Diskriminierung homosexueller Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung.

Das allerdings sieht die JU Karlsruhe ganz anders:

Der JU Kreisvorsitzende Andreas Reifsteck sagt dazu: „Es geht in dieser Sache nicht um die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare, sondern vielmehr um das Kindeswohl und dessen aggressive Bedrohung.“

Weniger cholerische Zeitgenossen als Herr Reifsteck könnten ihn darauf hinweisen, dass eine „agressive Bedrohung“ des Kindeswohls wohl eher von kindsmordenden Müttern heterosexueller Veranlagung ausgeht, als von adoptionswilligen Schwulen und Lesben. Studien konnten bislang jedenfalls keine Kindeswohlgefährdung durch ein Aufwachsen bei gleichgeschlechtlichen Paaren feststellen – ganz im Gegenteil wurden sogar Vorteile ermittelt. Offensichtlich befindet sich die JU aber im Besitz diverser gegenteiliger Untersuchungsergebnisse:

„Kinderpsychologen und Verhaltensforscher weißen klar und deutlich darauf hin, dass Kinder ein Anrecht darauf haben müssen, in einem geschlechtlich bipolaren Milieu heranzuwachsen.“

Neben einer phantasievollen Rechtschreibung – deren Ausrichtung psychoanalytisch betrachtet wenig Zweifel am angestrebten Ziel lässt – („auf etwas hin weißen“) beeindruckt der christlich-demokratische Nachwuchs im Lieblingsland von Filbinger und Rohrmoser auch durch die Verwendung eines extrem individuellen Satzbaus: „Ein Anrecht darauf haben müssen“. Welche Kinderpsychologen und Verhaltensforscher der vorgetragenen Ansicht sind, ist aus der Pressemitteilung der JU leider nicht ersichtlich. Macht aber nichts. Schließlich weiß doch sowieso jeder, was mit Kindern passiert, die in einem geschlechtlich monopolaren Milieu großwerden. Zumindest wenn man der JU-Beauftragten für das Ressort Familie, Stadträtin Bettina Meier-Augenstein glauben will:

„Kinder brauchen zur Identitätsfindung Rollenvorbilder aus beiden Geschlechtern. Wird dieser Erfahrungsraum Kindern verwehrt, kommt es zu seelischen Entwicklungsstörungen bis hin zu starken Unsicherheiten in der späteren Partnerwahl. Davor muss der Staat die Kinder als die schwächsten Glieder der Gesellschaft schützen und bewahren“.

Konkret: Homo-Eltern machen Kinder homosexuell. Und Homosexualität ist furchtbar böse. Denn warum sonst glaubt die JU Karlsruhe, Kinder präventiv davor schützen zu müssen?

All dies hat mit gesundem Menschenverstand natürlich nichts zu tun. Denn wer das Kindeswohl hauptsächlich durch eine homosexuelle Orientierung gefährdet sieht, müsste das „Problem“ an einer ganz anderen Wurzel anpacken und – wie hier bereits angedeutet wurde – Heterosexuellen die Kinder verbieten. Bis das erledigt ist, können sich ja die Kameraden der LSU um ihre süddeutschen Pappnasen kümmern.

2 Antworten zu “Black Power for White Pride”

  1. felixdelmar 13. März 2008 um 01:10 #

    Würde mich interessieren, wie die JU erklärt, dass die meisten Homosexuellen heterosexuelle Eltern haben.
    Und ich persönlich bin nicht unsicher bei der Patnerwahl, mein heterosexueller Bruder im übrigen auch nicht, obwohl wir beide ’nur‘ bei unserer Mutter (ohne männliche Bezugsperson) aufgewachsen sind.
    Ach, so ein wenig Hirn würde manchen Menschen doch gut stehen.

  2. Pat 13. März 2008 um 13:22 #

    Und immer wieder diese Rollenvorbilder. Wo bleibt denn da der freie Mensch, der sich ohne Rollenvorbilder zu entwickeln vermag. Eben ganz nach seiner Fasson und mir haben Rollenvorbilder nur eins gebracht. So will ich nicht werden. Bin ich ja auch nicht, aber welche Rolle spiele ich jetzt?

    Komisch auch, dass Quellen gern verschwiegen werden. Warum nur? Dilettantismus oder einfach Wissen um die Unwahrheit?

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