Von antisemitischen Bubenspitzle und missbrauchten Nonnenfürzle

6 Feb

„Köstliches aus der Klosterküche“, so der Titel des Kochbuches, das ich zu Weihnachten geschenkt bekam. Eben suchte ich darin nach einem Rezept, das Adrian und ich heute abend nachkochen könnten. Als ich mich dann erinnerte, was Anfang diesen Jahres über die Jesuitenbrüder an die Öffentlichkeit gelangt war, sah ich die Rezepte plötzlich mit anderen Augen. Es beginnt schon im Inhaltsverzeichnis, in dem von „gestoßenem Gemüse“ die Rede ist. Will man sich das bildlich vorstellen? Und dann erst die Rezepte:

Gebackene Austern [sic!] auf Blattspinat
Gefüllte Eier nach Bojarenart
Gefüllter Backfisch
Möhren mit Glanz [schreibt sich das nicht mit s?]
Nonnenfürzle

Ich hatte einfach nur Bubenspitzle erwartet, vielleicht noch mit einem Sahnehäubchen garniert. Aber genug der bösen Kommentare, widmen wir uns einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema.

Den Anfang machte der frühere Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Eberhard von Gemmingen, selber Jesuit. Offenbar unter einem massiven Druck stehend, erklärte er:

Ich muss einen Vergleich ziehen:

Wenn er Vergleich sagt, meint er Gleichsetzung.

Mit den Juden ist es so losgegangen, dass vielleicht der ein oder andere Jude Unrecht getan hat.

Ja, da kennt sich der Jesuit aus, mit dem Unrecht, das Juden begangen haben. Aber deshalb muss man doch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, also alle Juden unter die Dusche schicken. Etwas selektiver hätte man damals schon vorgehen sollen, so verstehe ich Herrn von Gemmingen. Stattdessen wurden die Deutschen damals gleich so grundsätzlich:

Dann aber hat man schlimmerweise alle angeklagt und ausrotten wollen.

Das ist wirklich schlimm. Nicht nur die anklagen und ausrotten wollen, die vielleicht Unrecht getan haben. Sondern alle! Dabei darf man das gar nicht:

Man darf nicht von einzelnen Missetaten ausgehen und eine ganze Gruppe verurteilen.

Freunde machte sich von Gemmingen mit seiner Gleichsetzung allerdings nicht, zumindest nicht in der Öffentlichkeit:

Der deutsche Jesuiten-Chef, Pater Stefan Dartmann, distanzierte sich von den Äußerungen seines Ordensbruders.

Von Gemmingen folgte brav:

Ich ziehe diesen Vergleich mit den Juden zurück, denn er ist unzutreffend.

Doch warum eigentlich? Ist es eine Beleidigung für Jesuiten, mit Juden verglichen zu werden? Oder für Juden, mit Jesuiten verglichen zu werden? Waren die Missetaten von Juden moralisch fehlerhafter als die von Jesuiten? Oder umgekehrt? Zumindest scheinen Jesuiten dabei mehr Kontinuität aufzuweisen:

Das Erzbistum Berlin kündigte an, eine ständige Kommission einzurichten, die sich um Missbrauchsfälle kümmert.

Sexueller Missbrauch scheint darüber hinaus in der katholischen Kirche längst ein regelrechter eigener Arbeitsbereich zu sein:

Die Kirchen-Beauftragten von Berlin und Dresden-Meißen für sexuellen Missbrauch befürchten, dass in Zukunft noch viele weitere Missbrauchsfälle bekannt werden könnten.

Und wie verhindert man weiteren Missbrauch in der Zukunft?

Mit Misstrauen. Meint jedenfalls Jesuit Friedhelm Mennekes, der erklärte:

Die Kirche verdiene keine größere Vertrauenswürdigkeit als andere Institutionen.

In eine konkrete Handlungsanweisung übersetzt bedeutet das:

Eltern sollten ihre Kinder nie mit Geistlichen alleine lassen.

Zumindest nicht mit katholischen Geistlichen…

Vielleicht sollte man aber auch die Kochbücher noch einmal überarbeiten.

Eine Antwort zu “Von antisemitischen Bubenspitzle und missbrauchten Nonnenfürzle”

  1. walteranamur 6. Februar 2010 um 19:04 #

    Ja, leider kriegt man das Gefühl, dass diejenigen, welche da unentwegt von Aufklaerung, Neuanfang und Eisbergen (pardon Spitzen von Eisbergen) fabulieren, in ihrem Denken inhaltlich noch meilenweit von diesem Ziel entfernt sind..

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