Wie viele sind wir eigentlich? – Homosexualität und die nackte Zahl

30 Jan

Bis noch vor einigen Jahren konnte man in Schulbüchern und populären Tiermagazinen lesen, dass Elefanten bis zu einhundert Jahre alt werden können, obwohl jeder Zoologe wusste, dass das Unsinn ist, weil Elefanten nur etwa 60 bis 70 Jahre alt werden. Die falsche Angabe von hundert Jahren wurde niemals verifiziert oder geprüft, sie wurde einfach irgendwann in den Raum geworfen und hielt sich dann hartnäckig.

Mag der Vergleich zunächst seltsam anmuten, genau an die Geschichte mit den Elefanten muss ich immer denken, wenn irgendwo geschrieben steht, dass etwa 10 Prozent der Menschen homosexuell sind, und diese Schätzung dann auch noch mit einer ominösen “Dunkelziffer” abgerundet wird. Denn diese Zahl ist nicht belegbar, niemand hat sie nachgeprüft, es ist eben eine reine Schätzung, die wahrscheinlich auf Grund des runden, leicht zu merkenden Charakters der Zahl “zehn” so beliebt ist. Zugegeben, im Gegensatz zur Geschichte der Elefanten und ihres Höchstalters lässt sich auch nicht belegen, dass eben nicht 10 Prozent der Menschen homosexuell sind. Dazu kommt, dass die Frage nach der Zahl weitaus tückischer ist, als sie auf den ersten Blick anmutet.

Denn was bedeutet eigentlich in diesem Zusammenhang “homosexuell”? Bedeutet es wirklich, dass 10 Prozent der Menschen ausschließlich bzw. überwiegend dem gleichen Geschlecht in einer emotional-sexuellen Weise zugeneigt sind? Das ist es nämlich, was die meisten heute mit Homosexualität assoziieren: eben nicht nur einen rein sexuellen Akt unter Gleichgeschlechtlichen – weil man eben gerade zuviel Druck hat, und kein “richtiger” Geschlechtspartner in der Nähe ist – , sondern die Tatsache, dass man eben das gleiche Geschlecht liebt bzw. lieben kann.

Zehn Prozent? Nun ich hätte nichts dagegen, wenn dem so wäre, und in Berlin und anderen Städten halte ich diese Zahl sogar für annähernd realistisch, bieten diese “Schwulenhochburgen” doch sozusagen Fluchtpunkte vor der Enge und sozialen Überwachung der Provinz. Allerdings ist ja nicht mal das belegt. Wir wissen schlicht und einfach nicht, ob in der Stadt nicht vielleicht doch genau so viele Homos leben wie auf dem Lande – oder gar mehr. Denn das reine Angebot an Buchläden für Schwule, Diskotheken für Schwule, Bars für Schwule und Friseuren für Schwule, beweist eben gar nichts.

Dazu kommt, dass das Spiel mit den Zahlen einen politischen Einschlag hat. Ja, es tut uns Homos nicht weh zu sagen, dass wir, als politische Bewegung, natürlich ein Interesse daran haben, die Anzahl der Schwulen möglichst hoch anzusetzen. Das mag im Übrigen auch ein Grund dafür sein, dass sich gewisse Thesen der Queer- und Gender-Theorie einer wachsenden Beliebtheit erfreuen, nämlich vorzugsweise immer dann, wenn kolportiert wird, dass es die sexuelle Orientierung an sich ja gar nicht gibt, die gesamte Menschheit also mehr oder weniger “homosexuell”, also wie wir, ist – wobei man dabei aber zumeist galant unter den Tisch fallen lässt, dass Schwule nach dieser Maßgabe, dann auch ebenso problemlos heterosexuell empfinden könnten.

Schwulenhasser, zumeist aus dem fundireligiösen Spektrum, setzen dagegen die Zahl der Schwulen des Öfteren bei ein bis unter einem Prozent an, was nicht verwunderlich ist, haben sie doch das der Schwulenbewegung entgegen gesetzte Interesse, nämlich die Anzahl der Homosexuellen so niedrig wie möglich zu halten, eben um leichter “begründen” zu können, dass einerseits eine so kleine Minderheit der öffentlichen Aufmerksamkeit nicht würdig ist, um andererseits die Perfidie eben dieser winzigen Minderheit anzuprangern, die es trotz ihrer mikroskopisch kleinen Anzahl geschafft hat, die ganze Welt zu unterjochen.

Doch wie viele von uns gibt es denn nun wirklich? Wie gesagt, niemand weiß das sicher, und jeder der vorgibt, verlässliche Zahlen zu präsentieren, ist nicht ernst zu nehmen. Nichtsdestotrotz, es gibt Hinweise. Wie etwa den Zensus der USA, der im Jahre 2000 auch nach denjenigen Menschen fragte, die in ausgewählten Metropolregionen des Landes in einem gleichgeschlechtlichen Haushalt zusammenwohnten. Die durchschnittliche Anzahl dieser Menschen belief sich dabei auf etwa zwei bis vier Prozent. Berücksichtigt man dann, dass die Mehrheit der Homos – vermutlich – nicht mit einem Partner zusammenwohnt, könnte man sogar auf eine Gesamtzahl von 10 Prozent Homosexuellen kommen. Doch wie gesagt, das sind Zahlen aus Städten. Und wenn man von der Theorie ausgeht, dass sich in Städten mehr Homos tummeln als auf dem Land, muss man diese Zahl vermutlich etwas hinunterschrauben. Vielleicht so auf fünf Prozent.

Und damit wären wir bei meiner persönlichen Lieblingszahl angekommen: fünf. Ich nämlich glaube, der Anteil der Homos beträgt etwa fünf Prozent. Mit der Betonung auf “glaube”. Denn natürlich kann ich das nicht belegen. Aber wer kann das schon? Und vielleicht ist es ja auch gar nicht so wichtig.

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15 Antworten zu “Wie viele sind wir eigentlich? – Homosexualität und die nackte Zahl”

  1. martin 30. Januar 2010 um 18:59 #

    Danke für diesen sehr schönen Beitrag.
    Da ich ja selbst eher der “Kontinuums-These” zuneige und von naturalistischen Reduktionen irgendwelcher Art eher wenig halte (damit wäre ich dann sowohl den queeren wie auch den fundireligiösen Theoretikern ungewollt nahe), konnte ich mit solch spekulativen Prozentangaben immer herzlich wenig anfangen. Besonders irritierend empfinde ich es übrigens immer, wenn neben dem Homo-Anteil noch ein weiterer Anteil an “Bisexuellen” angegeben wird, der dann meistens geringer ist – was mir einigermaßen kontraintuitiv erscheint, es sei denn, es ginge eben doch um die jeweils aktuelle sexuelle “Praxis”.
    Jedenfalls liegst Du mit den fünf Prozent sicherlich näher an dem Anteil derjenigen, die sich irgendwie als “homosexuell” verstehen, als andere mit ihren zehn Prozent (einschließlich der “Dunkelziffer” solcher Leute, die von ihrer Homosexualität nach zehn Jahren Heteroehe immer noch nichts ahnen).
    Der Versuch eines “schwulen Meldeverzeichnisses” ist ja bedauerlicher Weise an renitenten Subjekten gescheitert, die sich mittels Fake-, Mehrfach- oder Nicht-Mitgliedschaft der universalen Erfassung entzogen haben, meine Wenigkeit eingeschlossen.

  2. Ralf 31. Januar 2010 um 13:43 #

    Diese Zahl wird sich nicht erfassen lassen, so gerne das die einen oder anderen aus gegensätzlichen Gründen hätten. Es scheitert schon an der Selbstdefinition. Denken wir nur kopfschüttelnd an den neumodischen Ausdruck “Männer, die Sex mit Männern haben”, der dem Bedürfnis so vieler verklemmter Homophiler (aber halt – schon dieses verstaubte Wort ist denen zu stark) entgegenkommt, sich selbst als Lebenslügen-Heterosexuelle zu definieren, die lediglich mit Männern ins Bett gehen.

  3. martin 31. Januar 2010 um 14:51 #

    Das Problem ist ja nicht nur die Verklemmtheit einiger “Homophiler”. Vielmehr braucht man zum Zählen erst einmal eine vernünftige Begriffsdefinition. Und erst wenn man die hat, kann man sich Gedanken darüber machen, wie man einzelne Menschen darunter subsumieren kann und ob das überhaupt geht. Der Ausdruck “Männer, die Sex mit Männern haben” gibt wenigstens ein halbwegs objektives Kriterium an die Hand, was von einem Schwammwort wie “Homosexualität” kaum behaupten kann, ganz abgesehen davon, dass damit noch ein ganzer Schwarm von Identitätsfragen verbunden ist. Wie man es auch dreht und wendet, sobald man anfängt einen Begriff wie “Homosexualität” auf die Realität anzuwenden, tut man ihr und vermutlich auch vielen Menschen Gewalt an. Schließlich gibt es grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, wenn Männer Sex mit Männern haben, obwohl sie keine homosexuelle Identität haben – das ist nicht nur ein völlig kohärentes und tolerables Lebensmodell, es hat auch nichts mit “Verklemmtheit” zu tun, die Menschen, die sich nicht freiwillig in die jeweils geöffneten Schubladen stecken lassen, gerne vorgeworfen wird.

  4. Adrian 31. Januar 2010 um 17:01 #

    Ich versteh gar nicht, wo die Schwierigkeit bei den Begriffen liegt.

    (1) Homosexuell ist, wer als Mann ausschließlich oder überwiegend auf Männer steht, und sich nur mit ihnen eine emotional-sexuelle Beziehung vorstellen kann. Dabei würde ich gar nicht diesen sperrigen Begriff der “Identität” verwenden. Man empfindet eben homosexuell, oder nicht.

    (2) Homosexuell betätigt man sich, wenn man Sex mit Männern hat.

    “Schließlich gibt es grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, wenn Männer Sex mit Männern haben, obwohl sie keine homosexuelle Identität haben”

    Grundsätzlich nicht, aber was bedeutet das denn? Bedeutet es, diese Männer vögeln mit Männern, verlieben sich aber ausschließlich in Frauen? Oder sind sie tatsächlich zu “verklemmt” oder ängstlich, um sich auf einen Mann, nicht nur sexuell, einzulassen?

    “die sich nicht freiwillig in die jeweils geöffneten Schubladen stecken lassen”

    Das mag richtig sein, aber es tut der Liberalität auch keinen Abbruch, sich einzugestehen, dass es Schubladen nun mal sehr wohl gibt. Es gibt nun mal Männer, die sich zu Frauen hingezogen fühlen, so wie es Männer gibt, die sich zu Männern hingezogen fühlen.

    Das Problem der “Schublade” Homosexualität ist doch – wenn überhaupt – jenes, dass dieser Begriff eben aufgeladen wird mit Zuschreibungen, die mit der eigentlichen Definition (emotional-sexuelles Begehren des gleichen Geschlechts) nichts mehr zu tun haben.

  5. martin 31. Januar 2010 um 18:16 #

    Homosexualität ist also als emotional-sexuelles Begehren des gleichen Geschlechts zu definieren. Schön und gut, damit bin ich ja ganz einverstanden. Aber was bedeutet das?
    In Deiner Definition (1) heißt es nicht umsonst “ausschließlich oder überwiegend”: Kaum jemand wird bestreiten, dass es einen Bereich des Mehr-oder-Weniger gibt. Die Vorstellung, es gäbe einen Punkt, bis zu dem man ausschließlich homosexuell ist, und auf der anderen Seite ist man dann plötzlich nur noch hetero, erscheint ja auch absurd. Die sexuelle Orientierung ist wohl mehr so etwas wie ein aus verschiedenen biologischen, kulturellen, sozialen usw. Quellen gespeistes Potential, mit einem Partner des eigenen oder anderen Geschlechts eine emotional-sexuelle Beziehung eingehen zu können. Zweifelhaft ist allerdings, inwieweit dieses Potential dem Einzelnen kognitiv zugänglich ist. Mit anderen Worten: Man kann es mehr oder weniger verkennen, man kann es durch Konstruktionen überlagern, man kann es verdrängen, unterdrücken usw. – und zwar keineswegs nur in der Weise der Zwangsheterosexualität. Banal ist z.B. der Fall, dass man einfach in eine bestimmte Person derart verliebt ist, dass man “keine Augen mehr” hat für andere Männer oder Frauen – an diesem Punkt wäre es m.E. schwierig sich die Frage zu beantworten, ob man sich “nur mit Männern” eine emotional-sexuelle Beziehung vorstellen kann. Ein anderes Beispiel ist die Wechselwirkung zwischen der eigenen sexuellen Praxis und der eigenen sexuellen Identität: Wer sich mit dem Begriff “Homosexualität” identifiziert, vielleicht viele schwule oder lesbische Freunde, ausschließlich schwule oder lesbische Partner hat etc., der wird irgendwann nicht mehr wahrnehmen, dass er nur “überwiegend” und nicht “ausschließlich” auf Männer steht. Das ist kein Schaden, aber es verdeutlicht doch, dass die eigene Identität und das eigene Verhalten die sexuelle Orientierung überformen kann.
    Wenn eine Umfrage jeden Einzelnen danach fragt, ob er homo- oder heterosexuell ist, so zwingt sie ihn in ein binäres Schema. Die simple Tatsache, dass es Schubladen gibt (und Schubladen sind letztlich als Denknotwendigkeiten ja auch berechtigt), bedeutet eben nicht, dass diese Schubladen den Phänomenen immer gerecht werden. Im Gegenteil arbeiten sich ja nicht umsonst so viele Menschen an Schubladen ab, in denen sie sich nicht wohl fühlen. Natürlich wird das mit der Schublade “Homosexualität” noch dadurch verkompliziert, insofern sie mit allen möglichen Einstellungen und Konnotationen angefüllt ist. Aber auch wenn man davon absieht, wird der Begriff nicht unproblematisch.
    In jedem Fall erzwingt der Begriff der “Homosexualität”, so wie Du ihn bestimmst, so etwas wie ein Bekenntnis, wenn man danach gefragt wird. Er rundet “überwiegend” stets zu “ausschließlich” auf, und natürlich hat er sehr viel damit zu tun, wie man sich selbst siehst. Du willst zwar den Begriff “Identiät” vermeiden, verwendest aber Worte wie “empfinden”, “sich vorstellen”, “hingezogen fühlen”: ob das die Sache weniger sperrig macht, weiß ich nicht, aber sie bleibt trotzdem rundheraus subjektiv. Ein objektives Kriterium für Homosexualität in dem Sinne, dass man von außen zweifelsfrei feststellen kann, ob jemand schwul oder lesbisch ist oder nicht, gibt es nicht. Deswegen kann man nicht pauschal beurteilen, was in Männern vorgeht, die zwar mit Männern Sex haben, aber trotzdem nicht homosexuell “sind”. Mehr noch kann man sich jedoch scheinbar auch subjektiv darüber täuschen. Mir geht die verbreitete schwul-lesbische Selbstbefreiungsmythologie ein wenig gegen den Strich, die so tut, als ob man nur ein wenig unter der Oberfläche schürfen müsse, um auf die “wahre” sexuelle Orientierung zu stoßen. Nicht nur, dass diese Mythologie meist nur bei den Heteros gräbt, es aber bei sich selbst unterlässt (sonst könnte man ja unter der oberfläche der eigenen Konstruktionen auf noch verborgenere Schichten stoßen) – ich glaube vor allem nicht, dass es so etwas wie eine “wahre” sexuelle Orientierung überhaupt gibt. Ich finde, es ist schon eine ganze Menge, wenn man so zu leben versucht, dass man mit sich selbst im Reinen ist, dass man nicht unter dem Druck irgendwelcher Konventionen leiden muss. Warum sollte man darüber hinaus noch eine neue Wahrheit an Stelle der alten Wahrheit installieren? Man braucht den Begriff “Homosexualität” nicht aufzugeben, doch sollte man aufhören, ihm eine Substanz zuzumessen, die er nicht hat.
    Um aber einmal wieder auf das Thema zurückzukommen: Wieviele “wir” nun “wirklich” “sind”, das wird man letztendlich nicht feststellen können. Bestenfalls können wir die Zahl derer schätzen, die sich irgendwie so ähnlich wie wir verhalten, was ihre regelmäßigen emotional-sexuellen Bindungen angeht.

  6. Adrian 31. Januar 2010 um 19:35 #

    “Kaum jemand wird bestreiten, dass es einen Bereich des Mehr-oder-Weniger gibt.”

    Nein, aber ich halte dieses “Mehr oder weniger” für relativ irrelevant, ganz einfach deshalb, weil der Wunsch von Homosexuellen nach einer gleichgeschlechtlichen Beziehung (wie auch immer diese en detail aussieht), offensichtlich die “Möglichkeit” einer gegengeschlechtlichen Beziehung so stark überlagert, dass man sich das Coming-Out antut, und bereit ist, sich in den sozialen Minderheitenstatus zu begeben, bzw. wenn man dies nicht tut, ein ziemlich leidvolles Leben führt, wie zahlreiche Quellen der Ex-Gay-Bewegung belegen.

    “Du willst zwar den Begriff “Identiät” vermeiden, verwendest aber Worte wie “empfinden”, “sich vorstellen”, “hingezogen fühlen”: ob das die Sache weniger sperrig macht, weiß ich nicht, aber sie bleibt trotzdem rundheraus subjektiv.”

    Natürlich sind Empfindungen subjektiv, aber wenn mehrere Menschen sich subjektiv mehr zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen, kann man doch ohne Probleme eine Schublade aufmachen, die dieses Hinzugezogensein definiert.

    “Ein objektives Kriterium für Homosexualität in dem Sinne, dass man von außen zweifelsfrei feststellen kann, ob jemand schwul oder lesbisch ist oder nicht, gibt es nicht.”

    Nein, aber andererseits wird man von außen auch nie zweifelsfrei feststellen, ob jemand nun Eis wirklich mag, oder doch eher auf Spinat steht. Aber es gibt doch recht starke und überzeugende Anzeichen und Indizien für das eine oder andere.

    “Deswegen kann man nicht pauschal beurteilen, was in Männern vorgeht, die zwar mit Männern Sex haben, aber trotzdem nicht homosexuell “sind”.”

    Nein, aber die Indizien sind ausreichend, sie als mindestens “nicht heterosexuell” zu bezeichnen.

    “ich glaube vor allem nicht, dass es so etwas wie eine “wahre” sexuelle Orientierung überhaupt gibt.”

    Das kommt darauf an, wie man “wahr” definiert.

    “Man braucht den Begriff “Homosexualität” nicht aufzugeben, doch sollte man aufhören, ihm eine Substanz zuzumessen, die er nicht hat.”

    Das tue ich ja auch nicht; “meine” Definition ist ja recht klar und trocken, ohne viel Glitter und Glamour drumherum.

    “Bestenfalls können wir die Zahl derer schätzen, die sich irgendwie so ähnlich wie wir verhalten, was ihre regelmäßigen emotional-sexuellen Bindungen angeht.”

    Eben die Zahl der Homosexuellen… ;-)

  7. martin 1. Februar 2010 um 14:06 #

    Lieber Adrian, Du bist ein unverbesserlicher Haarspalter. Das will ich ausdrücklich betonen, denn ich weigere mich, selbst diesen Schuh anzuziehen :-)
    Übrigens mag ich Spinat und Eis, allerdings nicht gleichzeitig.

  8. Adrian 1. Februar 2010 um 15:10 #

    “Lieber Adrian, Du bist ein unverbesserlicher Haarspalter.”

    Heißt das, meine Argumente sind so gut, dass man darauf nichts mehr erwiedern kann ;-)

  9. martin 1. Februar 2010 um 17:34 #

    Du spaltest eben Menschen wie Haare, und zwar der Länge nach: in Homos und Heten. Glück, wem dabei keine zu Scheibe abgeschnitten wird :-)

    Wenn Du Männer, die mit Männern Sex haben, per Indiz als “nicht heterosexuell” bezeichnest, dann widersprichst Du Deiner eigenen Begriffsdefinition: Solche Männer betätigen sich zwar im Sinne von Definition (2) homosexuell, aber sie gehen nicht notwendigerweise “vorwiegend oder ausschließlich” emotional-sexuelle Beziehungen mit Männern ein. Vielmehr gehen sie möglicherweise überhaupt keine emotional-sexuellen Beziehungen mit Männern ein. Außerdem legt Deine Definition nahe, dass Nicht-Heterosexuelle schon rein begriffslogisch Homosexuelle sind. Oder gibt es einen dritten Bereich? Vielleicht diejenigen, welche weder “vorwiegend”, noch “ausschließlich” mit Männern oder Frauen verkehren? Bei denen es sich genau in der Mitte teilt, oder die asexuell sind, oder im Zölibat leben (wie schon Victor Hugo sagte: „Ni homme, ni femme, prêtre“)?
    Nun, Deine Definition ist vermutlich so klar, wie Klarheit in diesen Dingen nur zu erreichen ist. Es gibt eben keinen Homo-Lackmustest mit blauer (oder rosafarbener) Verfärbung. Es gibt ja auch kein exaktes Kriterium, anhand dessen die Vorliebe für Spinat oder Eis festzustellen ist – man kann eben nun nachfragen. Allerdings ist die sexuelle Orientierung in unserer Gesellschaft eine Frage, die weit mehr als die nach Spinat oder Eis unsere Identität bestimmt – man kommt hier nicht um diesen sperrigen Begriff herum, weil unsere Lebensgestaltung Einfluss nimmt auf unsere sexuelle Orientierung. Was ich damit sagen will: Wer sich gewissermaßen für eine Seite entscheidet, der zieht damit Grenzen, die zu überschreiten später jedenfalls nicht leichter wird.
    Dass Schwule und Lesben eine Minderheit bilden scheint eine mehr oder minder “natürliche” Tatsache zu sein. Ich glaube aber nicht (und hoffe es nicht), dass Leid und Diskriminierung eine notwendige Folge dessen sind. “Diskriminierung” ist dabei das entscheidende Stichwort: es geht um Unterscheidungen – und auch das Coming-out unterscheidet, es folgt aus Diskriminierung und produziert wiederum Diskriminierung. Die Frage ist aber doch, warum überhaupt und bis zu welchem Punkt es notwendig ist, zu unterscheiden. Natürlich kann man “Homosexualität” und “Heterosexualität” als rein statistische Größen behandeln – aber wer tut das? In Wahrheit sind es Begriffe, die mit jeder Menge Glitter und Glamour behängt sind. Es wäre artifiziell, das zu verleugnen. Woher kommt denn sonst der Widerstand gegen einen so uncharismatischen Begriff wie “Männer, die Sex mit Männern haben”?

  10. Adrian 1. Februar 2010 um 17:53 #

    “Oder gibt es einen dritten Bereich?”

    Natürlich.

    “Es gibt ja auch kein exaktes Kriterium, anhand dessen die Vorliebe für Spinat oder Eis festzustellen ist – man kann eben nun nachfragen.”

    Nö. Man kann auch beobachten. Es ist ziemlich leicht festzustellen, wer auf wen oder was abfährt, wenn man Menschen nur beobachtet.

    “Wer sich gewissermaßen für eine Seite entscheidet, der zieht damit Grenzen, die zu überschreiten später jedenfalls nicht leichter wird.”

    Wieso? Wenn ich sage, ich stehe auf Männer und nicht auf Frauen, und mich somit für Homosexualität “entscheide”, wieso ziehe ich dann eine Grenze? Wenn ich sage, ich mag eben Eis und Spinat nicht, dann impliziert das doch nicht, dass ich irgendwann eben nicht eher Spinat als Eis mögen könnte, oder gar beides.
    Und wieso ist es überhaupt problematisch, Grenzen zu ziehen?

    “Dass Schwule und Lesben eine Minderheit bilden scheint eine mehr oder minder “natürliche” Tatsache zu sein.”

    Nun, das ist sie auch.

    “Ich glaube aber nicht (und hoffe es nicht), dass Leid und Diskriminierung eine notwendige Folge dessen sind.”

    Womit Du Recht hättest.

    “Die Frage ist aber doch, warum überhaupt und bis zu welchem Punkt es notwendig ist, zu unterscheiden.”

    Weil man ansonsten u. a. an Männer geraten könnte, die auf Frauen stehen, und jeder Versuch bei denen zu landen, nur unnötig Kraft und Nerven kostet.

    “Woher kommt denn sonst der Widerstand gegen einen so uncharismatischen Begriff wie “Männer, die Sex mit Männern haben”?”

    Keine Ahnung. Ich finde diesen Begriff deshalb doof, weil man auch nicht von Männern spricht, die Sex mit Frauen haben. Was soll denn das? Wer Sex mit Männern hat, ist vielleicht nicht homosexueell, aber agiert so. Ein Mann der Sex mit Männern hat, hat nun mal homosexuellen, sprich: gleichgeschlechtlichen Sex.

  11. Troyjan 13. Februar 2011 um 10:21 #

    Wie schön dass der Mensch die diskussion erfunden hat sonst wäre ihm total langweilig geworden.

    Ich bin Bi Sexuell stehe auf Frauen und Männer und somit ist es nicht so einfach, zu erkennen wer mir gerade gefällt das sieht man gleich kann im nächsten aber schon wieder ganz anders sein. :-) Aslo bekommt man beim beobachten von mir nur eine momentane aufnahme. Ist das Leben nicht schön.

  12. Maik 20. November 2011 um 20:08 #

    @Adrian

    Ja es gibt Männer die mehr Spaß haben mit Männern als mit Frauen. Weil das eben so ist. Deswegen bezeichne ich mich nicht al sHOmo oder Schwul oder sonst was.
    Die “schwule subkultur” ist doch ein witz in sich. subkultur das ich nicht lache.
    Bevor ich mich mit solchen in eine schublade stekcen lasse,geh ich lieber freiwillig ins exil.

  13. Adrian 21. November 2011 um 11:24 #

    @ MAik
    Ob Du Dich nun selbst so bezeichnest oder nicht ist auch relativ egal. Wenn Du mehr auf Männer stehst, bist Du schwul oder zumindest bi. Das abzustreiten ist ziemlich sinnfrei.

  14. Christian 21. November 2011 um 15:09 #

    @Maik
    Genauso wie du dir nicht aussuchen kannst auf welches Geschlecht oder Kombination du nunmal stehst, kannst du dir nicht aussuchen in welchen Topf dich andere werfen sobald sie das rausfinden.

    Wenn du deine Eier wiedergefunden hast kannst du ja mal klar Position beziehen und die Meinung deines Umfelds über Schwule ändern statt dich durch erfundene Feindbilder wie “die Schwule Szene” abzugrenzen.

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  1. Gruß, Kuss und Schluss (9) bei someabout.net | Ein queer Blog über Gesellschaft, Sexualität und Lifestyle – von Jungs für alle. - 1. Februar 2010

    [...] Wieviele sind wir eigentlich? – Homosexualität und die nackte Zahl Ja, das ist eine berechtigte Frage: Wieviele Schwule und Lesben gibt es denn nun? [...]

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