Eine Frau sieht rot

17 Jun

Bettina Böttinger ist Journalistin. In ihrem beruflichen Leben hat sie viel erreicht. Doch manche Menschen tun sich schwer damit, mit der eigenen Leistung zufrieden zu sein. Mehr Freude scheint es ihnen zu machen, über phantasierte Probleme zu klagen. So auch Frau Böttinger…

Ein Interview mit ihr im Berliner Tagesspiegel wird folgendermaßen eingeleitet:

Kommenden Donnerstag bekommt sie für ihr Engagement in Frauenfragen den Bundesverdienstorden, zwei Tage später ist in Berlin Christopher Street Day.

Diese Einleitung ist Programm, Böttingers feministisches Programm. Zum CSD teilt sie daher mit:

Mir persönlich gehen die Teilnehmer auf die Nerven, denen es nur auf das schrillste Kostüm und den Spaß ankommt.

Dabei gehe es doch um Selbstbewußtsein. Warum sich das allerdings mit schrillen Kostümen und – vor allem! – Spaß nicht vertragen soll, das verrät uns Frau B. nicht. Selbstbewußtsein in Frauenfragen äußert sich bei Frau B. in schlecht feministischer Art u.a. darin, Männern vorzuwerfen, sie würden noch bei der staatlichen Verfolgung bevorzugt. Mit dieser Argumentation, über die wir zuletzt vor wenigen Tagen bei GayWest schrieben, antwortet Böttinger auf die Frage, ob der § 175, der bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts männliche Homosexualität in Deutschland bestrafte, ihr Leben beeinflusst habe:

Nein, überhaupt nicht. Das Gesetz bezog sich ausschließlich auf männliche Homosexualität. Frauen kamen da nicht vor.

Wenn man jetzt noch denkt, Glück gehabt, da werden sich die Lesben aber gefreut haben, wird man sogleich eines Besseren belehrt:

Der Gesamtbereich der Homosexualität wird sowieso viel zu häufig von Männern dominiert.

Das wäre doch mal eine Kampagne. Lesben, die fordern, bei der Verfolgung männlicher Homosexualität nicht länger außen vor zu bleiben. Gleiches (Un-)Recht für alle!

Frau Böttinger ist des weiteren ganz postmodern der Ansicht, Frauen seien nicht nur aufgrund ihrer Gene lesbisch, sondern würden es auch aufgrund der Ablehnung klassischer Geschlechtsrollen:

Ich bin mir übrigens auch sicher, dass in vielen Bereichen Frauen, die beruflich erfolgreich sind, Frauenbeziehungen leben. Das hat nicht nur mit der sogenannten Veranlagung zu tun, sondern auch damit, dass selbst bestimmte Frauen irgendwann keine Lust mehr haben, sich zu Hause in ein klassisches Mann-Frau-Schema zu fügen.

Merke: Frauen, die Lust haben, sich zu Hause in ein klassisches Mann-Frau-Schema zu fügen, sind eines ganz bestimmt nicht: selbstbestimmt. Fragen Sie Frau Böttinger. Die weiß es. So sieht Selbstbestimmung auf feministisch aus, die einen nehmen sich die Definitionsmacht, die anderen werden definiert. Sollte eine von denen es wagen, ihren feministischen Schwestern zu widersprechen, ist sie vermutlich Agentin des Patriarchats.

Angesprochen auf Annette Schavan, deren Kandidatur um den Posten der baden-württembergischen Ministerpräsidentin mit dem Gerücht, sie sie lesbisch, diskreditiert worden sei, weiß Frau Böttinger über den kleinen Unterschied zu vermelden:

Bei Männern lässt man Homosexualität eher durchgehen. Wenn Frauen jedoch mit ihrer Lebensweise Männer für verzichtbar erklären, dann machen sie sich bei Männern nicht gerade beliebt.

Vielleicht liegt der kleine Unterschied auch ganz woanders? Ich für meinen Teil bin jedenfalls noch nie auf die Idee gekommen, mit meiner Lebensweise Frauen für verzichtbar zu erklären. Täte ich es, wunderte es mich nicht, machte ich mich damit bei Frauen unbeliebt. Aber das mache ich mich bei Frauen wie Böttinger sowieso qua Geschlecht, schließlich gab es 1982 keine ästhetisch akzeptablen Lesbenfilme

wie zum Beispiel „Brokeback Mountain“ für die Schwulen

wobei der nach meiner Erinnerung in Deutschland im Jahre 2006 in die Kinos kam, aber das ist jetzt wahrscheinlich patriarchale Geschichtsfälschung. Und bevor man Frau Böttinger fragen könnte, warum denn Frauen – offenbar bis heute – keine ästhetisch akzeptablen Lesbenfilme drehen, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Sie waren – natürlich – mit Kaffee kochen beschäftigt

auch bei den Schwulen.

Wozu sie sicher mit vorgehaltener Waffe gezwungen wurden. Und auch heute noch müssen Frauen vom Schlag Bettina Böttingers patriarchale Angriffe in einem Ausmaß erdulden, das man nur noch als eklatante Menschenrechtsverletzung bezeichnen kann. Als Beispiel nennt sie eine Veranstaltung des Völklinger Kreises, bei der ein schwuler Politiker zu ihr gesagt habe:

Eines könnt ihr Frauen sowieso nicht ändern – wir haben nun einmal das bessere Bindegewebe.

Darüber hinaus haben Männer offenbar auch den besseren Humor. Denn Frau Böttinger schließt aus diesem Scherz, manche Männer glaubten, sie hätten die Homosexualität für sich gepachtet.

2 Antworten zu “Eine Frau sieht rot”

  1. Dirk Ludigs 17. Juni 2007 um 12:11 #

    „Das wäre doch mal eine Kampagne. Lesben, die fordern, bei der Verfolgung männlicher Homosexualität nicht länger außen vor zu bleiben. Gleiches (Un-)Recht für alle!“

    Eine Kampagne, die es quasi längst gegeben hat, von Alice Schwarzer nämlich. Weswegen sich jetzt in der Berliner Betonstele im zweijährigen Abstand 2 Schwule und dann 2 Lesben küssen. Erst war es dem ganzen Gedenkestablishment jahrtelang nicht aufgefallen, dass die Frauenquote im Mahnmal nicht erfüllt war, dann mussten die Becks und Künasts schnell so tun, als hätten sie nur leider noch keine Zeit gehabt, es zu bemängeln. Die linksalternative Zwangsvereinigung von Schwulen und Lesben zu Schwullesben lässt eine gefühlte „Sonderbehandlung“ für Männer nicht zu. Schon gar nicht für Männer. Erst vergisst Mann die Frauen beim Vergasen und anschließend beim Gedenken – ein Rasso-Fascho-Sexist, wer da nicht Frauenverachtung in der Kontinuität des Dritten Reiches wittert!

  2. Peter 28. Juni 2007 um 23:56 #

    Das muss man sich mal bildlich vorstellen: Da ist eine Horde hirnfreier Faschos gerade dabei „Schwule zu klatschen“ und ein Lesbenpaar steht daneben und jammern lautstark darüber das sie immer unbeachtet bleiben und auch mal gerne halbtotgeprügelt werden möchten.

    Was soll man dazu noch sagen???

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