Von großen Schwänzen und männlicher Schönheit

19 Apr

Wann immer Adrian Zeit und Muße hat – und das geschieht noch relativ häufig, auch wenn er öfter so tut, als würde er in Arbeit versinken – geht er raus ins „Jrüne“, wie es der Berliner auf seine unnachahmlich treffende Weise zu sagen pflegt. Am Donnerstag war er im Berliner Tierpark, jenem oftmals unterschätzten östlichen Pendant des berühmten Zoos im Westen. Tiere kann ich gut leiden, und so weit ich das einschätzen kann, beruht das auch auf Gegenseitigkeit.

Das Faszinierende an den Viechern liegt u. a. in ihrer absoluten Schamlosigkeit was sexuelle Dinge angeht, einer Schamlosigkeit allerdings, von der es gut ist, dass sie die Menschheit nicht hat. Wer einmal das Paarungsverhalten von Elefanten miterlebt hat, den schockt so leicht gar nichts mehr: Der kavernöse Penis dieser Tiere ist enorm, zweifach gebogen und von einer bizarren, geradezu surrealen Beweglichkeit, mit der es die Männchen grandios verstehen, sich selbst zu befriedigen, z.B. indem man das Teil am Bauch reibt. Genial!

Noch genialer sind allerdings die Kommentare der Besucher, die ein solches Schauspiel nicht einfach nur bestaunen können, sondern meinen, dabei ihre unmöglichen und absolut fehlgeleiteten Kommentare abgeben zu müssen. Ein junges Hetero-Pärchen – dem Aussehen und der verbalen Artikulationsfähigkeit zu urteilen aus den Plattenbauten von Hellersdorf oder Marzahn – unterhielt sich lautstark über die Anatomie des Elefantenbullen und die junge Frau kam natürlich nicht umhin, ihrem Macker klar zu machen, was für ein Weichei er doch sei, weil  er so ein Teil nicht in der Hose habe. Woraufhin dieser erwiderte, dass sich die Elefantenweibchen wenigstens nicht so zieren würden, wenn es darauf ankäme…

Ja, das sind schon interessante Gespräche, die einmal mehr beweisen, dass Mann und Frau nun wirklich nicht zusammenpassen – außer vielleicht bei Elefanten.

Beim Vergleich der Tiere fällt einem aber noch eine Tatsache auf, die in unserer auf weiblicher Sexualität fixierten Welt, häufig übersehen wird, jedoch faktisch unangreifbar ist: Männchen sind im Allgemeinen schöner, größer und überhaupt stattlicher als Weibchen. Das dies im Großen und Ganzen auch beim Menschen so ist, dürfte neutralen Beobachtern recht schnell klar sein, denn, wie bereits Esther Vilar schrieb:

Mit ihrem glatten, von der Arbeit trainierten Körper, ihren kräftigen Schultern, ihren muskulösen Beinen, ihren melodischen Stimmen, ihrem warmen, menschlichen Lachen, ihrem intelligenten Gesichtsausdruck und ihren ausgewogenen – weil sinnvollen – Bewegungen stellen [Männer] alles in den Schatten, was die Frau auch bei rein kreatürlicher Betrachtungsweise jemals sein könnte. (Esther Vilar, Der dressierte Mann, Seite 34)

Mag sein, dass der oberflächliche Blick heterosexueller Männer und lesbischer Frauen auf den natürlichen – d.h. unbekleideten – Körper der Frau, gewisse Emotionen des Entzückens auslöst. Und in der Tat sind Frauen durchaus schön: Wie Kirsten Dunst beispielsweise. Aber ihr fehlt dennoch etwas: die Sinnlichkeit und den“Luxus“ im Körperbau den sich nur ein Mann zu leisten vermag.

Möglich, dass das ein wenig übertrieben klingt, aber wenn dies den Anschein hat, sollte man meine Ausführungen einfach nur als Kontrastprogramm auf die Überhöhung weiblicher Reize sehen, die in unserer Kultur alltäglich gespielt wird und die auch von Frauen praktiziert wird. Es geschieht bspw. äußerst selten, dass eine Frau einen Mann als schön bezeichnet, selbst wenn er es ist. Ja es ist gar wahrscheinlicher, dass eine Frau sich vorteilhaft über das Äußere einer anderen Frau auslässt, als dieses Kompliment einem schönen Mann angedeihen zu lassen. Und dass Hetero-Männer sich nach ästhetischen Empfindungen beurteilen, darf man gleich gar nicht erwarten. Eigentlich doch merkwürdig.

Doch begeben wir uns zum Abschluss noch einmal in den Tierpark. Das schönste Motiv dort gaben nämlich zwei sehr hübsche und vollkommen miteinander harmonierende Männer her.

Et voilà:

Erpel

3 Antworten zu “Von großen Schwänzen und männlicher Schönheit”

  1. melodiensammler 19. April 2009 um 19:10 #

    Schönheit ist immer subjektiv. Auch wenn unsere Gesellschaft meist Normen vorgibt, gibt es letzlich keine objektive Schönheit. Ich zum Beispiel empfinde eine Löwin um einiges schöner als einen Löwen mit seiner Mähne, obwohl viele andere die männliche Variante vorziehen.

    Insofern empfinde ich dein Kontrastprogramm als etwas krass. Was wohl heißen muss, dass die Realität auch sehr krass ist. Nur habe ich das bisher nicht so bemerkt. Als Mann würde man doch ziemlich schlecht darstehen, wenn man beispielsweise nach einem Kinobesuch das Bond-Girl in hohen Tönen loben würde. Frauen hingegen sprechen viel häufiger über das Aussehen von Männern. Mir schweben da einige Erfahrungen bei DVD-Abenden vor, bei denen die weiblichen Zuschauer leicht hysterisch wurden, wenn ein Waschbrettbauch sich blicken lässt.

    Ich glaube aber gerade heterosexuelle fürchten sich etwas vor diesen männlichen Idealen, weil ihnen meist bewusst ist, dass sie diese selbst mit trainieren nicht erreichen können. Möglicherweise ist das der Grund, warum diese Ideale in der heutigen Gesellschaft im Schatten stehen. Ich mein in der Antike hat man noch sowohl weibliche als auch männliche Ideale sehr gerne zur Schau gestellt, wie man heute in einigen Museen bewundern kann.

    Jetzt wo das ach so schöne Patriarchat nur noch in den Köpfen einiger Feministinnen existiert und Frauen das Recht haben ihren Partner zu wählen (hatten sie zwar bestimmt viele auch vorher schon) hat der heterosexuelle Mann vor dieser Gleichberechtigung ein wenig Angst und verdammt daher herrschende männliche Ideale, nach welcher sich eine Frau möglicherweise richten würde.

    Ach ja, gruseliges Thema. Ich hör lieber auf zu schreiben ;-).

    Schöne Enten, übrigens.

  2. Adrian 19. April 2009 um 20:08 #

    Natürlich ist mein Kontrastprogramm etwas krass. Das war ja auch so beabsichtigt 😉 Nur: Als schwuler Mann empfinde ich andere Männer (zumeist) schöner -weil auch sexuell anziehender – als Frauen.

    Ich finde Löwenmänner übrigens meistens schöner.

    „Als Mann würde man doch ziemlich schlecht dastehen, wenn man beispielsweise nach einem Kinobesuch das Bond-Girl in hohen Tönen loben würde.“

    Vor wem schlecht dastehen… Vielleicht vor feministisch „sensibiliserten“ Frauen. Aber Hetero-Männer unter sich?

    „Frauen hingegen sprechen viel häufiger über das Aussehen von Männern.“

    Mehr als Hetero-Männer über Frauen? Das kann ich nicht bestätigen. Frauen sprechen gerne über andere Frauen, auch über Äußerlichkeiten.

    „Schöne Enten, übrigens.“

    Natürlich. Sind ja auch Männchen 😀

Trackbacks/Pingbacks

  1. Der Sonntagabend « Steven Milverton - 19. April 2009

    […] war im Zoo von großen Schwänzen und männlicher Schönheit ganz beeindruckt. Rainer ohne Headerbild ist immer noch ohne Headerbild; aber heute ist ja auch […]

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