Der schwule Beitrag zum Massenmord

20 Mrz

Es wird immer besser: Nachdem Schwule schon entlarvt wurden, für den Verfall der Familie und des Christentums verantwortlich zu sein, wurden sie nun angeklagt, das Massaker von Srebrenica, mitverschuldet zu haben. Warum?

Wie der amerikanische General John Sheehan, einem Untersuchungsausschuss des US-Senats mitteilte, hätten ihm niederländische Militärs anvertraut, der Umstand, dass die niederländische Armee, offen lebende Schwule in ihren Reihen dulde, habe zum Verfall der Truppenmoral geführt, und somit dazu beigetragen, dass die niederländischen Truppen die gezielte Tötung von Tausenden Menschen im Bosnienkrieg nicht verhindert hätten können.

Obwohl die Niederlande diesen Vorwurf offiziell als „kompletten Unsinn“ zurückwies, bleibt Sheehan bei seiner Einschätzung. Die Absicht des Ganzen ist dabei relativ klar: Offenbar versucht Sheehan, die derzeitigen Bemühungen amerikanischer Parlamentarier zu konterkarieren, den Militärbann für offen lebende Homosexuelle aufzuheben. Und um dies zu erreichen wird ganz einfach die alte Trickkiste aufgefahren, Homosexualität mit moralischen Verfall eins in eins zu setzen. Natürlich spielt dabei auch immer das Vorurteil mit hinein, Schwule seien nicht männlich genug, um andere Menschen zu schützen bzw. Gegner zu töten, das also, was der offizielle Auftrag einer Armee ist.

Unnötig zu erwähnen, dass diese Vorbehalte keinerlei Realitätsbezug haben, denn die meisten westlichen Staaten, darunter enge Verbündete der USA erlauben offen lebende Homosexuelle in ihren Streitkräften, darunter Kanada, Großbritannien, Australien, Frankreich, Isral und auch Deutschland. Und insbesondere die israelische Armee dürfte wohl kaum in den Verdacht fallen, dass die Anwesenheit Homosexueller in ihren Streitkräften die Effizienz ihrer Streitkräfte unterminiert; eine Tatsache, über die sich sowohl Freunde als auch Feinde des jüdischen Staates einig sein dürften.

Summa summarum bleibt vom Vorurteil des Verfalls der Truppenmoral durch Schwule in Streitkräften nichts übrig, als eben das Ressentiment gegen Homosexualität an sich, und das merkwürdige Gefühl, dass es offenbar Soldaten gibt, die so mutig und tapfer sind, dass sie sich schon beim Gedanken vor Angst in die Hose machen, mit Schwulen unter der Gemeinschaftsdusche stehen zu müssen. Andererseits weiß man ja, dass Schwule nun mal jeden Mann besteigen, der ihnen über den Weg läuft…

Und wenn wir noch ein Weilchen warten, wird uns irgendwann der nächste General berichten, Schwule seien für den Dienst in der Arrmee nicht geeignet, weil sie nachts in den Park gehen würden, um dort süße, kuschelige Eichörnchen zu quälen.

2 Antworten zu “Der schwule Beitrag zum Massenmord”

  1. martin 20. März 2010 um 19:36 #

    Eigentlich verbietet es sich, zu solchem Irrsinn noch etwas zu sagen.
    Aber es bleibt phantastisch: Hier ist es nicht einmal mehr nötig, sich auf höhere Mächte zu berufen, die z.B. von der in westlichen Gesellschaften angeblich grassierenden Homosexualität derart erzürnt sind, dass sie die Welt mit diversen Naturkatastrophen strafen. Nein, hier sind Schwule direkt verantwortlich dafür, dass etwas – wohlgemerkt – nicht getan wurde. Schuld am Massaker von Srebrenica sind nicht diejenigen, die es begangen haben, nicht irgendwelche Politiker, die eine niederländische Schutztruppe mit einem völlig unzureichenden Mandat ausgestattet haben, keine Kommandeure, die der Schutztruppe das Eingreifen untersagt haben, sondern ausgerechnet feige schwule Soldaten, die angeblich nichts getan haben.
    Welche Kandidaten kämen außerdem in Frage? Etwa weibliche Soldaten, Soldaten mit Migrationshintergrund, dunkelhäutige Soldaten, vielleicht jüdische Soldaten, oder katholische, oder atheistische, oder kommunistische?

  2. Martella 20. März 2010 um 22:00 #

    Schade, dass man zu diesem Thema die Herren Themistokles und Epameinondas nicht mehr um ein Interview bitten kann. 😉 Allerdings könnte man sich mit der Geschichte der Antike oder der japanischen Samurai-Kultur beschäftigen, das immunisiert auch ganz gut gegen die Theorien des Generals Sheehan.

    Enttäuscht bin ich allerdings vor allem von der niederländischen Regierung. Sich über so einen Krawalldeppen wie Sheehan ernsthaft zu empören,. ist doch Blödsinn. Eine ironische Antwort wäre doch viel effektiver gewesen.

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