Wenn keiner mit mir duschen will…

12 Jul

Kaum zu glauben, dass diese Worte von mir zu vernehmen sind, aber das amerikanische Militär scheint doch wirklich zu den merkwürdigsten Armeen der westlichen Welt zu gehören. Natürlich geht es, wieder mal, um die immer noch gültige „Don’t Ask, Don’t Tell“-Regelung. Diese soll zwar irgendwann aufgehoben werden, aber bevor es soweit ist, hat sich Verteidigungsminister Robert Gates entschlossen, doch erst einmal die Soldaten zu fragen, was sie denn so von Homos halten. Und das ganze klingt dann so:

Fühlen Sie sich bei dem Gedanken wohl, die Gemeinschaftsduschen mit Homosexuellen zu teilen? Oder ein Feldzelt, wenn Sie in den Krieg geschickt werden?

Die einzige richtige Antwort darauf kann eigentlich nur lauten: Während meiner gesamten Dienstzeit in der Armee habe ich schon oft mit Homosexuellen geduscht und habe auch schon mit so manchen ein Feldzelt geteilt.

Denn alleine diese Antwort stellt die Realität in den amerikanischen Streitkräften dar. Wozu also macht man sich die Mühe, die Soldaten nach ihren Befindlichkeiten abzufragen, und das auch noch in einer Art und Weise, als gäbe es nicht bereits Homosexuelle in der Armee?

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich während meiner Dienstzeit bei der Bundeswehr, nach meinen Befindlichkeiten gegenüber bestimmten Minderheiten befragt wurde, oder unter der Gemeinschaftsdusche reihenweise Männer vergewaltigt habe, worauf die Befürchtungen der Feiglinge in Uniform letzendlich wohl hinauslaufen. Und ein Feigling ist nun mal der, der sich vor Schwulen in einer Gemeinschaftsdusche fürchtet.

Doch, oh Wunder, dass Pentagon sieht Lösungsmöglichkeiten für die leidige Duschfrage. Der Pressesprecher des Pentagon

stellte zudem in Aussicht, dass es noch einiger Vorbereitung für die offizielle Öffnung der Armee für Homosexuelle bedürfe, wie Sensibilisierungsprogramme oder auch Umbauten im Sanitärbereich. Mit letztem meint das Pentagon wohl eigene Duschbereiche für Homosexuelle. Aber: „Sicher ist das nicht.“ Deswegen würde man derzeit auch die wissenschaftliche Erhebung durchführen, um Klarheit in diesen Punkten zu erhalten.

Hat man so was schon gehört? Eigene Duschbereiche für Homosexuelle! Man greift sich unwillkürlich an den Kopf über die fantastischen Szenarien, welche die Gedanken der amerikanischen Militärs offenbar beherrschen.

Wahrscheinlich haben sie einfach zu viele Schwulenpornos gesehen.

17 Antworten zu “Wenn keiner mit mir duschen will…”

  1. erges 12. Juli 2010 um 20:10 #

    Wenn Armeen nicht mehr kampffähig sind, weil sie Homos zulassen und damit Kriege undurchführbar werden, dann ist das Bestücken sämtlicher Armeen der Welt mit Homosexuellen das prioritärste aller Ziele!

    End The War! Smash The State!

  2. Adrian 12. Juli 2010 um 20:12 #

    Dumm nur, dass Homosexuelle keineswegs die Kampfkraft einer Armee schmälern.

  3. Elize N. B. 12. Juli 2010 um 21:10 #

    Adrian, weigerst du dich jetzt etwa deinen vorbestimmten Platz als historisch-homosexuelles Subjekt bei der subversiven Pazifizierung des Erdballs, durch die allseits bekannte schwule Kampfunfähigkeit einzunehmen?

    Da können aufgeklärte Linke doch nur den Kopf schütteln!

  4. blogterium 12. Juli 2010 um 23:13 #

    Es ist kein Zufall, dass gerade in Utah Online-Porno-Seiten am beliebtesten sind. Die religiöse Rechte in den USA ist geradezu sexbesessen. Dieser Affentanz um Schwule im Militär wie auch um die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben ist unglaublich. Eigentlich müssten die doch sehen, dass andere Länder auf der Welt sehr viel weiter sind. Aber religiöser Fundamentalismus und Verblödung durch Privatfernsehen – z.B. Fox News -haben ganze Arbeit geleistet. Und obwohl durch DADT viele, eigentlich dringend benötigte Spezialisten, wie z.B. Linguisten, ihren Job verlieren, glaube ich nicht mehr daran, dass es Obama noch schaffen wird, die Regelung endlich abzuschaffen.

  5. Quietscheente 13. Juli 2010 um 00:17 #

    „Umbauten im Sanitärbereich. Mit letztem meint das Pentagon wohl eigene Duschbereiche für Homosexuelle.“

    Könnte natürlich auch bedeuten, dass die Gemeinschaftsduschen durch jeweils separate 1-Mann-Nasszellen ersetzt werden sollen. Aber das wäre ja zu einfach und zu wenig skandalös, nicht wahr?

  6. Elize N. B. 13. Juli 2010 um 00:36 #

    @Blogterium: Na dann haben wir ja die Schuldigen: Die religiösen Fundis und FOX News.

    Hmm aber irgendwie stammt DADT von 1993 als Bill Clinton Präsident war und die Demokraten die Mehrheit in beiden Kongresskammern hatten. Ich halte die Demokraten und insbesondere Clinton, der der lebende Beweis dafür ist, dass sexuelle Besessenheit wohl keine Frömmelei braucht, ehrlich gesagt nicht für die erste Wahl der religiösen Fundis in den USA. Und FOX News für ein Gesetz verantwortlich zu machen, das von Demokraten auf den Weg gebracht und abgesegnet wurde, 3 jahre bevor der Sender überhaupt auf Sendung ging, ist vielleicht auch leicht daneben. Ich frage mich auch, ob du tatsächlich glaubst, dass das Wochenendprogramm des ZDF intelligenter mache oder wenigstens weniger blöd als das böse, verblödende „Privatfernsehen“.

    Eigentlich besteht dein Beitrag nur aus ressentimentgeladenem Feindbildbashing. Typisch europäisch, typisch anti-amerikanisch.

  7. blogterium 13. Juli 2010 um 11:31 #

    @Elize Das DADT aus der Clinton-Zeit stammt, weiß ich auch. Das ändert aber nichts daran, das die religiösen Fundamentalisten in den USA in den letzten Jahren immer stärkeren Einfluss gewonnen haben und derzeit einen regelrechten Kulturkampf gegen Schwule und Lesben führen. Ich mache religiöse Fundamentalisten nicht für das Gesetz verantwortlich. Aber religiösen Fundamentalisten und rechtskonservative Hetzsender wie Fox-News sind für eine Stimmung in den USA verantwortlich, die eine Abschaffung solcher Gesetze sehr schwierig bis unmöglich machen. Diese Einschätzung hat nichts mit Ressentiments zu tun. Ich habe einige Freunde und Verwandte in den USA und war oft genug da, um zu wissen, wovon ich spreche. Verfolge doch einmal die Blogs Joe.My.God oder AmeriNZ. Oder sind diese, von Amerikanern geschriebenen Blogs auch typisch anti-amerikanisches europäisches Feidbashing? Darüber hinaus glaube ich auch nicht, dass sich die deutsche und amerikanische Medienlandschaft vergleichen lassen. Im Gegensatz zu den USA haben wir noch eine einigermaßen funktionierende Presse und rechte Hetzsender wie Fox News sind uns zum Glück bisher erspart geblieben.

  8. Adrian 13. Juli 2010 um 16:31 #

    @ blogterium
    „Das ändert aber nichts daran, das die religiösen Fundamentalisten in den USA in den letzten Jahren immer stärkeren Einfluss gewonnen haben und derzeit einen regelrechten Kulturkampf gegen Schwule und Lesben führen. “

    Das würde ich nicht so sehen. Der religiöse Fundamentalismus in den Staaten ist meines Erachtens (wieder) auf dem Rückzug. Es gab in den 90ern und Anfang der Nullerjahre wesentlich schwierigere Zeiten.
    Die Gleichberechtigung Homosexueller in den Staaten steht auf einer soliden Basis.

    „Aber religiösen Fundamentalisten und rechtskonservative Hetzsender wie Fox-News sind für eine Stimmung in den USA verantwortlich, die eine Abschaffung solcher Gesetze sehr schwierig bis unmöglich machen.“

    Nein, das sind sie nicht. Eine Mehrheit der Amerikaner befürwortet eine Aufhebung von DADT.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Don%27t_ask,_don%27t_tell#Public_opinion

    Und die Zustimmung zur Ehe steigt zwar langsam, aber stetig.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Public_opinion_of_same-sex_marriage_in_the_United_States#Polls_in_2009

    Du schreibst Fox News einen Einfluss zu, den der Sender einfach nicht hat. Die amerikanische Medienlandschaft ist nun mal vielfältiger als die deutsche, so dass dort auch sehr konservative oder reaktionäre Meinungen Gehör finden können. Das bedeutet aber nicht, dass sie das Meinungsbild prägen

    „Im Gegensatz zu den USA haben wir noch eine einigermaßen funktionierende Presse“

    Es würde mich mal interessieren, was an der amerikanischen Presse nicht „funktioniert“ und inwiefern dagegen die deutsche „funktioniert“. Funktioniert die amerikanische Presse nicht, weil sie ab und an anderen Meinungen artikulieren, als Du sie hast?

    Ich halte, wie bereits angedeutet, die amerikanische Presse- und Medienlandschaft der deutschen für in jedem Fall überlegen. Das liegt schon an deren Struktur und Organisation und natürlich an der Mentalität der Amerikaner, die ein reiferes, liberales Verständnis von Meinungsfreiheit und Meinungsaustausch als die Deutschen haben.

  9. Elize N. B. 13. Juli 2010 um 17:19 #

    @Blogterium: Dass Leute sich tatsächlich erlauben eine Auffassung zur Homo-Ehe und zu DADT zu haben, die sich von deiner Unterscheidet, ist in deinen Augen also schon Hetze ja?

    Also ich hab viel Zeit in den Staaten verbracht und dabei u.a. auch hin und wieder FOX News gesehen. Es ist mir etwas zu flach, aber das gilt für MSNBC und CNN eben auch, aber gehetzt wird dort nicht mehr oder weniger als auf jedem anderen Sender im Westen.

    Dass man sich dann hierzulande FOX News herauspickt und dämonisiert, liegt einfach nur daran, dass der Sender eher Konservativ gedreht ist. Soetwas haben wir tatsächlich nicht in Deutschland, wo wir uns wie jede durchschnittliche Bananenrepublik, lieber vom Staatsfernsehen berieseln lassen.

    Aber andererseits scheint für dich der Ausschluß solcher Positionen aus der Medienlandschaft erst eine „funktionierende Presse“ zu konstituieren. Dass du diese Meinung mit vielen amerikanischen Linken teilst, die dies ebenso sehen und FOX News aus dem gleichen Wunsch nach gesinnungsverwandten Gleichschrittmedien dämonisieren, weiß ich auch ohne nachzulesen, danke!

  10. blogterium 13. Juli 2010 um 17:55 #

    @Adrian: Die meisten großen Amerikanischen Tageszeitungen haben seit einiger Zeit mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten und Auflagenschwund zu kämpfen. Die Situation ist zwar auch für viele Zeitungen in Europa aufgrund der Veränderungen durch das Internet nicht einfach, die Situation in den USA ist aber sehr viel schlimmer. San Francisco Chronicle, Boston Globe und Chicago Tribune standen meines wissens letztes Jahr kurz vor dem Aus. Newsweek geht es ebenfalls nicht gut.

    @Elize: Hierzulande kennt ja kaum einer Fox News. Ich beziehe mich hier auf Diskusionen in liberalen Medien und auf amerikanischen Blogs. Ausschnitte aus dem Fox-Programm finden sich z.B. auf YouTube zu hauf. Fox als „eher Konservativ“ zu bezeichnen ist eine starke Untertreibung und zeigt eine völlige Unkenntnis dessen, was dort passiert.
    Darüber hinaus finde ich sehr schade, dass Du nicht auf einer sachlichen Ebene diskutieren kannst. Anderen sofort eine antiamerikanische oder linke Gesinnung vorzuwerfen, zeigt nur, dass Dir offenbar vernünftige Argumente fehlen.

    Ich hoffe Ihr habt Recht und die religiösen Fanatiker sind tatsächlich auf dem Rückzug. Viele Amerikaner die ich kenne, erleben und berichten leider das Gegenteil.

  11. Adrian 13. Juli 2010 um 18:04 #

    „Die meisten großen Amerikanischen Tageszeitungen haben seit einiger Zeit mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten und Auflagenschwund zu kämpfen.“

    Und was beweist das?

    „San Francisco Chronicle, Boston Globe und Chicago Tribune standen meines wissens letztes Jahr kurz vor dem Aus.“

    Was den Chronicle angeht, könnte das daran liegen, dass der den Bewohner der Bay Area mittlerweile zu rechts ist 😉

    „Ich hoffe Ihr habt Recht und die religiösen Fanatiker sind tatsächlich auf dem Rückzug. Viele Amerikaner die ich kenne, erleben und berichten leider das Gegenteil.“

    Tja, das kommt halt immer darauf an, mit wem man spricht und wo man sich aufhält. Für die Einwohner San Franciscos dürfte der Rest der USA wie ein präfaschistisches, fundamentalistisches Hinterwäldlerland aussehen. Von Mississippi ausgesehen, ist der Rest der USA dagegen eher kommunistisch.

  12. Elize N. B. 13. Juli 2010 um 18:38 #

    Mal ehrlich für jemanden, der Leute anderer Gesinnung gleich als „rechtskonservative Hetzer“ und „religiöse Fundamentalisten“ bezeichnet bist du verdammt empfindlich, wenn man dir gegenüber mal deutliche Töne anschlägt.

    Und ich dachte Gesinnung wäre genau das worüber du hier sprechen wolltest oder glaubst du tatsächlich, dass dein Standpunkt bei der Bewertung anderer Standpunkte, wie oben zu lesen, überhaupt keine Rolle spielt, dich nicht am Ende vielleicht befangen macht? Vielleicht solltest DU das nächste mal ja zögern, bevor du jemanden der gegen Homo-Ehe und gegen DADT-Repeal ist gleich einen Hetzer nennst? Oder fehlen dir da etwa die Argumente?

    Mir Unkenntnis zu unterstellen, wenn ich dir sage, dass ich FOX News selbst gesehen habe, inklusive der Commentary-Shows von O’Reilly, Sean Hannity und Glenn Beck und dann auf Medienwirksam aus dem Zusammenhang gerissene Schnippsel auf Youtube zu verweisen, ist jawohl komplett lächerlich. Gut dann sagen wir sie sind deutlich konservativ, statt eher konservativ, so what?

  13. Tomer 15. Juli 2010 um 00:05 #

    „Umbauten im Sanitärbereich“
    Vielleicht war das auch nur gut gemeint? Es könnte ja sein, dass man beim US-Militär bloß denkt, alle homosexuellen Männer würden im Sitzen pinkeln? Und dann möchte man eben einfach einen Dauerstau wie vor den Damentoiletten vermeiden?
    Also wir wäre es mit einer Gegenkampagne: Zumindest Schwule sind auch nur ganz normale Männer!? 😉

  14. Ralf 15. Juli 2010 um 03:08 #

    Seltsam – einerseits verteidigt Adrian mit Zähnen und Klauen das vermeintliche Recht, nicht mit Schwulen und Lesben am Nachbartisch essen und trinken zu müssen, andererseits regt er sich auf, wenn es um das vermeintliche Recht geht, nicht mit Schwulen im selben Raum duschen zu müssen.

    • Adrian 15. Juli 2010 um 09:42 #

      @ Ralf
      Und wo ist da der Widerspruch?

  15. Ralf 15. Juli 2010 um 21:00 #

    Adrian, Du weißt vielleicht, wie sehr ich Dich und Deine Seite schätze. Aber wenn’s um Diskriminierung geht, hakt bei Dir was aus.

    • Damien 15. Juli 2010 um 22:13 #

      @Ralf
      Was heißt hier „Deine Seite“? Diese Seite wird von zwei Leuten betrieben. Wenn das mal keine Diskriminierung ist. 😉
      Den Widerspruch sehe ich auch nicht. Bei dem Duschproblem geht es darum, dass der Staat keine Diskriminierung vorzunehmen hat, die nicht vernünftig begründbar ist (vernünftige Diskriminierung wäre z.B. Pädophile nicht als Kindergärtner einzustellen) und ein Staatsbürger, der sein Land verteidigen will, keine Alternative hat, wenn er vom Dienst an der Waffe ausgeschlossen wird – außer er wechselt die Staatsangehörigkeit. Was das „Connection“ angeht, gibt es durchaus alternative Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten. Und jedem steht es frei, zum Boykott des Ladens aufzurufen. Einen derartigen Aufruf würde ich hier vermutlich sogar posten, solange er nicht nach Vater Staat ruft und allzublöd argumentiert.

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