Hausaufgaben für Heteros

18 Sept

Stellen Sie sich vor, Sie haben an einem kalten Septembertag – ekelhaft kalt, wo bleibt nur die globale Erwärmung? – nichts Besseres zu tun, als sich in einem Schweizer Musikforum über die neuesten Nachrichten aus der eidgenössischen Musikszene zu informieren. Stellen Sie sich nun weiterhin vor, Sie stolpern in eben diesem Musikforum über den Thread „Homosexualität in unserer Gesellschaft“. „Hey, interessant“, denken Sie sich, „Homosexuelle sind doch auch Teil dieser Gesellschaft. Mal sehen was da so geschrieben steht.“ Sie klicken also den Thread an, scrollen hinunter, lesen und mit jedem aufgesogenen Buchstaben entgleisen Ihnen die Gesichtszüge. Denn zwischen all den supertoleranten Meinungen, dass Schwule auch nur Menschen sind und auch Elton John und der bei Queen schwul sind, findet sich eine, die sagt, was endlich einmal gesagt werden muss. Wir alle kennen das Subjekt der nachfolgend aufgezeigten Meinung natürlich. Es ist der unerschrockene Streiter für die Wahrheit, für Gerechtigkeit, die Moral und des Anstands. Jener also, der verhindern will, dass demnächst alle Heten von den Apologeten der homosexuellen Diktatur in die Psychiatrie eingewiesen werden, weil schwul sein demnächst ja Pflicht wird.

Sind Sie bereit?

Naja….vielleicht kannst du das als nicht heti nicht so nachvollziehen, aber es ist tatsächlich ein grosser Unterschied, ob ich als heti 2 knutschende Männer sehe, oder ob ich zwei knutschende Frauen sehe. Vielleicht hat das mit Gewohnheit zu tun, aber mich ekelts halt einfach an. Und das wird sich au nicht ändern, falls auf einmal alle homos in der Öffentlichkeit rummachen.

Damit wären schon mal die Parameter der Diskussion abgesteckt. Es geht also nicht primär um Homosexualität an und für sich sondern um Schwule. Denn während knutschende Frauen dazu geeignet sind, dem knospenden Pubertierenden feuchte Unterhöschen zu bescheren, sind knutschende Männer einfach nur „eklig“.

Tatsache ist, dass Mann und Frau eine Art Gegensatz sind. Schlüsser- und Schlüsselloch (primitiv gesagt). Tatsache ist auch, dass Frauen nur mit Männern Kinder kriegen können.

„Primitiv“ ist hierbei noch untertrieben. Denn was um alles in der Welt hat das mit Homosexualität zu tun?

Und es ist doch normal, Kinder zu kriegen. Somit ist es auch eine Tatsache, das Hetis „normal“ sind, während Homos anders gepeilt sind. Ich sage nicht, dass sie das nicht dürfen, aber es ist nunmal schlicht und einfach NICHT normal.

Irgendwie hat man es geahnt. Aus der Notwendigkeit der Heterosexualität zur Aufrechterhaltung des menschlichen Artbestandes wird indirekt eine Unnormalität der Homosexualität abgeleitet. Und zwar nicht dahingehend, dass man die Heterosexualität ganz sachlich zur Norm erklärt – was sie zahlenmäßig ist – sondern natürlich wertend. Denn Homos sind nun mal so ziemlich die einzigen, denen vorgeworfen wird, auf Grund ihres Minderheitenstatus nicht normal zu sein. Linkshänder bspw. bekommen eine solche Äußerung relativ selten an den Kopf geknallt.

Ich finde auch das Geschwätze der Homos doof, dass Schwule Liebe ganz normal ist. Wie jede andere….Das Gefühl vielleicht….aber moralisch ist es dies nicht…denn sonst wäre ja die grosse Mehrheit der Menschen homo oder bi…

Immer wieder überraschend und irgendwie auch amüsant, wie die Streiter der Heterosexualität versuchen, ihre Abneigung gegen Schwule rational zu begründen ohne zu bemerken, wie lächerlich ihre gesamte Argumentation ist. Die Mehrheit ist hetero, kolportieren sie, und weil die Mehrheit nun mal hetero und nicht homo ist, ist Heterosexualität moralisch und Homosexualität unmoralisch. Man kann sich leicht vorstellen, wie bei unserem Kommentator die Glühbirne über seinem Kopf anging, als er diesen Gedanken niederschrieb. Und wieder kann man nur feststellen: Bei keiner anderen Bevölkerungsgruppe würde jemand einen Zusammenhang zwischen Anzahl und Moral konstruieren.

Bitte versteht mich nicht falsch…ich kenne viele, die homo oder bi sind….hatte sogar ein paar sehr enge Freunde, die homo waren…alles total nette Menschen.

Ja, ja, total nett, supi gut drauf, immer freundlich, angenehm und wohlriechend, aber…

Aber wenn die vor mir rumknutschen, dann tschuderts mich halt (ich finds übrigens auch nicht besonders angenehm, wenn Hetis in der Öffentlichkeit heftig rumknutschen, aber bei homo-männern ists einfach viel schlimmer).

Die knutschenden Männer gehen unserem Kommentator augenscheinlich nicht aus dem Kopf. Man könnte schon beinahe von einer Besessenheit reden:

Ich toleriere homosexuelle – logo, sind ja auch nur Menschen….aber das heisst noch lange nicht, dass ich eine Freude habe, wenn ich zwei knutschende Typen sehe…ich finds zum kotzen, sorry…klar, für den Homo ist es wohl auch undenkbar, an Sex mit dem anderen Geschlecht zu denken. Aber die haben den Vorteil, dass sie schon in eine Welt geboren wurden, die nämlich vorwiegend Hetero ist…

Ich stelle mir gerade vor, wie ich mit dem jungen Herrn an einem Tisch sitze und mir diesen Sermon live anhöre. Während er redet, würde ich meinen Prosecco – was sonst? – langsam zum Mund führen, einen kleinen Schluck trinken, das Glas langsam wieder abstellen, die Augen dramatisch rollen und ihn schließlich mit einer eleganten Handbewegung zum Schweigen bringen. Und dann würde ich sagen:

„Ich habe keinerlei Ahnung wovon Du sprichst. Ich höre Dich reden, aber in meinen Ohren klingt es wie: ‚wäh, wäh, wäh‘. Hat irgendeiner von Dir verlangt, dass Du es toll finden musst, wenn sich zwei Typen knutschen. Verbietet Dir irgendeiner, Dich gepflegt auszukotzen, wenn es nicht gerade hier am Tisch ist? Was hast Du eigentlich für ein Problem, dass Du, wenn Du Schwulen gewahr wirst, sofort an Sex denken musst?“

Und noch was zu diesen Paraden. Die waren am Anfang wohl sinnvoll…Mittlerweile aber nur noch reine Alibi-Übungen. Ich habe jedes Jahr mehr das Gefühl, dass dort viele Leute nur noch mitmachen, weil sie gerne im Mittelpunkt stehen oder Leute provozieren…die sollten sich doch besser z.B. unter die Street Parade Besucher mischen…unters einfache Folk, ohne gross aufzufallen….so wie es alle anderen auch machen…warum müssen denn immer alle homos ihre Abneigung [?] an die grosse Glocke hängen??? Warum müssen sich überhaupt alle outen? Gegenüber jedem und jeder?? Ein Hetero muss sich ja auch nicht outen….sonst bin ich dafür, dass sich in Zukunft auch alle Drögeler, Hochleistungssportler, Hundeliebhaber, Handwerker auch jeweils outen. Wenn dich einer konkret fragt, ob du schwul bist, kannst du ja einfach sagen: „ja, klar. bin ich.“ aber nein…man muss sich outen, dass es die ganze Welt mitkriegt und alle Diskussionen wieder von vorne beginnen….

Ja, das sind wahrlich die großen Fragen unserer Zeit. Warum müssen sich die Homos denn alle outen, wenn es die Heteros doch auch nicht tun?

Die Antwort auf diese Frage überlasse ich allen heterosexuellen Lesern. Trauen Sie sich und teilen Sie uns Ihre Expertise mit.

3 Antworten zu “Hausaufgaben für Heteros”

  1. schorschi 18. September 2008 um 19:08 #

    Tja, der schlimmste Feind des schwulen Mannes sind eben grantige Klemmschwestern!

  2. ingo 18. September 2008 um 22:06 #

    @schorschi
    …oder auch einfaches „Folk“, um es mal gepflegt auszudrücken.

  3. stephanel 19. September 2008 um 13:46 #

    Gegenfrage: Müssen sich den all‘ die Golf GTI-Fahrer täglich im Strassenverkehr outen?

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