Wer Kritik am Islam verhindert, schadet der Mehrheit der Moslems

22 Sep

Muss man tatsächlich Atheist sein, um den Islam kritisieren zu können? Eine Kolumne von Johann Hari im Independent legt es nahe. Hari erinnert an den Prozess der Zähmung des Christentums:

Wie hat das Christentum seine Fähigkeit verloren, Menschen mit Fantasmen um Sünde und Hölle zu terrorisieren? Wie kam es dazu, dass es die Verbreitung von Scham für natürliche Triebe eingestellt hat – vorehelicher Sex, Selbstbefriedigung oder Homosexualität? Weil Kritiker über die religiösen Geschichten nachgegrübelt haben und große Löcher in Logik und Moral darin entdeckten. Sie stellten Fragen. Wie konnte ein Engel eine Jungfrau befruchten? Warum befiehlt der Gott des Alten Testaments seinen Anhängern, Selbstmord zu begehen? Wie kann ein Mann in einem Wal überleben? Neuinterpretation und Spott haben das vergitterte Christentum geöffnet. Stelle genügend Fragen und der Glaube wird unausweichlich immer weiter und weiter in die neblige Sphäre der Metapher zurückgedrängt – wo er mit geringerer Wahrscheinlichkeit Menschen dazu bringen wird, dafür zu töten und zu sterben.

So in etwa könnte es auch mit der Zähmung des Islam funktionieren. Wenn nicht eben das verhindert würde:

Aber zweifelnde Muslime und die Atheisten, die sie unterstützen, werden davon abgehalten, diesen Weg zu gehen. Sie können nicht fragen: Was sagt es über Mohammed aus, dass er ein kleines Mädchen heiratete, oder dass er ein jüdisches Dorf zerstörte, weil sich die Bewohner weigerten, ihm zu folgen?

Ein Opfer dieses falschen Respekts ist laut Hari die Mehrheit der Moslems selbst:

Eine Religion von der Kritik zu isolieren – sie mit einem Elektrozaun namens „Respekt“ zu umgeben – lässt sie in ihrem kindischsten und fundamentalistischsten Entwicklungsschritt verkümmern. Die schlauen, fragenden und instinktiv moralischsten Muslime – die Mehrheit – lernen, leise zu sein, oder sie werden gemieden (bestenfalls). Wie würde das Christentum heute aussehen, wenn man George Eliot, Mark Twain und Bertrand Russel eingestampft hätte? Nehmen Sie die abstoßenste ländliche Kirche in Alabama und multiplizieren sie sie mit dem Faktor 100.

Dem Einwand, angesichts antiislamischer Vorurteile sei Kritik am totalitären Islam nicht legitim, entgegnet Hari:

Muslime sind sicher genug, um sich mit einigen harten Fragen auseinandersetzen zu können. Es ist herablassend, Muslime wie leicht erregbare Kinder zu behandeln, die mit der forschenden und veralbernden Behandlung nicht zurecht kommen, die wir auf Christentum, Judentum und Buddhismus anwenden. Es ist vollkommen stimmig, Muslime vor Fanatismus zu beschützen und gleichzeitig den Fanatismus und die Absurditäten innerhalb ihrer heiligen Texte herauszufordern.

Doch die Realität sieht anders aus:

Es gibt nun eine Zensurbewegung, die versucht, eine kritische Diskussion des Islam zum Schweigen zu bringen. Auf der einen Seite stehen Fanatiker, die drohen, Sie umzubringen, auf der anderen Kritiker, die Sie „islamophob“ nennen. Aber konsequenter Atheismus ist kein Rassismus. Im Gegenteil: Er behandelt alle Menschen wie reife Erwachsene, die mit rationalen Fragen zurechtkommen. Wenn wir Bücher aus Furcht vor Fundamentalismus einstampfen, dann enthaupten wir die wertvollste Freiheit, die wir besitzen.

Muss man tatsächlich Atheist sein, um diese Haltung einzunehmen?

Eine Antwort zu “Wer Kritik am Islam verhindert, schadet der Mehrheit der Moslems”

  1. Rabenzahl 22. September 2008 um 20:53 #

    Nein, man muss kein Atheist sein – eine ordentliche Portion gesunder Menschenverstand reicht schon.

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