Wir sind alle gut zu Vögeln

18 Sep

Wahlkämpfe sind entweder langweilig oder peinlich. Selten, ganz selten, schaffen es Parteien, konstruktiv die Problemlagen eines Landes zu benennen, denn meistens kommt es eh nur zu einem Wettstreit, wer den Bürgern am glaubhaftesten verspricht, ihr Geld möglichst vorteilhaft umzuverteilen.

In Schleswig-Holstein können wir gerade Wahlkampf der besonders dummen Art erleben. Protagonist ist dabei ein gewisser Volker Lindenau von der Linken; der (vordergründige) Adressat heißt Guido Westerwelle, allseits bekannter parteiliberaler Störenfried des geheiligten sozialen Friedens in der Bundesrepublik.

Alles begann mit einem Flugblatt:

Wie das „Flensburger Tageblatt“ meldet, hat die Linke in Rendsburg die Flyer verteilt. Darin werden Fragen an den fiktiven Sender „Radio Hasser von Guido Westerwelle“ beantwortet. So wird gefragt ob Guido Westerwelle ein Nymphensittich sei. Die Antwort: „Grundsätzlich wäre er gut zu Vögeln“. Dabei wird offen auf die Homosexualität des FDP-Chefs angespielt („in der Vogelwelt sind die Männchen ja auch schöner als die Weibchen“).

Im Prinzip könnte man den ganzen Vorfall souverän ad acta legen und achselzuckend feststellen, dass man von Sozialisten ja eh nicht originelles erwarten könne. Denn man sollte nicht überrascht sein, dass eine strukturkonservative Partei wie die Linke – welche im 21. Jahrhundert immer noch so altmodische Rezepte wie den Sozialismus im Gepäck hat – auch bei der Wahl ihrer Witze, ähnlich altbacken wie bei ihrer politischen Anschauung agiert.

Doch die Sachlage ignorieren, genau das tut die FDP eben nicht:

„Mir war bisher nicht bekannt, dass die Linke mit Hass und herabwürdigenden Witzen gegen Homosexuelle Wahlkampf macht“, erklärte Stefan Joachim Dohm, Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes Rendsburg. Linke Wahlkämpfer hatten ihm in der Innenstadt ein Flugblatt überreicht. Der Text bestehe aus „Hasstiraden auf Homosexuelle“, so Dohm.

Auch die Landes-FDP kritisiert das Flugblatt scharf. So sagte der Vize-Chef der FDP-Fraktion im Landtag, der Vorfall mache klar, dass die Linke für Schwule und Lesben nicht wählbar sei. Die Liberalen nannten die Aktion eine „schwulenfeindliche Schmutzkampagne“.

Dass die Linke nicht wählbar ist – zumindest für diejenigen denen etwas an Freiheit und Wohlstand liegt – mag zwar stimmen, hat aber mit der Sachlage, dass es Schwule und Lesben gibt, erst einmal nichts zu tun. Denn für diese – genau wie für jeden anderen Menschen – ist grundsätzlich alles wählbar, vorausgesetzt natürlich, man kann seine Entscheidung mit seiner Weltanschauung und seinem Gewissen vereinbaren.

Herr Lindenau hat sich selbst vermutlich nichts vorzuwerfen, denn wahrscheinlich sollte sein Flugblatt witzig gemeint sein. Ist es aber nicht, und das aus zwei Gründen:

Zum einen ist der Zusammenhang eines Nymphensittich in seiner Eigenschaft als Vogel, mit der ausführenden Tätigkeit des Vögelns so alt und abgenutzt, dass eigentlich nur ein bierseliger kommunistischer Stammtisch darüber lachen kann.

Zum zweiten ist die Aussage in dem Flugblatt natürlich eine politische. Nämlich eine darüber, dass man bei der Linken sexuelle Denunziation als Mittel der politischen Auseinandersetzung akzeptiert. Und wenn man ins Detail geht, könnte man Herrn Lindenau eine ganz spezielle Form der Schwulenfeindlichkeit nachweisen, nämlich die Reduzierung des Schwulen auf den passiven, weiblich konnotierten Part. Denn wenn jemand „gut zu vögeln“ ist, heißt das ja nichts anderes, als dass dieser jemand eben gerne seinen Arsch hinhält.

Und was man von solchen Subjekten zu halten hat, das weiß schließlich jeder anständige Kerl.

Eine Antwort zu “Wir sind alle gut zu Vögeln”

  1. Sergej 18. September 2009 um 21:23 #

    Wie die Kommunisten zu Homosexuellen stehen, kann man ja am Beispiel Kuba bewundern, wo Verfolgungen an der Tagesordnung sind.

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