Die französische Revolution

13 Jan

Seitdem Frankreichs Präsident Hollande angekündigt hat, den Schwulen und Lesben der „Grande Nation“ die Ehe und Adoption zu ermöglichen, spielen sich im leichtlebigen Frankreich Szene ab, die man normalerweise im „Bible Belt“ der USA erwarten würde:

Als „Ehe für alle“ hatten Hollande und seine Sozialisten die Reform auf die Agenda gesetzt, die Neuerung als mehr Gleichberechtigung und überfällige Anpassung an ein sich wandelndes Familienbild gepriesen. „Demo für alle“, so schallt es den ihnen nun entgegen. Wo anfangs lediglich die katholische Kirche gegen die Homo-Ehe mobil gemacht hatte, protestieren inzwischen auch Vertreter jüdischer und muslimischer Gemeinden, Politiker der rechtsbürgerlichen UMP, Bürgermeister unterschiedlicher politischer Couleur oder beherzte Eltern, die sich für eher unpolitisch halten.

Dass die Religionen Front gegen die Eheöffnung machen erscheint normal, aber „beherzte Eltern“? Welchen Grund haben die zu protestieren? Es ist ja schließlich nicht so, als würde man ihnen ihre Kinder wegnehmen wollen um diese anschließend an homosexuelle Paare zu vermitteln, oder? Auch ist nicht bekannt, dass die Eheöffnung für Homos künftig die Heirat heterosexueller Paare verhindern wird. Warum also die Aufregung?

„Es gibt nichts Besseres für ein Kind als eine Mama und ein Papa“, prangt es auf Flugblättern der Reformgegner, die an den Pariser Metro-Ausgängen im Vorfeld der Großkundgebung das Gespräch suchen.

Die Begründung für die Position, Mama und Papa seien für ein Kind in jedem Fall das Beste, würde ich gerne mal hören. Menschliche Sozialisation und Biologie lassen diese These jedenfalls als nicht besonders stichhaltig erscheinen. Und selbst wenn es so wäre: es ist, wie bereits gesagt, ja nicht so, dass in Frankreich geplant ist, arglosen Mamas und Papas die Kinder wegzunehmen um sie an die Homos des Landes zu verteilen.

Was ermöglicht werden soll ist dagegen, einem Kind ein zu Hause zu geben, das ansonsten keines hätte. Und dabei eben auch auf gleichgeschlechtliche Paare zurückzugreifen. Denn auch das sind liebenden Menschen mit Herz und Gefühl. Auch wenn das die Gegner der Öffnung von Ehe und Adoption anders sehen mögen.

3 Antworten zu “Die französische Revolution”

  1. Atacama 13. Januar 2013 um 13:43 #

    Ich finds auch unverständlich, Im Grunde demonstrieren diese Menschen für etwas bei dem sie eigentlich kein Recht haben, sich einzumischen.

    Das ist in etwa so als würde ich eine Demo organisieren die sich dafür einsetzt, Menschen zu verbieten, Disneyland zu besuchen.

    Es betrifft das eigene Leben ja nicht.

    Ich kann nur hoffen, dass Hollande nicht einknickt. Man kannte sein Wahlprogramm. Man hätte jemand anders wählen können.
    Nun sollte er die die ihn gewählt haben nciht im FDP Style verarschen.

  2. Ralf 18. Januar 2013 um 16:48 #

    Das eben ist der Punkt, Atacama: Millionen von Menschen lieben es, sich in Dinge einzumischen, die sie weder betreffen noch etwas angehen, nur um die wenigen anderen Menschen, die es betrifft und um deren Grundrechte es geht, weiter zu benachteiligen und auszugrenzen. homo hominibus lupus (Das klingt nur zufällig schwul.)

    • Adrian 18. Januar 2013 um 16:49 #

      Einspruch, Ralf! Wölfe sind nicht in dieser Weise asozial, wie so manche Menschen.

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