Der böse Schwule unter uns

12 Mär

Die „Causa Westerwelle“ zieht immer größere Kreise und zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, steht eine öffentliche Person im Verdacht, ihre Homosexualität zu instrumentalisieren, um sich gegen Kritik unangreifbar zu machen. Tissy Bruns hatte diesen Vorwurf im Tagesspiegel erhoben, indem sie die Tatsache, dass Westerwelle seinen Lebenspartner auf Dienstreisen nimmt, als Schutzmechanismus einer diskriminierten Minderheit gegen Kritik interpretiert hatte.

Die selbst deklarierte schwule „Community“ auf der anderen Seite, dreht gerade genauso frei, denn endlich, kann man dem Mann an die Wäsche, der sich seit Anbeginn seiner politischen Karriere zum Feindbild Nummer eins der schwulen „Community“ hochgearbeitet hat: zu spät geoutet, nicht richtig geoutet, Mitglied der FDP, „Neoliberaler“, Befürworter des Big Business, Gegner des Antidiskriminierungsgesetzes, und, nun ja, nicht gerade ein Beau – all das spricht gegen Westerwelle und erklärt auch, warum die „Community“, die sonst so empfindliche Antennen hat, wenn es darum geht, das Messen mit zweierlei Maß bloßzustellen, sich nun fast einmütig gegen Westerwelle stellt. Lange aufgestaute Spannungen lösen sich hier, und kein Argument ist zu peinlich, als dass es nicht gegen den Außenminister in Stellung gebracht wird.

Es geht hier nicht darum, ob Westerwelle sein Amt dazu benutzt hat, sich oder seinen Anverwandten und Feunden Vorteile zu verschaffen, es geht hier alleine um den vom LSVD mit Besorgnis diagnostizierten „falschen Zungenschlag„:

Es ist zu begrüßen, dass Außenminister Guido Westerwelle bei offiziellen Anlässen und Reisen von seinem Partner begleitet wird. Das setzt ein wichtiges Zeichen der Normalität in der internationalen Politik. Denn in vielen Ländern sind Homosexuelle noch von Unterdrückung, Gewalt und staatlicher Verfolgung bedroht.

Ob die Begleitung durch einen Partner im jeweiligen Fall hilfreich oder unangebracht ist, darf aber keine Frage der sexuellen Orientierung sein. Hier müssen gleiche Maßstäbe für homo- und heterosexuelle Partnerschaften gelten.

Wir fordern Politik und Medien auf, kritische Nachfrage differenziert und sachorientiert vorzubringen. Da sollte es keinen falsch Zungenschlag geben. Wer Homosexualität zum Thema machen will, sollte sich lieber auf die noch notwendigen Schritte zur Gleichstellung und den Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen an Lesben und Schwulen konzentrieren.

Es freut mich in gewisser Weise, hier wieder mal als Advocatus diaboli aufzutreten, denn ich habe schon Schlimmeres mitgemacht, habe im Wald Trockenkekse gegessen, die wie getrockneter Kamelkot schmeckten, mich von Mücken zerstechen lassen und mich in einer Gemeinschaftsdusche duschen müssen, ohne dass, abgesehen vom Duschen, was passiert wäre.

Zugegeben, Westerwelle ist, bis zu einem gewissen Grad, selber Schuld: Er hätte wissen müssen, dass ihn eh keiner leiden kann; er hätte wissen müssen, dass man in diesem Land nicht in polemischen Tönen über den Unsinn des deutschen Sozialstaates sprechen kann; er hätte wissen müssen, dass es eine Sache ist, wenn ein SPD-Außenminister einen Tross Geschäftsleute mit auf Dienstreisen nimmt, aber eine ganz andere, wenn dies ein FDPler macht; er hätte wissen müssen, dass in den Foren, den Büros, den Industrieanlagen dieser Republik, sich die Menschen vor Unbehagen winden beim Gedanken, von „so jemandem“ im Ausland repräsentiert zu werden, weil doch nun die Chinesen denken müssen, ganz Deutschland wäre schwul. Was natürlich voll schlimm ist, denn Homosexualität – man sollte dies nie vergessen – ist nun mal was Schlimmes. Kurzum, Westerwelle hätte wissen müssen, dass er unter verschärfter Beobachtung steht.

Manche Kommentare grenzen nur noch ans Groteske, und insbesondere der Tagesspiegel scheint der Groteske eine Bühne geben zu wollen:

Guido Westerwelle wird wegen seiner Äußerungen über die Sozialpolitik und – aktuell – wegen seiner zweifelhaften Amtsführung kritisiert – das hat mir seiner sexuellen Orientierung wahrlich nichts zu tun. Die Vermengung dieser beiden Dinge haben er und „Herr Mronz“ selbst ins Spiel gebracht. Man denke nur an Mronz’ wehklagende (sinngemäße) Äußerung: „Wir haben ja selber keine Kinder – da dachten wir uns, wir könnten uns wenigstens um welche kümmern“.

So spricht ein selbst deklarierter schwuler Mann, und man ist geneigt, sich vor Verblüffung an den Kopf zu schlagen. Hier wird also der Umstand, dass Westerwelles Partner, Michael Mronz, die Reise nach Südamerika dazu genutzt hat, der Organisation „Ein Herz für Kinder“ einen Scheck zu überreichen, als „Vermengung“ mit der eigenen Homosexualität verstanden. Mit Anteilnahme für die jüngsten Erdbebenopfer in Chile, kann das Ganze ja auch gar nichts zu tun haben, denn wie wir wissen, dreht sich bei Schwulen alles um die sexuelle Orientierung, wollen Schwule stets im Mittelpunkt stehen. Und genau so, wie ein Schwulenhasser, wenn er Schwule Händchen halten sieht, nicht etwa Liebe und Zuneigung wahrnimmt, sondern nur erkennen kann, dass Schwule ihre sexuelle Orientierung  in den Vordergrund stellen wollen, sieht ein schwuler Kommentator in Mronz‘ öffenlichkeitswirksamer Überreichung einer Spende nichts anderes, als eben genau das: die sexuelle Orientierung.

Doch das ist ja noch längst nicht alles, denn der denkwürdigste Kommentar zur Affäre Westerwelle, ist dieser hier:

Westerwelles Egomanie zerstört auch jahrelange „Aufklärungsarbeit“ der Community, er ist, in meinen Augen, eine Schande – nicht nur für uns!

Was genau ist damit gemeint? Wie bitte schön vermag es Westerwelle, das Bild der Schwulen in der Gesellschaft negativ zu beeinflussen?

Man muss sich über eine solche Äußerung geradezu lustig machen, denn offensichtlich sah, diesem Kommentar nach,  die „Aufklärungsarbeit“ der „Community“ bislang folgendermaßen aus:

– Schwule sind nicht Mitglied der FDP

– Schwule tragen keine Anzüge

– Schwule sind nicht Außenminister

– Schwule haben keine attraktiven Partner

– Schwule nehmen ihre attraktiven Partner nicht auf Dienstreisen mit

Ja, ich weiß, mal wieder eine zynische Polemik von mir, denn natürlich ist klar, worauf der Kommentator anspielt. Aber selbst wenn wir annehmen, die Vorwürfe der Vetternwirtschaft würden tatsächlich auf Westerwelle zutreffen, inwiefern sollte dieser Umstand die Arbeit der schwulen „Community“ zerstören? Etwa weil

– Schwule heilig sind?

– sich niemals Vorteile verschaffen?

– keine Geschäftskontakte an Freunde und Verwandte vermitteln?

– ihr Amt niemals für eigene Zwecke missbrauchen?

Sollte dies zutreffen, bestand die Arbeit der „Community“ bislang also darin, die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft darüber „aufzuklären“, dass Schwule ganz anders als andere Menschen sind; dass sie  niemals lügen, niemals betrügen, sich niemals bestechen lassen, und darüber hinaus, den ganzen Tag Alte und Kranke pflegen und auf dem Klo Rosenwasser pinkeln und Petunien kacken.

Wovor hat der Kommentator Angst? Dass sich von an jeder Schwule erklären muss, dass  man selbst nicht wie Westerwelle ist? In diesem Fall kann man, erstens, jeden, der einen Schwulen mit Westerwelle gleichsetzt, guten Gewissens einen Deppen nennen, und, zweitens, den „Aufklärern“ der „Community“ komplettes Versagen bescheinigen, weil sie es nämlich versäumt haben, den Heteros klar zu machen, dass Homos eben auch nur ganz normale Menschen sind.

Nein, Schwule werden in Deutschland auch im Jahre 2010 noch nicht so behandelt wie Heteros, sie werden eben  nicht als ganz normale Menschen behandelt, und jeder, der sich das Gegenteil einreden will, macht sich was vor. Ein weiterer Kommentar aus dem Tagesspiegel verdeutlicht das:

Es ist Privatsache wer was tut und vor allem welcher Neigung er nach geht, darum es geht es aber hier. Dieses ewige in den Vordergrund geschiebe „Ich bin schwul“ wen interessiert das? Es wäre das Gleiche, wenn Steinmeier oder wer auch immer ständig betonen würden sie seien hetero oder Wowereit zu jedem Anlass raushängen lassen müsste er sei schwul, mal ehrlich wer will das wissen? Westerwelle kann sich aber schön darauf ausruhen und das als Begründung später abgeben, Deutschand sei schwulenfeindlich, weil er weiß, dass er politisch schon längst in Rente ist.

Ich glaube schon, dass dieses extrovertierte „schwulsein“ in Bars durchaus okay ist, aber nicht als Schauplatz eines Politikers und schon mal garnicht der ein so hohes Amt inne hat, dass die sich selbst nicht blöd vor kommen zeigt deren Realtiätsverlust.

Dabei hat Westerwelle an keiner Stelle seine Homosexualität in den Vordergrund geschoben bzw. „extrovertiertertes“ Schwulsein gezeigt – was auch immer das sein soll -, im Gegenteil, wurde und wird er innerhalb der schwulen „Community“ beständig ob seiner „Diskretion“ in Bezug auf seine sexuelle Orientierung gescholten. Zu behaupten, er ruhe sich auf seiner Homosexualität aus, um sich unangreifbar zu machen, ist eine reine Unterstellung, deren homophobe Intention im Hintergrund mitschwingt, weil sich diese Unterstellung eben alleine auf den Umstand stützen kann, dass Westerwelle seinen Lebenspartner mit auf Reisen nimmt.

Und wird man jemals über einen Hetero, der seine Freundin mitnimmt, zu hören bekommen, er schiebe deshalb seine Heterosexualität in den Vordergrund?

Ich denke, diese Frage beantwortet sich von selbst…

16 Antworten zu “Der böse Schwule unter uns”

  1. Parsa Kakashanian 12. März 2010 um 20:35 #

    Ach Adrian. Deine Argumentation hat nur einen Haken. Es waren nicht Frau Bruns oder Frau Nahles, die plötzlich den Vorwurf erhoben, Westerwelle würde seine Homosexualität instrumentalisieren. Es war Frau Koch-Mehrin, unser blonder Engel aus Brüssel, die meinte in der Kritik der Opposition schwulenfeindliche Töne zu hören. http://www.liberale.de/wcsite.php?wc_c=4771&wc_id=8681&wc_p=1&wc_lkm=1

    Das ist aber völliger Blödsinn. Vielleicht sollte sich Frau Koch-Mehrin fragen, warum sie solche bekloppten Vorwürfe ins Speil bringt. Hat sie vielleicht sensiblere Antennen als die linksschwule Community? Alles in allem ein peinlicher Versuch der FDP auf den Gutmenschenzug aufzuspringen. Ich gehe davon aus, dass Herrn Westerwelle die Äußerungen seiner Europafreundin peinlich sind.

  2. Adrian 12. März 2010 um 20:53 #

    Interessant, Parsa. Nur, was hat Frau Koch-Mehrins Äußerung, mit den Vorwürfen Richtung Westerwelle zu tun, er würde seine Homosexualität instrumentalisieren? Ist Westerwelle mit Frau Koch-Mehrin mittlerweile identisch?

    Ich zitiere noch mal Frau Bruns:
    „Als Vizekanzler wehrt ausgerechnet der große Tabubrecher den Vorwurf der Interessenvermengung nun mit einem Doppel-PC ab. Ein schwules Paar plus soziales Engagement für Kinder – ist das nicht eine fast unwiderstehliche appellative Botschaft an die politische Correctness der öffentlichen Meinung? Nein, das ist es nicht. Es ist ein alter Herrschaftstrick von vormals Ausgeschlossenen, sanft an die alten Diskriminierungen zu erinnern, wenn es in den neuen Machtpositionen ungemütlich wird.“

    Da steht doch eindeutig, Westerwelle und Mronz nutzen ihr gemeinsames Auftreten als schwules Paar „um sanft an die alten Diskriminierungen zu erinnern“. Es wird suggeriert, Westerwelle nutze seine Beziehung mit Mronz als Versicherung, er nutze die PC der Bevölkerung, um unangenehmen Fragen mit Verweis auf Homophobie zu kontern. Das hat mit Kritik an Westerwelles Amtsführung nichts zu tun. Es ist nichts weiter als eine schlüpfrige Unterstellung.

    Von Frau Koch-Mehrin ist da nicht die Rede. Im Übrigen weiß ich gar nicht, wieso Du hier die Nahles ins Feld wirfst. Ich habe sie mit keinem Wort erwähnt.

  3. Ralf 12. März 2010 um 22:52 #

    Guido hat einfach deswegen so wenige Freunde unter seinesgleichen, weil er einer Partei vorsteht, die eine massiv homofeindliche Politik betreibt; und er hat einfach deswegen so wenige Freunde unter den Heten, weil er es schon immer verstanden hat, sich durch seine „Ichbinvielleichtschwulaberwenntatsächlichdannnichtsorichtigundnichtganzoffen“-Haltung zur Zielscheibe von Anzüglichkeiten zu machen. Schließlich und endlich hat er jahrelang die Macht angestrebt und weiß jetzt nichts mit ihr anzufangen. So lauert man denn von allen Seiten auf jeden echten oder vermeintlichen Fehltritt, der aufgebauscht werden kann. Im Grunde ist er der beste Beweis dafür, dass ein Schwuler in seinem Beruf oder in einem öffentlichen Amt mindestens doppelt so gut sein muss wie jeder Andere und dass man ihm all jene Fettnäpfchentretereien, die dem Durchschnittshetero nicht angelastet werden, mit zehnfacher Häme ankreidet.

  4. Stine 13. März 2010 um 10:21 #

    So funktioniert Meinungsmache in Deutschland: „Die Juden“ schwingen immer gleich die „Antisemitismuskeule“ und „die Schwulen“ die „Homophobiekeule“. Aber man lässt sich nicht täuschen, das Tarnmanöver, mit dem gegen Kritik immunisiert werden soll, wird enttarnt und umso erbarmungsloser draufgehauen.

    Ich würde ja gern mal etwas über die Auslandsreisen unseres Außenministers hören, nämlch über Inhalt und Ergebnisse. Das spielt ja gar keine Rolle mehr, sondern nur noch, wen er mitnimmt.

  5. Parsa Kakashanian 13. März 2010 um 14:26 #

    @ Adrian

    Der ganze Artikel wäre nicht zu verstehen, wenn der absurde Vorwurf – die Opposition würde Kritik mit dem Appell an schwulenfeindliche Ressentiments mischen – nicht bereits ausgesprochen gewesen wäre.

    „Da steht doch eindeutig, Westerwelle und Mronz nutzen ihr gemeinsames Auftreten als schwules Paar “um sanft an die alten Diskriminierungen zu erinnern”.“

    Nein, das steht da nicht. Der Satz lautet: „Es ist ein alter Herrschaftstrick von vormals Ausgeschlossenen, sanft an die alten Diskriminierungen zu erinnern, wenn es in den neuen Machtpositionen ungemütlich wird.“

    Für die Kritik an der Reisepraxis ist es völlig irrelevant, ob Westerwelle da mit männlichem oder weiblichem Anhang auftritt.

  6. Parsa Kakashanian 13. März 2010 um 14:32 #

    @ Stine

    „Ich würde ja gern mal etwas über die Auslandsreisen unseres Außenministers hören, nämlch über Inhalt und Ergebnisse.“

    Wäre wünschenswert. Im Gegensatz zum anderen großen Politkrawallo, der mal Aussenminister geworden ist, hat sich Westerwelle im Amt bisher nicht wirklich verändert. Aussenminister müssen bekanntlich Meister der Diplomatie, des Leise-Tretens und Wirkens hinter den Kulissen sein.

    Auf Dauer gefährdet Westerwelle so die Integrität deutscher Außenpolitik. Im Ausland wird niemand einen deutschen Außenminister ernst nehmen, der zuhause unter Dauerbeschuss steht und sich zuvorderst als Parteipolitiker begreift. Westerwelle ist eine Fehlbesetzung, zumal es in seiner Partei sonst nur größtenteils Schwachmaten gibt, und er als Alphamännchen der einzige wäre, der – in anderer Position – die ambitionierten Versprechen der Liberalen durchboxen könnte. Die Zeit nach der NRW-Wahlniederlage von Schwarz-Gelb wird spannend.

  7. Adrian 13. März 2010 um 14:58 #

    @ Parsa

    „Der ganze Artikel wäre nicht zu verstehen, wenn der absurde Vorwurf – die Opposition würde Kritik mit dem Appell an schwulenfeindliche Ressentiments mischen – nicht bereits ausgesprochen gewesen wäre.“

    Ich beziehe mich aber nicht auf die Opposition, ich beziehe mich nicht auf Frau Nahles, ich beziehe mich auch nicht auf Frau Koch-Mehrin. Wenn ich mich auf sie beziehen würde, hätte ich sie zitiert.

    Ich beziehe mich auf Frau Bruns und Leserkommentare im Tagesspiegel, die Westerwelle unterstellen, er instrumentalisiere seine Homosexualität weil er seine Partner mit auf Reisen nimmt.

    Noch mal das Zitat:

    „Ein schwules Paar plus soziales Engagement für Kinder […] ist ein alter Herrschaftstrick von vormals Ausgeschlossenen, sanft an die alten Diskriminierungen zu erinnern, wenn es in den neuen Machtpositionen ungemütlich wird.”

    „Für die Kritik an der Reisepraxis ist es völlig irrelevant, ob Westerwelle da mit männlichem oder weiblichem Anhang auftritt.“

    Ja, das seh ich auch so. Aber das habe ich ja auch geschrieben:

    „Es geht hier nicht darum, ob Westerwelle sein Amt dazu benutzt hat, sich oder seinen Anverwandten und Feunden Vorteile zu verschaffen, es geht hier alleine um den vom LSVD mit Besorgnis diagnostizierten “falschen Zungenschlag“:“

  8. Ralf 13. März 2010 um 16:09 #

    Der LSVD hat keinen Grund, sich hinter, vor oder neben Westerwelle zu stellen, denn Westerwelle ist politischer Gegner des LSVD und von dessen Zielen. Das sollte man dort endlich mal merken und daraus die Konsequenzen ziehen. Solidarität mit Leuten, die zwar mit ihrer sexuellen Präferenz kokettieren, aber konsequent gegen die Interessen von Schwulen und Lesben arbeiten, kommt für mich nicht in Frage, mögen sie zu Recht oder zu Unrecht angegriffen werden.

  9. Adrian 13. März 2010 um 16:17 #

    Ralf, jetzt fängst Du auch mit dem Vorwurf an, Westererwelle würde mit seiner Homosexualität kokettieren. Was soll denn dieser Vorwurf? Gibt es irgendwo Richtlinien, die definieren, wie man sich als Schwuler zu verhalten hat, oder wie man seine Beziehungen leben soll?

    „aber konsequent gegen die Interessen von Schwulen und Lesben arbeiten“

    Was auch immer die (politischen) Interessen von Schwulen und Lesben sein mögen… Man sollte nicht so tun, als würden alle das Gleiche wollen.

    Ich finde es gut, wenn der LSVD auch seine „politischen Gegner“ unterstützt, wenn der Verdacht besteht, ein Homo könnte auf Grund seiner sexuellen Orientierung anders behandelt werden, als ein Hetero. Das ist für mich echte Solidarität – jenseits allen Partei- und Interessenklüngels.

  10. Ralf 13. März 2010 um 17:06 #

    @ Adrian

    Erinnern wir uns doch, dass Guido sich nie klar ausgesprochen hatte, bis er zu Angelas Geburtstag mit seinem Freund auftauchte. Erinnern wir uns, dass er immer den bemunkelnswerten Junggesellen spielte, in höchster Vollendung in jener venezianischen Gondel, als er über die Kitschgrenze schipperte. Gerade dieses Verhalten hat ihn doch erst zur Zielscheibe und zur belächelten Figur gemacht. So geht es allen, die meinen, als mehr oder weniger gut verkleidete Heteros ehrenhalber leben und arbeiten zu können. So erkennen einen die Heten aber bestenfalls als Pausenclown an. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Jahrelang Getuschel, jahrelang dumme Sprüche, jahrelang Aktivitäten, mich in peinliche Situationen zu manövrieren. Ein einziges Mal gegenüber einer anzüglichen Bemerkung Rückgrat gezeigt – und fertig. Seither ist Ruhe, und seither werde ich nicht mehr ständig angeschossen. Diesen Moment, sich Respekt zu verschaffen, hat Guido verpasst. Noch heute bringt er es nicht fertig, seinen Lebensgefährten als solchen zu bezeichnen, und nennt ihn „Herrn Mronz“, als wäre er ein Nachbar oder Kollege. Seine Art von Homosexualität ist und bleibt von Peinlichkeit und augenbrauengehobenem Grinsen geprägt, und das ist nicht gut so.

    Ein gemeinsames Interesse haben alle Schwulen und Lesben – oder sollten es zumindest haben: schlicht genauso behandelt werden wie die Heteros. Und das zu verhindern, macht sich die FDP stark, seit es sie gibt. Und nein – der LSVD verkennt seine Aufgabe als Interessenverband, wenn er meint, er müsse homophilen Homophoben beispringen.

  11. Björn 13. März 2010 um 17:16 #

    „Ich finde es gut, wenn der LSVD auch seine “politischen Gegner” unterstützt, wenn der Verdacht besteht, ein Homo könnte auf Grund seiner sexuellen Orientierung anders behandelt werden, als ein Hetero.“

    Ganz genau. Ich bin weiß Gott kein Freund von Westerwelle, aber was da momentan läuft, ist eine Kampagne mit homophoben Untertönen. Dieser Bruns-Kommentar etwa… unfassbar!

  12. Adrian 13. März 2010 um 17:35 #

    @ Ralf

    Dass Westerwelle von seinem Freund in der Dritten Person spricht, halte ich auch für ziemlich albern, aber letztendlich geht es mich nichts an. Ist schließlich sein Leben. Ich halte Westerwelle im Übrigen für so prüde, dass er auch seine Freundin mit „Frau xxx“ anreden würde.

    „Ein gemeinsames Interesse haben alle Schwulen und Lesben – oder sollten es zumindest haben: schlicht genauso behandelt werden wie die Heteros. Und das zu verhindern, macht sich die FDP stark, seit es sie gibt.“

    Dass mag sein, aber deshalb kann ich „falsche Zungenschläge“ gegenüber Westerwelle dennoch kritisieren. Weil ich es scheinheilig finde, von Heteros als Schwuler nur dann als normal anerkannt zu werden, wenn ich mich so verhalte, wie es für den jeweiligen Hetero (oder Homo) gerade opportun ist.

  13. Christian Soeder 14. März 2010 um 17:30 #

    Dem allen ging der groteske Versuch von Silvana Koch-Mehrin voraus, alle Westerwelle-Kritiker als homophob zu „entlarven“, und Christian Lindner entblödete sich nicht, die Demokratie in Gefahr zu sehen, weil sein Chef kritisiert wird.

    Insofern ist der queer.de-Artikel völlig gerechtfertigt.

  14. Adrian 14. März 2010 um 17:58 #

    SEUFZ! Frau Koch-Mehrin und ihre Äußerungen interessieren mich nicht!

  15. Christian Soeder 14. März 2010 um 18:03 #

    Habe ich gelesen, ja. 🙂

  16. Tom 14. Dezember 2011 um 21:26 #

    Jungs … der Hauptartikel hat – aus einer ¾-Jahr Retrospektive einen großen blinden Hacken und ist meiner Meinung damals nach sehr einseitig formuliert worden … : Der Autor eifert vehement gegen eine – in seinen Augen – verwerfliche „Instrumentalisierung“ der Homosexualität und verwechselt es wohl mit dem „Bestreben einer Minderheit Ihre Rechte auf ungewöhnlichen Wegen durchzusetzen“.
    Wir wissen heute, dass das Beeinflussen von in „trägen Traditionen eingefahrenen“ Massen – in eine „positive“ Richtung – ins Besondere durch kleine und größere Provokationen seitens der Minderheiten (nicht nur aus der homosexuellen Gesellschaft) in der Vergangenheit erst möglich war und immer noch ist. Ich finde es sehr mutig und Ehrenhaft, dass Westerwelle damals mit seinem Partner als Staatsbesuch unterwegs war. Die mediale Aufmerksamkeit, die ihm und seinem Partner zuteilwurde brachte Furore und die schafft Diskussionen und diese sind für Meinungsbildung unentbehrlich … insbesondere in Ländern, wo solche Themen tabuisiert werden! Und das betrifft auch Deutschland, dort wo alles, was in der politischen Welt – mehr als irgendwo sonst in der Welt – thematisiert und analysiert wird.
    Auch wenn der Schreiber des Artikels offensichtlich nicht die politischen Einsichten mit Westerwelle teilt, sollte Westerwelle in seiner stillen „Mission“ als schwuler Außenminister unterstützt werden … auch wenn er dabei nicht immer 100% die Erwartungen der schwulen Comunity erfüllt … Seine offene schwule Existenz und Präsenz als Repräsentant Deutschlands (unabhängig seiner politischen Ansichten!) hat mit Sicherheit nicht nur die mediale Welt um ein kleines Bisschen sensibilisiert .. diese positive Nuance habe ich in dem Leitartikel völlig vermisst …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

%d Bloggern gefällt das: