christlich kollektivistisch – islamisch pluralistisch

8 Sept

Südafrika geht mal wieder mit bestem Beispiel voran (nachdem es bereits die Ehe auch für Schwule und Lesben geöffnet hat):

Der Oberste Gerichtshof in Pretoria (Südafrika) hat die Holländisch Reformierte Gemeinde Moreleta Park zu einem Schmerzensgeld von 7.700 Euro verurteilt. Geklagt hatte Johan Strydom (31), ein ehemaliger Mitarbeiter der Freikirche, der nach Bekanntwerden seiner Homosexualität aus der Kirche geworfen wurde. Dabei verlor er seinen Job und musste wegen finanzieller Knappheit sogar sein Haus verkaufen. Er fühlte sich diskriminert und erlitt Depressionen. Die Kirchengemeinde, vertreten von Gemeindeleiter Dominee Dirkie van der Spuy, rechtfertigte ihren Schritt aus ihrem Bibelverständnis, Homosexualität sei eine Sünde vor Gott. Der Mitarbeiter habe sich geweigert, über seine Sexualität mit der Gemeindeleitung zu diskutieren, nachdem diese ihn aufforderten, zölibatär zu leben und ein Umpolungsprogramm (H2O „Homosexuality To Overcome“) zu absolvieren.

Was bekanntermaßen absoluter Nonsens ist, da Umpolung der sexuellen Orientierung nicht funktioniert.

Strydom selbst sehe kein Problem, er fühle sich als Christ von Gott so geschaffen und angenommen wie er sei. Dabei wundere ihn die selektive Bibelauslegung der Kirche, mit der man früher die Apartheid unterstützt habe und heute genauso gegen Homosexuelle vorgehe.

Der Gemeindeleiter hingegen zeigte sich enttäuscht darüber,

dass die Grundrechte eines einzelnen Menschen höher gewertet würden als das Recht auf Religionsfreiheit.

Dabei ist das doch eine wunderbare Prioritätensetzung: Das Individuum geht vor, das Recht von Gruppen, ihre Mitglieder zu disziplinieren, hat dahinter zurück zu stehen.

Ein ähnliches Diskussionsangebot wie das der Holländisch Reformierten Gemeinde wird aus Norwegen gemeldet:

Der islamische Rat von Norwegen lädt schwule und lesbische Muslime ein, mit ihren Imamen über Homosexualität zu sprechen. Die Imame wiederum sind aufgefordert, den Gläubigen zuzuhören. Es könne nicht sein, dass homosexuelle Muslime in einem freien und demokratischen Land unter Angst leben müssen.

Dafür gibt es schließlich genug undemokratische Länder, in denen Homosexuelle – ob Moslems oder nicht – in Angst leben müssen.

Zwar sei eine offene Homosexualität nicht mit den Grundsätzen des Islam vereinbar, dennoch müsse auch diese Religion konstruktiv mit der Problematik umgehen.

Was auf jeden Fall im streng islamischen Sinne pluralistisch gemeint ist. In der Demokratie nämlich bedeutet dies, Schwule leben zu lassen. Woanders aber…

Erst im August hatte die Ministerin für Kinder und Gleichheit, Anniken Huitfeldt, den islamischen Rat scharf kritisiert, weil dieser sich nicht eindeutig gegen die Todesstrafe für Homosexuelle aussprach. Hierzu sagte Senaid Kobilica, der Vorsitzende des Rates, dass er zwar natürlich gegen eine Todesstrafe in Norwegen sei, sich aber nicht in die Gesetzgebung anderer Nationen einmischen könne.

Dafür könnte sich zur Abwechslung ja mal ein Internationaler Strafgerichtshof interessieren, der sich – statt sich dem Recht von Völkern dem Recht von Individuen zuwendend -, unter dem Titel Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Verbrechen der Aggression durchaus auch mal dem Interesse homosexueller Menschen auf ein von Homophobie und Angriffen auf Leib und Leben ungestörtes Dasein widmen könnte.

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