Man muss nicht immer höflich sein

28 Aug

Russlands „Anti-Homo-Gesetz“ klebt den Moskauer Machthabern weiterhin wie Dreck unter den Schuhsohlen. Das vorrangige Ziel des Gesetztes, nämlich das Thema Homosexualität aus der Öffentlichkeit zu verbannen, darf man bereits jetzt als gescheitert betrachten. Die Diskussionen gehen unvermindert weiter und auch Russland selbst kann sich dem Sog dieser Debatte nicht entziehen.

In Moskau hat die Polizei die Wohnung von Nikolaj Aleksejew durchsucht und regelrecht verwüstet. Vorangegangen war die Anzeige von Aleksejew durch eine russische Abgeordnete. In St. Petersburg wurden satirische Gemälde von Politikern aus einer dortigen Austellung beschlagnahmt und entfernt. Russland zeigt sich als der Staat der er schon immer war: repressiv, autoritär, die individuelle Freiheit der Menschen mit Füßen tretend.

Währenddessen streiten Sportler aus aller Welt weiterhin um Olympia 2014 und die Konsequenzen des „Anti-Homo-Gesetzes“. So hat der kanadische Eishockeyspieler Sidney Crosby die Situation in Russland kritisiert und sich gegen das Gesetz ausgesprocehn.

Voll hinter dem Gesetz steht dagegen der russische Eishockeyspieler Ilja Kowaltschuk:

„Natürlich bin ich dafür. Ich bin Russe und alle müssen das respektieren“. Seine Unterstützung habe persönliche Gründe, so Kowaltschuk weiter. „Das ist unser Land und das muss respektiert werden.“

Welche „persönlichen Gründe“ ausschlaggebend für Kowaltschuks Unterstützung des „Anti-Homo-Gesetzes“ sind, darüber kann man wohl nur spekulieren. Und eine Begründung, warum man Gesetze per se respektieren muss, wird leider auch nicht geliefert.

Einen interessanten Zwischenweg hat hingegen der amerikanischer Eiskunstläufer Jeremy Abbott gewählt:

Er bezeichnete in der „Denver Post“ ausländische Kritik an der russischen Politik als „unhöflich“: „Ich besuche niemanden und sage dann: ‚Äh, Tschuldigung, wie Sie Ihr Haus einrichten, ist ekelhaft und Sie müssen alles umorganisieren. Das ist ein bisschen unhöflich“. Aus diesem Grund wolle der WM-Achte von 2012 nicht Böses über Russland sagen, auch nicht zum Gesetz gegen Homo-„Propaganda“.

Nun kann man geteilter Meinung sein, ob der Vergleich mit der Inneneinrichtung eines Hauses und einem faktischen Verbot von Homosexualität glücklich gewählt ist. Fraglich ist auch, ob Abbott seine Höflichkeit vor dem Gastgeber so weit treiben würde, diesen nicht zu kritisieren, wenn etwa der Frau des Hauses Ohrfeigen verpasst oder die Kinder in ihren Zimmern eingesperrt werden. In solchen Fällen wird Höflichkeit sehr schnell zur Gleichgültigkeit.

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2 Antworten to “Man muss nicht immer höflich sein”

  1. martin 28. August 2013 um 10:28 #

    Wie meinst Du das, Russland selbst könne sich dem Sog der Debatte nicht entziehen? Es macht für mich eher den Eindruck, wenn ich mir etwa ansehe, was Kowaltschuk und Issinbajewa gesagt haben, dass sich viele Russen nun schon aus nationalem Trotz hinter Putin versammeln, wie sie selbst auch immer zu Homosexualität stehen mögen. Und dann hätte tragischerweise ausgerechnet der ausländische Druck eine womöglich beabsichtigte Wirkung der „Anti-Homo-Gesetzgebung“ noch befördert: nämlich den herrschenden Putinismus durch systematische Ausgrenzung einer Minderheit zu stützen – irgendwelche Sportveranstaltungen hin oder her. Und das macht mich doch einigermaßen ratlos.

  2. Adrian 30. August 2013 um 11:18 #

    @ martin
    „Wie meinst Du das, Russland selbst könne sich dem Sog der Debatte nicht entziehen?“

    Ich meine damit, dass Homosexualität nun im Fokus der Öffentlichkeit steht. Auch in Russland.

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